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Analyse WestLB traut Aktienmärkten 2010 bestenfalls moderate Gewinne zu

Die WestLB traut den wichtigsten Aktienindizes in Europa und den USA 2010 bestenfalls moderate Kursgewinne zu.

dpa-afx FRANKFURT. Die WestLB traut den wichtigsten Aktienindizes in Europa und den USA 2010 bestenfalls moderate Kursgewinne zu. "Bis Ende Januar könnten die wichtigsten Indizes um bis zu zehn Prozent über ihre fairen Werte hinausschießen, bevor dann Zweifel an der Qualität der Konjunkturerholung wieder zu einer Korrektur führen", sagte Martin Gilles, Chef-Aktienstratege bei der Düsseldorfer Bank, in einem Pressegespräch in Frankfurt. Dem Deutschen Aktienindex Dax prognostiziert er einen Jahresendstand von 5 900 Punkten. Bei 2 900 Zählern sieht er den Eurostoxx 50 und für den marktbreiten US-Index S & P 500 rechnet er mit 1 100 Punkten.

Zyklische Erholung Wird SchwÄCher ALS FRÜHER

Der zyklische Aufschwung, der jeder Rezessionsphase folge, sollte diesmal deutlich schwächer als in der Vergangenheit ausfallen, glaubt Gilles. Die "neue Normalität" bei den Unternehmensgewinnen werde geprägt von einem geringeren Trendwachstum und strukturellen Veränderungen in der Qualität des Wirtschaftswachstums, da regionale Wachstumsmodelle sich stärker auf die Binnenkonjunktur konzentrieren dürften. Der Markt rechne damit, dass die Unternehmensgewinne sich bis Ende 2011 mehr als verdoppelten - er selbst erwarte hingegen eine nur halb so starke Entwicklung. "Die Unternehmen äußern zwar positive Erwartungen, sehen aber Überkapazitäten", begründete der Experte seine pessimistische Haltung.

Einige Beobachter zögen Parallelen zwischen dem kommenden Jahr und 2004 und hofften auf eine anschließende Entwicklung wie in den Börsenboomjahren 2005 bis 2007, fuhr Gilles fort. Allerdings hätten in keinem Zeitraum davor so viele Länder eine gleichzeitige Aufschwungphase gehabt und zukünftig werde sich die Entwicklung weltweit deutlich differenzieren.

Staatliche Massnahmen Tragen Aufschwung

Unterstützung aus konjunktureller Perspektive erhielt Gilles von seinem Kollegen Holger Fahrinkrug, Chefvolkswirt bei der WestLB: "Meine Sorge ist die Nachhaltigkeit der Erholung, die von einem extrem niedrigen Niveau ausgeht. Nach einer kurzfristigen Dynamik werden wir im Laufe des Jahres wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden." Anders als vor der Finanz- und Wirtschaftskrise sollte der erwartete Aufschwung vor allem von staatlichen Maßnahmen getrieben sein und nur wenig von der privaten Nachfrage und den Unternehmen. Die jüngsten Frühindikatoren, die auf eine V-förmige Wirtschaftserholung hindeuteten, nehmen Fahrinkrugs Ansicht nach schon zu viel Optimismus vorweg.

In Deutschland sollten umfangreiche Restrukturierungen die Arbeitslosigkeit spürbar wachsen lassen, was den Konsum belaste. Zudem fielen angesichts der vorhandenen Überkapazitäten Ausrüstungsinvestitionen als Wachstumsmotor aus. Die US-Wirtschaft muss nach Einschätzung des Ökonomen ihre extreme Konsumabhängigkeit überwinden. Die stärkste Konjunkturdynamik gehe von den asiatischen Schwellenländern aus, wo China vorweg marschiere.

Favoriten IN Deutschland: Bayer, Munich RE, Fraport

Favoriten der WestLB-Experten für das kommende Jahr sind Aktien von Unternehmen, die "individuelle Stärken wie ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial oder eine hohe Transparenz der Gewinnentwicklung aufweisen". Auf Sektorebene sind sie bei zyklischen Werten insgesamt skeptisch, da hier die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) bereits wieder relativ hoch seien, was entsprechend hohes Enttäuschungspotenzial berge. Daher richtet sich der Fokus stärker auf Aktien mit defensiven Qualitäten. "Den Finanzsektor wird das Thema Kreditausfallrisiken wieder beschäftigen", fügte Aktienstratege Gilles hinzu und verwies auf die jüngsten Sorgen um die Geldnöte des erfolgsverwöhnten Emirats Dubai. Seine "Top Picks" sind Bayer , Credit Suisse , Ericsson , Fraport , Heidelbergcement , Munich Re , Pfeiffer Vacuum , Roche , Symrise und United Internet .

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