Analyse
Finanzkrise könnte sich weiter verschärfen

Die Finanzkrise könnte sich nach Einschätzung der Commerzbank auch nach der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers weiter verschärfen.

dpa-afx FRANKFURT. Die Finanzkrise könnte sich nach Einschätzung der Commerzbank auch nach der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers weiter verschärfen. "Die stetige Verschärfung der Finanzkrise und ihre lange Dauer haben sie zu einem eigenständigen Faktor gemacht, der durchaus das Potenzial hat, über eine Einschränkung der Kreditvergabe das Wachstum zu bremsen", schreibt Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner in einer Studie vom Dienstag. Die Stabilisierung an den Immobilienmärkten könnte sich dadurch weiter verzögern und die Finanzkrise weiter zuspitzen.

Kritisch beurteilt Weidensteiner insbesondere die mittelfristigen Aussichten für die US-Konjunktur. Ein Abgleiten der amerikanischen Wirtschaft in eine Rezession würde die Aufräumarbeiten an den Finanzmärkten zumindest stark verzögern. Aktuelle US-Konjunkturdaten seien wenig ermutigend: Der Arbeitsmarkt sei auf Rezessionskurs, der private Verbrauch deutlich abgeschwächt und auch die Industrieproduktion liege merklich unter dem letzten zyklischen Hoch. Voraussichtlich werde die US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2008 eine "Vollbremsung" hinlegen, und die für 2009 erwartete Erholung sei mit Risiken behaftet.

US-Regierung IST Hohes Risiko Eingegangen - FED VOR Zinssenkung?

Zudem unterstreicht der Commerzbank-Experte, dass die US-Regierung mit ihrer ablehnenden Haltung zur Stützung Lehmans ein erhebliches Risiko eingegangen sei. "Letztlich ist die harte Haltung der Politik eine Wette darauf, dass eine ordnungsgemäße Liquidierung von Lehman möglich ist, ohne das gesamte Finanzsystem ins Rutschen zu bringen." Ob diese Wette aufgehen werde, sei fraglich. Die jüngsten Marktreaktionen ließen zumindest Zweifel zu.

Die harte Haltung der Regierung sei auch durch die immer stärkere Aufweichung der Refinanzierungsprinzipien der US-Notenbank (Fed) ermöglicht worden, schreibt Weidensteiner. Die Notenbank versorge Banken und Broker, demnächst möglicherweise auch Versicherungen, mit ausreichend Liquidität. Damit sinke das Risiko, dass der Kollaps einer einzelnen Bank andere Adressen mit in den Abgrund ziehe. Ob die Fed bei ihrer regulären Sitzung am heutigen Dienstag den Leitzins senke, hänge stark davon ab, ob sich die Finanzmärkte zuvor stabilisieren könnten.

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