Amazon
Investieren statt auszahlen

Nach einer Verlustwarnung von 200 Millionen Euro beim weltgrößten Online-Händler dämpfen Analysten die Aussichten. Hohe Investitionen in die Tablet-Infrastruktur drücken bei Amazon auf die Margen.
  • 0

DortmundWie viel Wachstum auf Kosten der Margen kann Amazon noch verkraften? Diese Frage beschäftigt derzeit die Analysten und Investoren des weltgrößten Online-Händlers. „Die sinkenden Margen machen uns Sorge, denn das Unternehmen steht gefährlich kurz davor, Geld zu verlieren“, sagen etwa die Experten von Jefferies.

Fest steht: Mindestens sechs große Banken haben ihre Kursziele für die Aktie gekürzt, seit der Konzern jüngst ankündigte, im vierten Quartal möglicherweise einen Verlust von bis zu 200 Millionen Dollar einzufahren. Auf Wochensicht haben die Amazon-Papiere rund sechs Prozent auf 215 Dollar nachgegeben. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt aber immer noch bei mehr als 100 – kein Schnäppchenpreis für Anleger. Suchmaschinenkonzern Google beispielsweise wird nur mit dem Dreizehnfachen seines Gewinns bewertet.

Der Grund für den sinkenden Gewinn bei Amazon sind umfangreiche Investitionen, die den Konzern fit machen sollen für die kommenden Jahre – allen voran die hochgefahrenen Produktionsabläufe für den neuen Tablet-Computer Kindle Fire. Der ist eine Weiterentwicklung von Amazons Bestseller, dem elektronischen Lesegerät Kindle. Nun soll der Kindle Fire dem iPad von Apple Konkurrenz machen.

Mit einem Einführungspreis von unter 200 Dollar will Amazon Millionen neuer Kunden an sich binden. Allein im vierten Quartal könnte der Konzern „problemlos fünf Millionen Exemplare verkaufen“, sagte Analyst Mark Gerber vom Investment-Brokerhaus Detwiler Fenton. Viele der Fire-Besitzer könnten dann auch Amazons Premium-Service nutzen – und das würde dem Konzern ein riesiges Umsatzplus verschaffen, sagt UBS-Analyst Brian Pitz. Er schätzt, dass jedes Prime-Mitglied mindestens fünfmal soviel bei Amazon bestellt wie der Durchschnittskunde.

Dafür müssen die Anleger aber Geduld haben und vorläufig mit wenig bis keinem Gewinn auskommen, sagt Analyst Bill Smead von Smead Capital Management. „In schwierigen, unsicheren Zeiten stehen einige Unternehmen spektakulär gut da, weil sie sich nicht nur darauf konzentrieren, kurzfristig bestimmte Ergebnisse zu erzielen. Sie tun was nötig ist, um ihr langfristiges Ziel zu erreichen – das ist ein ausgesprochen gesundes Verhalten.“

Dennoch warnen die Experten davor, dass Amazon über das Ziel hinausschießen und auch langfristig auf Probleme stoßen könnte, wenn Konzernchef Chef Jeff Bezos immer weiter investieren will. Möglicherweise verspiele er mit den riskanten Operationen irgendwann das Vertrauen der Investoren, sagt Jeffrey Sica von Sica Wealth Management.

Hartgesottene Amazon-Fans dagegen sehen die Firma bereits als „Wal-Mart des Online-Handels“, doch bisher erzielt Amazon maximal ein Achtel des Umsatzes von Wal-Mart. Und falls Amazons derzeitige Wachstumspläne scheitern, könnten die aktuellen Investitionen den Konzern teuer zu stehen kommen. „Amazon ist bereit, Gewinn einzutauschen gegen immer höhere Marktanteile, aber irgendwann kommt auch der Punkt, an dem man einen bedeutenden Gewinn einfahren muss“, sagt Chris Cordaro vom Anlageberater Regent Atlantic Capital. „Die Anleger können auf Dauer keine Aktien kaufen, die hundertmal so viel kosten wie ihr Gewinn. Das ergibt aus Investorensicht keinen Sinn.“

Kommentare zu " Amazon: Investieren statt auszahlen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%