Aktuelle Börsensituation kommt den Pensionsfonds sehr zugute
Pensionen lasten auf Dax-Unternehmen

Seit der Baisse der vergangenen drei Jahre ist dem letzten Anleger klar: Fundamentale Kennzahlen börsennotierter Unternehmen zu betrachten, bewahrt vor manch böser Überraschung. So ziehen Investoren heute das KursGewinn-Verhältnis vor dem Aktienkauf und die Noten der Ratingagenturen vor dem Erwerb von Anleihen heran. Dagegen fristet die Belastung der Unternehmen durch Pensionslasten als fundamentales Kriterium noch immer ein Schattendasein – zu Unrecht, wie eine Studie der SES Research GmbH belegt.

FRANKFURT/M. Der Studie zufolge sind bei etlichen der Unternehmen im Deutschen Aktienindex die Pensionsverpflichtungen kritisch (Tabelle). Die Aktien- und Anleihekurse können davon negativ beeinflusst werden. Bei Eon und Hypo-Vereinsbank stellt die Studie überdurchschnittlich hohe Personalzusatzkosten und Liquiditätsbelastungen durch die Betriebsrenten fest. Henkel und Thyssen-Krupp hätten sehr hohe Pensionsrückstellungen und müssten im Vergleich zu den Umsätzen hohe Rentenzahlungen leisten. Beachtliche Deckungslücken weisen die Pensionsfonds von Daimler-Chrysler und Siemens auf, heißt es weiter; ergebnisbelastende Nachschusszahlungen seien nicht auszuschließen.

Am wenigsten betroffen sind der Studie zufolge Adidas-Salomon, Fresenius Medical Care, SAP, MLP, Metro und Deutsche Bank. Sonderfälle seien die ehemaligen Staatskonzerne Deutsche Telekom und Deutsche Post. Bei ihnen seien Personalabbau und Frühpensionierungen der vergangenen Jahre bedeutende Kostenfaktoren. Laut Matthias Volkert von der DZ Bank gilt: Je länger die Unternehmensgeschichte, niedriger die Profitabilität und höher Lohnkosten in Prozent der Gesamtkosten sind, desto wahrscheinlicher sind Probleme mit Pensionslasten.

„In Einzelfällen können die Pensionsverpflichtungen zu unschönen Marktreaktionen führen, die Anleger zu spüren bekommen“, sagen die Analysten von SES Research. Volkert erklärt: „Erfahrungsgemäß verlieren Anleiheinvestoren dann zwar prozentual weniger als Aktieninvestoren.“ Subjektiv seien die Verluste für die risikoaversen Anleiheinvestoren aber ebenso schlimm.

Generell gibt es zwei Finanzierungsmodelle für Pensionen: Interne Lösungen über Pensionsrückstellungen und externe Modelle über Pensionsfonds oder Pensionskassen (Kasten). Häufig wählen Unternehmen Zwischenlösungen.

„Die aktuelle Börsensituation kommt den Pensionsfonds sehr zugute. Die Risiken durch die Pensionsverpflichtungen sollten kurzfristig weitgehend eingepreist sein“, sagt Eberhard Weinberger von der Vermögensverwaltung Dr. Jens Ehrhardt Kapital. Wenn es aber an den Börsen wieder abwärts gehen sollte oder bei einem Unternehmen etwas Unvorhergesehenes passiert, wäre das Thema Pensionsverpflichtungen schneller wieder aktuell, als manchem lieb sei – zumal die stillen Reserven der Unternehmen durch die Baisse stark an Wert verloren hätten. Zum Teil könnten diese nicht mehr als Rückhalt dienen, wenn es unerwartete Pensionslöcher zu stopfen gelte.

Jüngstes Beispiel für die bisweilen bitteren Auswirkungen von Pensionsverpflichtungen für Anleger war Thyssen-Krupp. Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor’s (S & P) ankündigte, das Rating des Stahlkonzerns wegen der Pensionsverpflichtungen herabzustufen und dies kurz darauf auch tat, verlor die Aktie über 30 % an Wert, die Anleihen rund 10 %. Dabei hatte sich an den Fundamentaldaten nichts geändert. S&P hatte sich nur dazu entschlossen, Pensionsrückstellungen künftig als Fremdkapital zu werten.

Anleger können sich über die Situation der einzelnen Unternehmen in deren Bilanzen oder Geschäftsberichten informieren. Finanzierungslücken müssen die Unternehmen am Markt ad hoc mitteilen.

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