Aktienwert der Konsumforscher hat sich seit Anfang vergangenen Jahres verdreifacht
Analysten loben clevere Einkaufspolitik der GfK

Den Marktforschern der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) dürfte der Spaß an ihrer Arbeit vergehen, wenn sie in Sachen eigene Aktie die Analysten befragen sollten. Keineswegs weil der Titel so schlecht läuft, sondern weil der Gleichklang positiver Aussagen so ermüdend ist: Kaufen, kaufen, kaufen – so lautet das beinahe einhellige Urteil, das nur durch vereinzelte „Halten“-Rufe aufgelockert wird.

DÜSSELDORF. Der Aktienkurs der GfK ist seit seinem Allzeittief von 9,70 Euro Anfang 2003 kontinuierlich gestiegen. Inzwischen liegt der Titel bei gut 28 Euro. Doch immer noch sei die Aktie im Vergleich zu internationalen Wettbewerbern wie TNS, Ipsos oder VNU unterbewertet, sagen Analysten. Das Kursziel für die nächsten zwölf Monate schwankt zwischen 30 und 36 Euro.

Regelrecht ins Schwärmen kommt Peter-Thilo Hasler von der Hypo-Vereinsbank, wenn er über die GfK spricht: „Das Tolle an dem Unternehmen sind die vielen Kontakte, das Know-how bei Befragungen und vor allem der riesige Daten-Pool. Selbst zu den kleinsten Nischenmärkten kann die GfK Material liefern.“ Und die Datenbasis wird laufend größer, vor allem durch Firmenzukäufe. Wuchs der GfK-Umsatz im Vergleich der ersten beiden Quartale 2003 und 2004 aus dem Unternehmen selbst heraus nur um 1,9 Prozent, waren es durch Akquisitionen 10,2 Prozent. Befürchtungen, dass sich die GfK mit ihrer Einkaufstour über die Kontinente – vor allem Amerika – übernehmen könnte, haben die Analysten nicht. Hasler liegt mit seinen Kollegen auf einer Linie, wenn er sagt: „Die machen das sehr smart: steigen in andere Unternehmen zuerst nur mit einer Minderheitsbeteiligung ein, lassen das alte Management im Amt, machen ihm klare Vorgaben und wenn alles gut läuft, holen sie sich die Mehrheit.“

Christoph Rehbach von HSBC Trinkaus & Burkhardt steigt in den Lobgesang auf die Expansionspolitik mit ein: „Die GfK schafft es ausgezeichnet, die Neuerwerbungen zu integrieren.“ Ausnahme sei die in den angelsächsischen Ländern aktive Tochter Martin Hamblin, die Marktforschung in der Gesundheitsbranche betreibt: „Die Eingliederung klappt scheinbar nicht so gut und außerdem sind wohl Kunden abgesprungen. Genaueres ist nicht bekannt.“ Grundsätzlich wird von den Analysten aber das große Engagement der GfK im Segment Health-Care gelobt, vor allem der Kauf des ertragsstarken US-Unternehmens V2.

In 2004 soll der Umsatz um 55 auf 650 Millionen Euro klettern. Weitere Zukäufe vor allem in Asien und (Latein-)Amerika werden erwartet. Aktuell steht die GfK auf Rang vier der weltweit größten Marktforschungskonzerne. Bei der Gewinnmarge liegt sie allerdings vorne mit einem fast doppelt so hohen Wert wie die meisten Konkurrenten.

Zwar stuft auch Jens Jung von Independent Research die GfK als florierendes Unternehmen ein, doch rät er vom Kauf ab. „Halten“ lautet seine Empfehlung. „Das zu erwartende Wachstum der GfK in den nächsten neun bis zwölf Monaten ist schon in den Kurs eingepreist. Da wird es keine großen Sprünge mehr geben.“

Tatsächlich könnte die einzelne Aktie sogar an Wert verlieren – allerdings nur wegen einer geplanten Erhöhung des Grundkapitals aus stillen Reserven. Sollte die Hauptversammlung am 15. Juni dem Vorschlag des Aufsichtsrats zustimmen, werden Gratisaktien im Verhältnis 5:1 ausgegeben; der Wert der Einzelaktie sinkt entsprechend. Karina Gundermann von der Bankgesellschaft Berlin rechnet vor, dass dann ihr Kursziel von aktuell 33,40 Euro auf 28 Euro absinkt.

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