Aktienmarkt
Katastrophale Kursverluste für Banken

Die schlimmsten Befürchtungen der Anleger werden wahr: Die Finanzbranche gehört zu den größten Verlierern des Brexits. Die Anleger flüchten aus den Aktien.

LondonRuhe ist jetzt erste Banker-Pflicht. Nach dem hässlichen Brexit-Schock versuchen die Chefs der großen europäischen Geldhäuser ihre Kunden, ihre Investoren und wohl auch sich selbst zu beruhigen.

„Sicherlich sind wir als Bank mit Sitz in Deutschland und einem starken Geschäft in Großbritannien gut darauf vorbereitet, die Folgen des Austritts zu mildern“, versichert Deutsche-Bank-Chef John Cryan. Douglas Flint, Chairman des britischen Bankenriesen HSBC, versucht sich ebenfalls in Schadensbegrenzung: „Als eine der größten, stabilsten liquidesten und vorsichtigsten Finanzinstitutionen sind wir in einer guten Position, um die Kunden und die Märkte zu unterstützen.

Unterstützung könnten die Märkte sicherlich brauchen, vor allem aber die Bankaktien selbst. Wie befürchtet gehören die Geldhäuser zu den Hauptleidtragenden des Brexits. Die Kursverluste fallen auf der Insel und dem Kontinent dramatisch aus.

Die Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank verloren kurz nach dem Handelsstart am Freitagmorgen jeweils rund 16 Prozent. Für die Deutsche Bank ist das ein neues Rekordtief. Die Aktien der Royal Bank of Scotland lagen an der Londoner Börse rund 28 Prozent im Minus, Papiere von Lloyds und Barclays büßten mehr als 22 Prozent ein. HSBC kommt wegen seines starken Asiengeschäfts mit einem Minus von fünf Prozent bislang vergleichsweise glimpflich davon. Die italienische Unicredit verliert ein Viertel ihres Börsenwerts, die französische Societe Generale 18 Prozent.

Auch die Aktien der Versicherer kamen unter die Räder. Der britische Konzern Aviva verlor rund 25 Prozent. Die Allianz sackte an der Börse zwischenzeitlich um mehr als zwölf Prozent ab.

Die Aktien vieler europäischer Großbanken haben bereits ein miserables erstes Halbjahr hinter sich mit Kursverlusten von 30 Prozent und mehr. Bereits vor dem Brexit schlug den Geldhäusern so viel Misstrauen entgegen wie noch nicht einmal auf dem Höhepunkt der Finanzkrise.

Der Grund für die Kursverluste: Die Geldhäuser sind in einer Art perfektem Sturm gefangen. Die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank frisst die Margen auf, die immer härteren Vorgaben der Finanzaufsicht untergraben Geschäftsmodelle, und junge Technologiefirmen greifen die Platzhirsche in beinahe allen Geschäftsfeldern an.

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