Aktienplatzierung
Kursrutsch bei Thyssen-Krupp-Aktie

Die Thyssen-Krupp-Aktie rutscht so stark ab wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Das Unternehmen hat knapp 50 Millionen Aktien auf den Markt geworfen, doch die verkaufen sich nicht so gut wie erhofft.
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DüsseldorfDiesen Kurssturz hat Thyssen-Krupp sehenden Auges selbst verursacht: Zum Börsenstart sind die Aktien des Stahlkonzerns mehr als fünf Prozent auf 32,97 Euro abgesackt, nachdem bekannt wurde, dass Thyssen eigene Aktien in Milliardenhöhe am Markt platzieren will. Das Unternehmen ist damit am Morgen eindeutig der schwächste Wert im Dax. Bereits am Mittwoch waren die Titel mit einem Abschlag von 0,5 Prozent auf 34,75 Euro aus dem Handel gegangen.

49,5 Millionen Aktien will das Unternehmen verkaufen, es gibt damit 9,6 Prozent seines Grundkapitals in den Streubesitz. Mit den Einnahmen will Thyssen-Krupp seinen riesigen Schuldenberg verkleinern. Ende des zweiten Quartals lag die Verschuldung bei 6,5 Milliarden Euro.

Laut Händlern wird am Markt derzeit mit einem Platzierungspreis zwischen 32,95 und 33,95 Euro gerechnet. Die Aktien sollen noch am Donnerstag von Commerzbank, Deutscher Bank und HSBC Trinkaus bei Investoren untergebracht werden. Dem Stahlkonzern würden damit zwischen 1,63 und 1,68 Milliarden Euro zufließen. Offenbar läuft die Platzierung allerdings schleppender als gedacht, kommentierte ein Börsianer und verwies auf Informationen der Deutschen Bank. Es sei eine große Menge Aktien und der „Discount“ sei mit um die fünf Prozent auch nicht gerade groß.

Mit geringeren Schulden will sich Thyssen-Krupp wieder die Gunst der Ratingagenturen erarbeiten. Bei Standard & Poor's hat der Stahlkonzern nach eigenen Angaben Ramschniveau, bei Moody's und Fitch fehlt nur noch ein kleiner Schritt bis zum Junk-Status.

Die kurzfristigen Einbußen beim Aktienkurs sollen daher der angemessene Preis sein für ein stärkeres Vertrauen der Anleger. Ein Händler bezweifelt, dass das dauerhaft zu einer Belastung wird: „Das wird die Aktie nur kurzfristig unter Druck bringen." Doch mit dem heutigen Tag alleine dürfte der Abwärtskurs noch nicht zu Ende sein. Analysten waren erstaunt über die große Menge der zu platzierenden Aktien. Der Markt könne einige Tage brauchen, um das zu verdauen.

Größter Kursverlust seit fast zwei Jahren

Analyst Kartik Swaminathan von Goldman Sachs kündigte an, sein Kursziel zu überarbeiten. Den Schuldenabbau wertete er in einem ersten Kommentar aber als positiv. Thyssens Bilanz werde dadurch robuster. Außerdem halte das Management Wort, den Schuldenberg weiter abbauen zu wollen. Sauragh Kothari von der UBS zielte vor allem auf die Verwässerung beim Gewinn je Aktie ab, die im kommenden Jahr bei etwa sechs Prozent liegen dürfte. Gleichzeitig biete die zu erwartende kurzfristige Kursschwäche eine gute Einstiegsgelegenheit.

Die Kursverluste am Morgen waren die größten seit Ende Oktober 2009. Abgesehen von den jüngsten Turbulenzen hat die Thyssen-Aktie ein erfolgreiches Jahr hinter sich. In den vergangenen zwölf Monaten hat das Papier über 60 Prozent zugelegt. Jüngst ging es allerdings stärker auf und ab: Erst platzte ein vielversprechender Deal mit Abu Dhabi, wohin Thyssen seine Werftentochter verkaufen wollte. Außerdem steckt das Unternehmen mitten im Streit mit dem Bundeskartellamt. Jahrelang sollen Mitarbeiter von Thyssen-Krupp in einem Kartell namens "Schienenfreunde" Preisabsprachen geführt haben. Kartellkomplize Voestalpine will nun als Kronzeuge auch gegen Thyssen-Krupp aussagen.

Annika Reinert
Annika Williamson
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

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