Analyse
Julius Bär rechnet spätestens Mitte 2009 mit Markterholung

Auf die derzeit noch "stürmischen Zeiten" an den Finanzmärkten dürfte nach Einschätzung der Experten von Julius Bär spätestens Mitte 2009 eine Erholung folgen. Ein Tiefpunkt sei bislang nicht erreicht, sagte der Chefvolkswirt von Julius Bär, Janwillem Acket, am Mittwoch in Frankfurt.

dpa-afx FRANKFURT. Auf die derzeit noch "stürmischen Zeiten" an den Finanzmärkten dürfte nach Einschätzung der Experten von Julius Bär spätestens Mitte 2009 eine Erholung folgen. Ein Tiefpunkt sei bislang nicht erreicht, sagte der Chefvolkswirt von Julius Bär, Janwillem Acket, am Mittwoch in Frankfurt. Der Bodenbildungsprozess an den Aktienbörsen habe aber begonnen und eine "interessanten Bodenbildungsperiode" dürfte es zwischen März und Juni 2009 geben. Scilla Huang Sun, Leiterin Aktienmarkt bei der Schweizer Bank rät sogar wieder zum vorsichtigen Aufbau von Aktienpositionen und setzt dabei auf Qualitätsaktien und eine breite Streuung bei den Branchen und Regionen. Bei der Auswahl rät sie zu Branchenführern, Firmen mit guten Bilanzen und einem transparenten Geschäftsmodell, hohen Margen und Kapitalrenditen. Telekomwerte, stabile Konsumwerte, Aktien aus dem Gesundheits- und dem Energiesektor seien einen genaueren Blick wert.

Befürchtungen, dass eine vollständige Erholung der Indizes mehr als 25 Jahre dauern könnte, wie beim US-Leitindex Dow Jones Industrial Average (Djia) nach der Großen Depression, traten die beiden Experten deutlich entgegen. Acket: "Wir sind zwar in einer heiklen Lage und es wird dauern, bis wir wieder dort sind, wo wir im letzten Jahr waren, doch die Erfahrungen der 30er Jahre werden sich nicht wiederholen."

Dabei argumentierte er, dass die Regierungen gelernt hätten und nicht wie damals die Geldhähne zu-, sondern aufgedreht wurden. Das habe die Krise bereits abfedern können, auch wenn etwa den Zentralbanken im Oktober zugleich ihre Grenzen aufgezeigt worden seien. "Man kann die Pferde zur Tränke führen, doch saufen müssen sie selbst", sagte er und verwies damit auf die expansive Geldpolitik der Zentralbanken und die Zurückhaltung der Banken, dieses Geld in Form von Krediten weiterzugeben. Die niedrigen Zinsen und die Liquiditätshilfen würden, zusammen mit wieder günstigen Rohstoffpreisen, die Voraussetzung für die erwartete Bodenbildung an den Aktienmärkten schaffen. Dabei rechnet der Chefvolkswirt von Julius Bär damit, dass die US-Notenbank Fed nochmals den Leitzins auf dann 0,25 Prozent senken wird.

Derzeit sei die Verunsicherung an den Märkten zwar noch groß, doch mit Hilfe durch die bereits ergriffenen Maßnahmen und die regulatorischen Eingriffe der Regierungen sollte das Vertrauen wiederkehren. "Allerdings brauchen wir einheitliche Maßstäbe, um einen Finanzmarkt, der chronisch ineffizient und intransparent ist, wieder in Gang zu bringen", sagte Acket. "Die Krise darf aber nicht zur permanenten Installierung des Staates genutzt werden", warnte er und sieht sonst weitere Verwerfungen auf die Märkte zukommen. Bislang, so lobte er jedoch, sei "weitgehend ideologiefrei gehandelt worden."

Konjunkturell sei ein "kalter Winter" zu erwarten. Nach aktuellen Berechnungen etwa dürfte die Wirtschaft in den USA dieses Jahr noch um 1,5 Prozent wachsen und 2009 um 0,4 Prozent schrumpfen. Für Deutschland wird 2009 ein Wert von minus 0,3 Prozent erwartet. Die Weltwirtschaft dürfte dagegen im kommenden Jahr nach moderat um 1,7 Prozent wachsen, was vor allem auf China und Indien zurückzuführen sei. Für 2010 werden dann wieder Anzeichen einer Trendwende gesichtet. Die Prognose lautet hier, dass in den USA ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent, in Deutschland eines von 0,7 Prozent und weltweit ein Plus von 3,0 Prozent erwartet wird.

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