Analyse
Trichet-Zinsaussagen stoßen bei Ökonomen auf wenig Verständnis

Die Kommunikationspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stößt bei EZB-Beobachtern derzeit nur auf wenig Verständnis. Die Aussagen lösten an den Renten- und Devisenmärkten kräftige Kursschwankungen aus.

dpa-afx FRANKFURT. Die Kommunikationspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stößt bei EZB-Beobachtern derzeit nur auf wenig Verständnis. Die Aussagen lösten an den Renten- und Devisenmärkten kräftige Kursschwankungen aus. "Eine klare Linie ist nicht zu erkennen", sagte Dekabank-Ökonom Jens-Uwe Wächter am Montag angesichts der jüngsten Aussagen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments in Brüssel.

Die erste Zinserhöhung seit fünf Jahren wird Trichet zufolge keine Runde von mehreren Zinsschritten nach oben einläuten. Trichet bestätigte dort gleichzeitig die erst am Freitag bei einer Veranstaltung in Frankfurt signalisierte Bereitschaft zu einer baldigen Zinserhöhung. Der wichtigste Leitzins liegt seit zweieinhalb Jahren bei 2,00 Prozent.

"Der Ankündigung am Freitag folgte bereits am Montag die Klarstellung. Das ist nicht bis zum Ende durchdacht", sagte Wächter. Er führte diese insgesamt "sehr merkwürdige" Politik auf eine Spaltung im EZB-Rat zurück. Während ein Teil der Währungshüter an unveränderten Leitzinsen festhalten, wolle das andere Lager offenbar vorbeugend handeln.

'HÜ- und Hott-Politik'

Die Trichet-Aussagen sorgten an den Devisenmärkten für heftige Kursschwankungen um rund einen Cent. Die Aussicht auf nur moderat steigende Leitzinsen in der Eurozone drückte den Euro am Montag wieder deutlich unter 1,18 Dollar. Zwischenzeitlich war die Gemeinschaftswährung am Morgen mit 1,1 837 Dollar noch auf den höchsten Stand seit gut zwei Wochen gestiegen. Der Euro sank am Nachmittag aber auf 1,1 737 Dollar. Auch an den Rentenmärkten wurden die Marktteilnehmer erneut regelrecht aufgescheucht. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future legte um 0,33 Prozent auf 119,77 Punkte zu, nachdem er am Morgen noch seine Talfahrt von Freitag fortgesetzt hatte.

"EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat den Höhenflug des Euro so schnell beendet, wie er ihn am Freitag ausgelöst hatte", sagte Expertin Tabea Noll von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Am Markt stoße diese "Hü- und Hott-Politik" nur auf wenig Verständnis. Die kräftigen Kursschwankungen der vergangenen Tage lägen sicherlich nicht im Interesse der Währungshüter.

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