Analyse
Hintergrund: Unsicherheit nach Kursverlusten

Nach dem jüngsten Kursrutsch steht am Dienstag im Handel die Frage im Vordergrund, ob es sich bei den aktuellen Kursgewinnen um eine nachhaltige Erholung oder nur um eine kurze Verschnaufpause handelt.

dpa-afx FRANKFURT. Nach dem jüngsten Kursrutsch steht am Dienstag im Handel die Frage im Vordergrund, ob es sich bei den aktuellen Kursgewinnen um eine nachhaltige Erholung oder nur um eine kurze Verschnaufpause handelt. "Von einer Bodenbildung würde ich nach drei Handelsstunden noch nicht sprechen", sagte Helaba-Marktstratege Mirko Pillep. "Die Tragfähigkeit dieser Erholung muss sich in den kommenden Tagen erst noch beweisen." Commerzbank-Aktienstratege Markus Morsch sagte: "Die Unsicherheit kann auch noch ein bis zwei Wochen anhalten."

Sollte der US-Notenbankpräsident Ben Bernanke mit seiner Rede am Dienstagabend erneut Inflationsängste schüren, könnte Pillep zufolge "morgen schon alles wieder in Schall und Rauch aufgehen". Er sieht eine wichtige Unterstützungslinie für den Dax bei 5 549 Punkten.

'Kein Weltuntergangsszenario'

"Was sich am Markt abspielt, ist aber kein Weltuntergangsszenario. Die Anleger machen nichts anderes, als Gewinne mitzunehmen", sagte Pillep. "Teilweise liegen immer noch immense Kursgewinne auf den Aktien." Vor dem Hintergrund der wackeligen Marktsituation werde nun eben der Scheck eingereicht.

Commerzbank-Stratege Morsch verwies darauf, dass die Standardwerte historisch gesehen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf auf Basis der Schätzungen für 2007 nun sehr attraktiv bewertet seien. Erste Häuser bauten bereits wieder kleine Positionen auf.

'Positives Gesamtbild Intakt'

"Im großen und ganzen ist das positive Bild intakt", sagte Morsch. Jetzt komme es auf die Geschäftszahlen zum zweiten Quartal an, die ab Juli veröffentlicht werden. Mit einem großformatigen Ausstieg der US-Anleger rechnet er vorerst nicht. Nach Aussagen von Großanlegern gebe es in den USA auch weiterhin reges Interesse am deutschen Markt.

Händler zeigten sich skeptisch. Eine Reaktion auf die teils panikartigen Verkäufe vom Vortag sei zu erwarten gewesen. "Bisher ist es nur eine kleine Verschnaufpause mit ersten Zeichen der Stabilisierung", sagte ein Marktteilnehmer. Ein Händler wollte erst von einer Erholung sprechen, wenn der Dax den Sprung über 5 630 Punkte schafft.

Die US-Investmentbank J.P. Morgan hat unterdessen ein negatives Szenario für die weitere Entwicklung der europäischen Aktienmärkte veröffentlicht. Sie rechnet damit, dass steigende Kosten die Margen der Unternehmen unter Druck setzen dürften. Das geldpolitische Umfeld sei ungünstig. Aber nicht nur steigende Zinsen, auch der steigende Euro bedeuteten Gegenwind für die europäischen Aktien.

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