Aktuelle Auswertung des Insider-Barometers: Abgeltungsteuer bremst Insider-Aktivitäten

Aktuelle Auswertung des Insider-Barometers
Abgeltungsteuer bremst Insider-Aktivitäten

Nach dem Endspurt zum Jahresschluss kehrt im Januar Ruhe ein beim Handel der Top-Manager mit den Aktien der eigenen Unternehmen. Doch bedeutet das nicht, dass die Insider jetzt pessimistischer gestimmt sind. Die Ursache liegt vielmehr in der neuen Steuergesetzgebung.

HB DÜSSELDORF. In der vergangenen Woche ist die Kaufaktivität der Top-Manager, Aufsichtsräte und ihrer Angehörigen im Vergleich zur hohen Aktivität in den letzten Wochen des vergangenen Jahres wieder etwas zurückgegangen. Der aktuelle Stand beim Handelsblatt Insider-Barometer liegt wieder leicht unter 200 Punkten. Doch damit signalisieren die Insider, deren Deals an die Börsenaufsicht BaFin gemeldet werden müssen, noch lange keinen Pessimismus, wie Olaf Stotz erläutert.

Stotz, der beim Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der Uni Aachen zusammen mit Commerzbank Wealth Management die Käufe und Verkäufe der Unternehmensinsider auswertet, stellt aktuell Zahlen fest, die sich gegenüber den Dezember-Werten halbiert haben. Langfristig orientierte Insider haben vor allem unter steuerlichen Aspekten im vergangenen Jahr so richtig zugeschlagen. Denn für Aktienkäufe aus dem Jahr 2008 gilt, dass Kursgewinne nach einer Haltefrist von zwölf Monaten steuerfrei sind. Seit Anfang 2009 gilt jedoch die Abgeltungsteuer, Gewinne aus Aktienverkäufen sowie Ausschüttungen werden nun pauschal mit 25 Prozent versteuert.

Aus der Zurückhaltung der Top-Manager auf der Käuferseite ist aber kein genereller Pessimismus für den Aktienmarkt abzulesen. Erstens generiert das Insider-Barometer ab einem Indexstand von 130 Punkten ein generelles Kaufsignal. Zweitens haben sich von den Managern aus den 160 Unternehmen des Dax, MDax, TecDax und SDax seit Jahresanfang erst drei von Aktien ihrer Unternehmen getrennt (bei den in keinem Index gelisteten Nebenwerten waren es allerdings einige mehr).

Die größten Verkäufe und Käufe

Vom Immobilien-Nebenwert Franconowest verkauften Insider Aktien für fast 1,5 Mio. Euro. Da der Small Cap trotz der Finanz- und Immobilienkrise in den vergangenen zwölf Monaten - trotz Finanzkrise und allgemeiner Marktschwäche - ein Kursplus von rund 30 Prozent verbuchen konnte, liegt die Vermutung nahe, dass man sich Gewinne sichern wollte. "Eine typische Transaktion von Insidern", so erläutert Olaf Stotz, "die deren konträres Trend-Verhalten gut charakterisiert."

Den nicht nur wegen der Summe auffälligsten Kauf gab es seit Jahresanfang bei Pfleiderer. Beim Holz-Spezialist aus der Oberpfalz hat eine neu gegründete Beteiligungsgesellschaft namens Woodstock Management, hinter der mehrere Top-Manager des Unternehmens stehen, Aktien im Wert von mehr als vier Mio. Euro gekauft. In dieser Gesellschaft sollten künftig der persönlich gehaltene Aktienbestand der Gesellschaft gebündelt werden, hieß es von Unternehmensseite zur Begründung. Bis zu einem Gesamtvolumen von 5,2 Mio. Euro sollen Papiere über die Börse oder außerbörslich gekauft werden, was 1,6 Prozent des Grundkapitals entspricht.

Kurios dabei: Den Großteil des Geldes dafür stellt der Großaktionär One Equity Partners (OEP) zur Verfügung, der der neuen Gesellschaft der Manager ein Darlehen von 3,7 Mio. Euro für deren Aktienkäufe gewährt hat. "Einen Insiderkauf in dieser Form, der von einem Großaktionär finanziert wird, habe ich noch nicht gesehen", sagt Olaf Stotz, der seit Jahren Insidergeschäfte in Deutschland beobachtet. Es handelt sich dabei seiner Ansicht nach um ein Investmentvehikel für den Vorstand, der so konzentriert Aktien für den Großaktionär hält. Analysten sind jedenfalls vorsichtig: Laut dem Informationsdienst Bloomberg raten von 14 Experten, die Pfleiderer beobachten, acht zum Verkauf der Aktie.

Weiterhin kaufte bei Invision Software Vorstand Peter Bollenbeck Aktien im Wert von rund einer Million Euro, was einer Marktkapitalisierung von fast elf Prozent entspricht. Aktuell bewertet Felix Ellmann, Analyst von SES Research, die im Prime Standrad gelistete Software-Aktie unverändert mit "kaufen". Zwar hat das Unternehmen mit den Anfang Januar vorgelegten vorläufigen Geschäftszahlen für 2008 die eigene Prognose verfehlt. Doch die Bewertungssituation sei, trotz sehr schlechter Ergebnisse, noch immer attraktiv: Der Bestand an liquiden Mitteln (netto) habe zum Jahresende bei schätzungsweise rund 12 Mio. Euro gelegen, schreibt Ellmann. Hinzu kämen erhebliche offene Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Die liquiden Mittel und Forderungen dürften zusammen bei rund 6,50 Ero je Aktie gelegen haben. Das ist auch das neue Kursziel des Analysten, das vorher bei 12 Euro lag. Auf dem derzeitigen Kursniveau (4,11 Euro) weise die Aktie erhebliches Potenzial auf, heißt es.

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