Analyse
Analyse Bank Hofmann: Nachhaltige Fonds; Zukunftstrend oder Etikettenschwindel

Auch im Geldanlagegeschäft hat sich das Modewort "nachhaltig" Analysten zufolge einen festen Platz erobert. "Ökologische, soziale und ethische Anforderungen sollen bei Investments verstärkt beachtet werden", schreibt Werner Rutsch von der Bank Hofmann in einer Studie am Freitg.

dpa-afx/awp ZÜRICH. Auch im Geldanlagegeschäft hat sich das Modewort "nachhaltig" Analysten zufolge einen festen Platz erobert. "Ökologische, soziale und ethische Anforderungen sollen bei Investments verstärkt beachtet werden", schreibt Werner Rutsch von der Bank Hofmann in einer Studie am Freitg. Diese Aspekte seien allerdings vielfältig interpretierbar und in manchen Fällen kaum eindeutig zu beurteilen. "Als echte Investments dieses Ansatzes sollte man daher nur Anlagen betrachten, die wirklich als Hauptzweck das verfolgen, worum es bei der Nachhaltigkeit geht, nämlich die Lebensqualität", heißt es in der Studie. Dazu gehörten vorab Anlagen in Branchen, die sich beispielsweise mit Umweltschutz, Wiederverwertung und erneuerbaren Energien beschäftigen.

Bei als nachhaltig bezeichneten Investments ist laut Rutsch zu unterscheiden, ob es sich um eine absolute Betrachtungsweise handelt, oder ob die Anlage bloss relativ gesehen - also im Vergleich zu ihren Alternativen - nachhaltig ist. Als nachhaltig bezeichnete Fonds beispielsweise seien in vielen Fällen bloß auf eine Auswahl der Besten nach Kriterien der Nachhaltigkeit ausgerichtet, sagt Rutsch. Ein solches Portfolio enthält zum Beispiel Aktien von Großunternehmen wie Nestle oder Toyota , die gegenüber ihren Mitbewerbern in ihren jeweiligen Branchen als am nachhaltigsten beurteilt werden. Verglichen damit sei eine Anlage in Unternehmen der Solarenergie ein absolut nachhaltiges Investment.

HÄUfig Eine Glaubensfrage

Doch was ist überhaupt nachhaltig? "Dies ist oft eine Glaubensfrage", heißt es in der Studie. "Wer kann beispielsweise die Frage eindeutig und klar beantworten, ob etwa Porsche mit seiner langfristigen, auf die nachhaltige Schaffung von Unternehmenswert ausgerichteten Corporate Governance ein derartiges Investment ist", fragt der Experte. Starmanager Wiedekind sträube sich zwar konsequent gegen die kurzfristige, quartalsorientierte Perspektive der Börse, aber produziere gleichzeitig Autos mit überdurchschnittlichem Benzinverbrauch. "Und was ist mit einer Firma wie Shell, die einerseits riesige Summen in die Forschung und Entwicklung alternativer Energien investiert, anderseits ausrangierte Bohrinseln im Meer zu versenken droht? Derartige Widersprüchlichkeiten und Inkonsistenzen überlassen die Etikettierung einer Anlage als 'nachhaltig' dem Ermessen."

Wenigstens sei klar, dass mit nachhaltigen Ansätzen gewisse Branchen, etwa die Rüstungs- und Tabakindustrie oder die Spielbranche vom Anlageuniversum ausgeschlossen werden. Und die Bank Hofmann stellt in der Anlagepraxis fest, dass die Erwartung des nachhaltig orientierten Anlegers in der Regel vorrangig auf absolut nachhaltige Investitionen zielt und weniger auf solche aus relativer Betrachtungsweise. Rutsch: "Also vorzugsweise auf Anlagen im Bereich der Förderung erneuerbarer Energien, im Umweltschutz, in der Entwicklungshilfe, ja in allen Bereichen, wo es darum geht, anerkannte Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft zu hemmen beziehungsweise korrigierend zu beeinflussen."

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