Analyse
Aktien derzeit überkauft, aber nicht überbewertet

Die Schweizer Privatbank Pictet beurteilt die Lage und die weitere Entwicklung der Aktienmärkte in Europa wie bereits in den vergangenen Jahren weiter positiv.

dpa-afx FRANKFURT. Die Schweizer Privatbank Pictet beurteilt die Lage und die weitere Entwicklung der Aktienmärkte in Europa wie bereits in den vergangenen Jahren weiter positiv. "Kurzfristig sind die Märkte vielleicht überkauft, aber nicht überbewertet", sagte Alfred Roelli, Leiter der Finanzanalyse bei Pictet am Dienstag auf dem Kapitalmarktausblick für das laufende Jahr. Eine "Höhenangst" sei daher weitgehend unbegründet.

Die Weltwirtschaft sei in Hochform. "Wahrscheinlich befinden wir uns sogar in einer der großen Boomphasen der Wirtschaftsgeschichte", so Roelli. Insgesamt geht Pictet von einem Wandel einer Weltwirtschaft mit Überkapazitäten zu einer Weltwirtschaft mit knappen Kapazitäten aus. In diesem Rahmen dürfte sich die Entwicklung von der Abhängigkeit der USA lösen. Daher hätte auch eine Rezession in den Vereinigten Staaten keinen vergleichbaren Effekt wie noch vor einigen Jahren.

Allerdings hält die Schweizer Bank eine solche Rezession in den USA für unwahrscheinlich. Chefökonom Jean-Pierre Béguelin geht von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts der USA von zwei bis 2,5 Prozent zum Ende des Jahres aus - die Lage bessere und stabilisiere sich. Risikofaktoren wie die Entwicklung der Bauindustrie oder die langfristigen Zinsen blieben aber bestehen. "Sollten die Häuserpreise deutlich sinken, oder die Zinsen der 10-jährigen US-Anleihen auf über 5,5 oder 6,0 Prozent steigen, könnte es problematisch werden. Allerdings wird die Fed dann höchstwahrscheinlich eingreifen", sagte Béguelin.

Die Wachstumsphase in Europa dürfte unterdessen mindestens noch ein Jahr anhalten. Insbesondere Deutschland habe sich mit "zäher Kleinarbeit" bei den Lohnkosten einen echten Wettbewerbsvorteil geschaffen. Aufgrund dieser starken Entwicklung dürfte die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wohl restriktiv bleiben, so die Experten. Daher rechnen sie mit zwei weiteren Zinsschritten bis auf 4,50 Prozent in diesem Jahr. Auch in Japan könnten die Leitzinsen von derzeit 0,5 auf 1,0 Prozent bis Jahresende steigen. Die US-Notenbank Fed dürfte hingegen ein stabiles Zinsniveau anstreben.

Große Bedeutung misst Pictet auch der Währungsentwicklung bei. Langfristig deuteten sich signifikante Ungleichgewichte insbesondere durch die massive Unterbewertung des Yen und des Schweizer Franken an. Auch der Dollar sei bereits überverkauft und auf der Gegenseite stünden viele Schwellenländer mit hohen Wachstumsraten, insbesondere in Asien, am Anfang einer Aufwertungsphase.

Sollten hier sprunghafte Änderungen eintreten, dürfte es durch die Auflösung von Carry Trades zu massiven Kursverlusten insbesondere an den betroffenen Börsen der Schwellenländer kommen. Unter dem Begriff Carry Trade wird die Aufnahme von Mitteln oder das Eingehen von Positionen zu einem niedrigeren Sollzins in einer Währung verstanden und die Wiederanlage dieser Mittel zu einem höheren Zins in einer anderen Währung. So sinkt tendenziell die Nachfrage nach Währungen der Niedrigzinsländer und die Nachfrage nach Hochzinswährungen steigt.

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