Analyse
Dekabank: Erholung der Weltwirtschaft mit „Schönheitsfehlern“

Die Erholung der Weltwirtschaft wird nach Einschätzung der Dekabank zwar weitergehen. "Es wird aber eine Erholung mit Schönheitsfehlern", sagte Chefvolkswirt Ulrich Kater am Dienstag bei der Vorstellung des Konjunktur- und Kapitalmarktausblicks für 2010.

dpa-afx FRANKFURT. Die Erholung der Weltwirtschaft wird nach Einschätzung der Dekabank zwar weitergehen. "Es wird aber eine Erholung mit Schönheitsfehlern", sagte Chefvolkswirt Ulrich Kater am Dienstag bei der Vorstellung des Konjunktur- und Kapitalmarktausblicks für 2010. Einen echten Aufschwung werde es somit nicht geben. Kater erwartet für Deutschland in den kommenden zwei Jahren ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von je 1,4 Prozent. Das Niveau vor der Krise dürfte aber erst wieder 2014 erreicht werden. Für die Weltwirtschaft erwartet der Dekabank-Experte ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,6 und 3,7 Prozent. Normal wären hier Raten, die um ein bis zwei Prozentpunkte höher liegen.

Zudem seien kurzfristige Rückschläge, wie sie sich am Beispiel Dubais gerade gezeigt hätten, jederzeit möglich. Zwar sei Dubai nicht Island und die Erholung sei von solchen Nachbeben nicht bedroht. Es werde aber nicht das letzte Ereignis dieser Art sein, so Kater. "Die derzeitigen Strukturen der Wirtschaft passen nicht mehr in die Nach-Krisen-Welt. Die Volkswirtschaften müssen sich auf ein verändertes Finanzierungsklima einstellen - und das dauert."

Geld- und Fiskalpolitik VOR Herausforderungen

Die Geldpolitik wird auch im kommenden Jahr vor großen Herausforderungen stehen. "Solange die konjunkturelle Erholung auf wackeligen Beinen steht, werden die Zentralbanken ihre Zinsen niedrig halten", erwartet Kater. Die Deflationsgefahr sei aber nach wie vor nicht gebannt. Zudem müssten nun die Gefahren einer neuen Blasenbildung an den Finanzmärkten vor dem Hintergrund extrem niedriger Zinssätze in den Blick genommen werden. "Um eine erneute Übertreibung zu verhindern, sollte die Aussicht auf künftige Zinserhöhungen genügen." Kater rechnet damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bereits auf der an diesem Donnerstag anstehenden Sitzung erste Ausstiegspläne andeuten wird. Eine erste Zinserhöhung erwartet er dennoch nicht vor 2010.

Auch auf die Politik komme eine Menge Arbeit zu. Die Staatsverschuldung werde weltweit deutlich steigen und zumindest für das nächste Jahr sei der Konsum keine Stütze. Auch für den Arbeitsmarkt erwartet der Chefvolkswirt noch einiges - bis zu 500 000 Stellen könnten im kommenden Jahr verloren gehen. "Unternehmen schauen nun wieder auf ihre Auslastung und es sind Überkapazitäten vorhanden." Zudem bestehe die Gefahr, dass die Exporte nach dem Ende des Wiederaufstockens der Lager einen Durchhänger erleiden und die Binnennachfrage nachhaltig zu stärken, dauere Jahre.

Aber den Ausstieg aus der expansiven Fiskalpolitik zu finden und in eine Konsolidierung der Staatshaushalte einzuschwenken, sei nicht leicht. Zwar dürfte die konjunkturelle Entwicklung bis 2011 so weit gefestigt sein, dass der Gegenkurs eingeschlagen werden könnte. Allerdings ist in Deutschland 2011 ein wichtiges Wahljahr - mehr als die Hälfte der Bundesratsstimmen werden neu vergeben. Vor der nächsten Bundestagswahl 2013 bliebe dann nur das Jahr 2012, um Konsolidierungsmaßnahmen zu ergreifen.

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