Aktuell ist die Stimmung unter den Investoren gut
Oktober bringt Verluste, aber keinen Crash

Die gute Stimmung der Investoren birgt Rückschlagsgefahren – Doch nach einer weiteren Korrektur dürfte es aufwärts gehen.

FRANKFURT/M. Der Oktober bricht an, und die Börsianer beschleichen dunkle Erinnerungen an Crashs. So stürzte die Börse etwa im Oktober 1929 und 1987 ab. Die Bilanz der letzten Woche beim Deutschen Aktienindex (Dax) war mit einem Minus von mehr als 7 Prozent bereits negativ. Da an der Börse, vor allem bei Crashs, die Psychologie eine wichtige Rolle spielt, lohnt der Blick auf die Stimmung der Anleger, um Risiken einzuschätzen. Aktuell ist die Stimmung unter den Investoren gut. Das Paradoxe ist aber : Dies ist einer der Gründe, warum Experten Kurskorrekturen im Oktober befürchten – wenn auch keinen großen Crash.

Joachim Goldberg, Geschäftsführer von Cognitrend in Frankfurt, erklärt: „Kurseinbrüche drohen, wenn die Stimmung gut ist, wenn Anleger dann von einigen schlechten Nachrichten überrascht werden und viele zuvor optimistisch gestimmte Investoren gleichzeitig aussteigen.“

Diverse Indikatoren belegen, dass die Stimmung gut ist: In den USA ist das schon seit Wochen der Fall, wie Umfragen der „Bullish & Bearish Advisors“ des Nachrichtendienstes Investors Intelligence zeigen. „Das gilt aber auch für Euro-Land“, weiß Manfred Hübner, Researchmanager bei der Deka Investment und Initiator der Kapitalumfrage Sentix; der Sentix-Index zeigt die Stimmung und den Investitionsgrad der Anleger. In Euro-Land zeigt das Barometer, dass Privatanleger mittelfristig optimistisch für den Aktienmarkt sind. Auch Trends am Derivatemarkt belegen dies: Auf neun Kaufoptionsscheine (Calls), mit denen man auf steigende Kurse bei einzelnen Aktien wettet, kommt nur noch ein Verkaufsoptionsschein, wie Florian Brechtel von der Deutschen Bank feststellt. Im Frühjahr lag diese Relation noch bei 4:6.

Private hätten sich im Kursaufschwung lange zurückgehalten und fühlen sich jetzt bemüßigt einzusteigen, sagt Hübner und ergänzt: „Die Masse der Anleger setzt sich oft erst dann in Bewegung, wenn ein Ende der Aufwärtsbewegung schon bald bevorsteht.“

Mittelfristig sind auch die institutionellen Investoren optimistisch für Aktien, wie unter anderem eine Merrill-Lynch-Umfrage unter gut 300 internationalen Investmenthäusern zeigt. Bei so viel Optimismus wächst die Gefahr eines Rückschlags, fürchten Experten.

Abgesehen davon: Kurzfristig ist bei Institutionellen ein anderer Trend festzustellen, veräußern sie doch Aktien, um Gewinne mitzunehmen; darauf deutet auch der Sentix-Index hin. Hübner vermutet, dass die Institutionellen auf diese Weise bereits die Performance für ihren Jahresabschluss sichern wollen. Ebendiese Gewinnmitnahmen dürften den Markt im Oktober weiterhin belasten.

Auch einige Aktienstrategen erwarten in den nächsten zwei bis drei Wochen einen schwachen Markt, darunter auch Rolf Elgeti von der Commerzbank in London. An der Wall Street seien die verbesserten Rahmenbedingungen wie die sich erholende Konjunktur und steigende Unternehmensgewinne bereits ausreichend eingepreist, heißt es bei einigen Häusern zur Begründung.

Doch einen Crash erwartet kaum jemand, es sei denn, das Konjunkturbild trübt sich deutlich ein oder es kommen externe Schocks wie Terroranschläge. Elgeti von der Commerzbank: „Wir empfehlen unseren Investoren eher, die Schwäche zum Einstieg zu nutzen.“ Denn bis Jahresende rechnen viele Marktbeobachter mit steigenden Kursen an der Börse. Elgeti beispielsweise sieht den Dax am Jahresende sogar bei 3 750 Punkten. Hübner, der auch charttechnische Aspekte einbezieht, rechnet nach einer Korrektur bis auf 3 100 Punkte im Dax immerhin mit einen Anstieg bis auf 3 500 Punkte.

Anleger lernen daraus: Bei niedrigen Kursen im Oktober dürfte sich Zukaufen mittelfristig auszahlen. Sinnvoll ist in dem aktuellen Umfeld auch der Einsatz von Stop-Loss-Marken, die bei bestimmten Kursniveaus automatisch Verkäufe auslösen. So können Investoren auf einfache Weise sicherstellen, nicht allzu große Verluste zu erleiden.

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