Amazon-Aktie
Anleger feiern Bezos und die schwarzen Zahlen

Die Amazon-Aktie stieg am Freitag auf ein neues Rekordhoch. Für den Onlinehändler ist der aktuelle Kurs das i-Tüpfelchen auf einem perfekten Börsenjahr. Doch an den Gewinn sollten sich Aktionäre nicht gewöhnen.
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BerlinDie Amazon-Anleger kannten am Freitag kein Halten mehr. Nachdem Amazon am Donnerstag überraschend einen Gewinn von 92 Millionen US-Dollar und einen Umsatzsprung von 20 Prozent verkündet hatte, kletterten die Aktien des Online-Händlers zum Börsenstart um gut 18 Prozent nach oben und waren damit der mit Abstand stärkster Wert im Nasdaq-100-Index.

Für Amazon stellt die aktuelle Entwicklung eigentlich nur das i-Tüpfelchen auf einem ohnehin schon bestens laufenden Aktienjahr dar. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert des Amazon-Papiers verdoppelt. Lag der Kurs im Januar bei 253 Dollar, waren es am Donnerstag 521 Dollar – Tendenz weiter auf Rekordkurs. Damit überholte Amazon gemessen am Börsenwert erstmals den US-Einzelhändler Walmart und schreibt seine seit Jahren anhaltende Erfolgsgeschichte an der Börse fort.

Experten gehen sogar davon aus, dass die Aktie noch weiter steigen könnte. Die Analysten von Axiom Capital haben das Kursziel von 500 auf 650 Dollar angehoben und raten weiter zum Kauf. Die japanische Großbank Mizuho setzt das Kursziel mit 645 Dollar auf einer ähnlich ambitionierten Höhe fest.

Um die Erfolgsgeschichte von Amazon zu verstehen, reicht nicht allein der Blick auf die Geschäftszahlen. Denn die 92 Millionen Euro sind nicht der erste Gewinn, den Jeff Bezos vorlegt. Schon im ersten Quartal strich das Unternehmen ein Plus von 256 Millionen Dollar ein, auch in den Jahren zuvor konnte der Onlinehändler ab und an mal schwarze Zahlen verbuchen. Doch die Börse mit Gewinnen zufrieden zu stellen, entspricht nur einem Teil der Strategie von Jeff Bezos.

Der Gründer des größten Onlinehändlers der Welt folgt einer klaren Strategie: Erst Geschäftsausbau, dann der Gewinn. Dass Amazon ein Plus einfuhr, dürfte also nicht unbedingt geplant gewesen sein. Schließlich fußt der Gewinn vor allem darauf, dass die Kosten langsamer wuchsen als die Einnahmen. Die Ausgaben gingen also nicht zurück, sondern der Gewinn begründet sich im wachsenden Umsatz. Dass Bezos immer noch stark investiert, dafür sprechen auch andere Zahlen: Amazon steigerte die Zahl seiner Beschäftigten binnen eines Jahres um 38 Prozent, insgesamt kommt der Konzern inzwischen auf 109 Logistikzentren weltweit. Und dass der Konzern auf Robotertechnik setzt, ist ebenfalls bekannt. An den Gewinn sollten sich die Aktionäre daher besser nicht gewöhnen.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

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