Analyse
DIW: Trotz Finanzmarktkrise keine Rezessionsgefahr in Deutschland

Deutschland steuert nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) trotz der Finanzmarktkrise nicht in die Rezession. Der Aufschwung neige sich aber generell dem Ende zu, teilten die Berliner Forscher am Mittwoch mit.

dpa-afx BERLIN. Deutschland steuert nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) trotz der Finanzmarktkrise nicht in die Rezession. Der Aufschwung neige sich aber generell dem Ende zu, teilten die Berliner Forscher am Mittwoch mit. Für dieses Jahr erwartet das DIW noch 1,9 Prozent Wachstum und senkte damit seine bisherige Prognose vom Juli ab, die 2,7 Prozent ergeben hatte. Für 2009 rechnen die Experten nun mit einer Zunahme um 1,0 Prozent, etwas weniger als die bisher berechneten 1,2 Prozent. Die Folgen der Finanzkrise seien aber beherrschbar und griffen vorerst nicht auf die übrige Wirtschaft außerhalb des Bankensektors über, hieß es.

"Was wir im Augenblick in der Wirtschaft sehen, sind zwei Welten", sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann. So gebe es eine der heftigsten Finanzmarktkrisen der vergangenen Dekaden und daneben die reale Welt, die weiter funktioniere, auch wenn sie sich von hohen jetzt zu niedrigeren Wachstumsraten bewege. "Wir halten daher an einer insgesamt optimistischen Prognose für Deutschland fest."

Abrutschen DES Exports Wird Verhindert

Die konjunkturelle Eintrübung der vergangenen Monate hierzulande sei "im wesentlichen nicht auf die internationale Finanzkrise zurückzuführen", erläuterte das DIW. Zwar dürfte es im ersten Halbjahr 2009 zu einer deutlichen Delle im deutschen Exportwachstum kommen. Hintergrund seien Nachfragerückgänge in Ländern, die von der Immobilienkrise betroffen sind. Ein Abrutschen des Exports werde aber durch stabiles Wachstum in anderen Märkten verhindert.

Zwar könnte die deutsche Wirtschaft wie im zweiten auch im dritten Quartal 2008 ein Minus aufweisen, was "technisch" als Rezession gelte. "Für die Definition einer Rezession ist aber etwas mehr nötig, als sich zwei Wachstumszahlen nacheinander anzuschauen", sagte DIW - Konjunkturexperte Stefan Kooths. Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit als typisches Rezessionsmerkmal sei jedoch vorerst nicht zu erwarten. Die Erwerbslosenzahl dürfte in diesem Jahr auf knapp 3,3 Mill. sinken und 2009 nochmals auf 3,1 Millionen. Der günstigere Eurokurs und eine Entspannung bei Öl- und Lebensmittelpreisen wirkten positiv. Als tragende Säule der Konjunktur erwartet das DIW 2009 den Konsum.

Erhebliche Haushaltsrisiken

Die Forscher verwiesen allerdings auf erhebliche Haushaltsrisiken für Bund und Länder durch öffentliche Bürgschaften für Landesbanken und private Finanzinstitute. Als Konsequenz aus der Finanzkrise gelte es neben einer europäischen Aufsicht dafür zu sorgen, dass Banken nicht weiter mit zu niedrigem Eigenkapital agierten. Grund zur Entwarnung für die Finanzbranche gebe es noch nicht.

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