Analyse
Analyse Ernst & Young: Deutscher Private-Equity-Markt stabilisiert sich

Der deutsche Private-Equity-Markt hat laut Ernst & Young im zweiten Halbjahr 2009 seinen Tiefpunkt überwunden und kann 2010 mit einem leichten Wachstum rechnen.

dpa-afx STUTTGART. Der deutsche Private-Equity-Markt hat laut Ernst & Young im zweiten Halbjahr 2009 seinen Tiefpunkt überwunden und kann 2010 mit einem leichten Wachstum rechnen. "Die derzeitige Stabilisierung markiert allerdings noch nicht die erhoffte Trendwende", schrieb Joachim Spill, Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services, in einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation. Der durch die Wirtschafts- und Finanzkrise verursachte, weiter anhaltende Finanzierungsengpass verhindere eine durchgreifende Erholung für Kapitalbeteiligungs-Gesellschaften.

Transaktionsvolumen Zieht IM Zweiten Halbjahr AN

Im zweiten Halbjahr stieg die Zahl der Transaktionen gegenüber der ersten Jahreshälfte von 54 auf 57, deren Wert legte deutlicher von 2,8 auf 5,0 Mrd. Euro zu. Düsterer sieht das Bild allerdings auf Gesamtjahresebene aus: Hier war 2009 im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang der Transaktionen von 175 auf 111 zu beobachten, während das Volumen von 15,1 auf 7,8 Mrd. Euro zusammenschmolz. Zudem sei die Zahl der Transaktionen im Wert von jeweils mehr als einer Milliarde Euro von sechs auf zwei geschrumpft: Den Einstieg des Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi bei Daimler sowie die Übernahme des deutschen Wissenschaftsverlags Springer Science + Business Media durch die skandinavische Beteiligungsgesellschaft EQT und den Staatsfonds GIC aus Singapur.

"2009 war ein sehr schwieriges Jahr für die Branche und 2010 wird wohl kaum einfacher werden", meint Spill. "Zwar kommt langsam wieder Bewegung in den Markt, aber nach wie vor stellt die Finanzierung das Hauptproblem dar: Die Banken stellen den Finanzinvestoren nur relativ geringe Mittel zur Verfügung, da nach wie vor die Verbriefung der Kredite nur schwer möglich ist. Solange sich diese Situation nicht durchgreifend verbessert, wird es nicht dazu kommen, dass deutlich mehr und größere Transaktionen durchgeführt werden. Große Mrd.-Transaktionen werden vorerst die absolute Ausnahme bleiben".

Neues GeschÄFtsmodell: Operatives Engagement Statt Schulden

Laut Ernst & Young zwingt die Geldknappheit die Investoren, sich auf kleinere Transaktionen zu konzentrieren oder mehr eigenes Kapital einzubringen. Damit habe sich auch das Geschäftsmodell verändert. "Das reine Leveragen, also das Erzielen der Erträge vor allem durch finanzielle Hebel, ist vorbei. Jetzt sind Beteiligungsmanager gefragt, die sich stark im operativen Geschäft engagieren können, Verbesserungs- und Kosteneinsparpotenziale identifizieren und heben", so Spill. Zukünftig müssten Private-Equity-Gesellschaften ihre Beteiligungsgesellschaften auch länger begleiten, um Erfolg zu haben.

Wolfgang Taudte, Partner bei Ernst & Young, sprach von der "ersten großen Bewährungsprobe für die Branche". Sie müsse beweisen, "dass sie es tatsächlich schafft, unter extrem widrigen Umständen stabile Erträge zu erzielen und ihre Beteiligungsunternehmen sicher durch die Krise zu führen", denn "die Zeiten, wo sich die großen Buy-out-Fonds vor Mittelzusagen ihrer Investoren kaum retten konnten, sind vorbei".

IPO-Markt IN Deutschland IST TOT

Dass sich wieder einige Investoren von größeren Beteiligungen getrennt hätten, "hilft der Branche ungemein", fuhr Taudte fort. "Nur so können wieder Gewinne realisiert und Mittel für neue Investitionen frei werden". Börsengänge als Weg zum Ausstieg blieben allerdings seit Anfang 2008 versperrt: "Der IPO-Markt in Deutschland ist derzeit trotz der guten Entwicklung an den Aktienmärkten weitgehend tot." Viele Finanzinvestoren wollte ihre Beteiligungsunternehmen mit Gewinn an die Börse bringen. Sollte sich das Fenster für Börsengänge wieder öffnen, könnte das auch der Beteiligungsbranche einen kräftigen Schub geben.

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