Analysten bemängeln die schwache Auslandsstrategie – Nur Übernahmespekulationen sorgen für Phantasie
Portugal Telecom enttäuscht die Anleger

Die Aktie des größten portugiesischen Telekommunikationsanbieters, Portugal Telecom (PT), kommt nicht in Gang. Dresdner Kleinwort Wasserstein gehört zu den wenigen Brokern, die den Titel derzeit auf Kauf setzten. Sie rechnen mit einem Kursziel von 12 Euro.

MADRID. Seit Ende Februar rutschte der Kurs von 9,5 auf 8,5 Euro ab. PT wird an der Börse mit rund zehn Mrd. Euro bewertet und ist damit im Vergleich zu europäischen Riesen wie Deutsche Telekom, France Telecom und Telefónica ein Knirps. Dresdner Kleinwort Wasserstein gehört zu den wenigen Brokern, die den Titel derzeit auf Kauf setzten. Sie rechnen mit einem Kursziel von 12 Euro.

Das übertrifft bei weitem die Meinung der meisten anderen Branchenkollegen, die eher zu „Halten“ raten und das Kursziel wie Credit Suisse First Boston bei neun Euro sehen. Das Investmenthaus begründet seine Einstufung mit den in diesem Jahr zu erwartenden zurückgehenden Einnahmen auf dem heimischen Markt.

Lehman Brothers hat das Kursziel für die PT-Aktien nach der Veröffentlichung der schlechten Quartalsergebnisse vor wenigen Tagen von 10,5 auf zehn Euro abgesenkt. Der Gewinn des portugiesischen Marktführers lag in den ersten drei Monaten diesen Jahres mit 174 Mill. Euro um zehn Mill. Euro unter dem Ergebnis des Vorjahres. Damit jedoch immer noch fast um zehn Millionen Euro höher, als der Markt erwartet hatte, weswegen der Kurs nicht noch weiter absackte. Beim Umsatz konnte sich PT in den ersten drei Monaten nur um ein Prozent auf 1,47 Mrd. Euro verbessern. Der Schuldenstand der Unternehmensgruppe hat inzwischen 3,6 Mrd. Euro erreicht.

Die meisten Analysten sind sich einig, dass das kurzfristige Wachstumspotenzial der PT-Aktie wegen dieser kritischen Geschäftslage im eigenen Land weit unter dem anderer Branchenkollegen liegt, wie zum Beispiel der spanischen Telefónica, mit der sie in Brasilien das Joint Venture Vivo betreiben. Vivo macht mit seinen fast 27 Millionen Kunden bereits 27 Prozent des PT-Umsatzes aus. Die Einnahmen aus dem heimischen Festnetz gehen dagegen immer weiter zurück.

„Das Unternehmen hat versäumt, seine natürlichen Märkte zu bearbeiten“, sagt José Mario Alvárez Novales, Telekommunikationsexperte bei der Madrider Businessschule Instituto de Empresa. Dazu gehörten die ehemaligen Kolonien. In Brasilien seien sie nur an der Hand von Telefónica groß geworden und den Rest von Lateinamerika hätten sie weitgehend vernachlässigt, obwohl ein Eintritt dort durch die kulturelle Nähe vereinfacht worden wäre. „Der eigene Markt ist mit elf Millionen Einwohnern jedoch viel zu klein für ein Technologieunternehmen“, sagt Alvárez Novales. Seiner Meinung nach könnte die Aktie jedoch in den kommenden Monaten durch Übernahmephantasien Aufwind bekommen: „Telefónica ist bereits größter PT-Aktionär und seit langem an einer Übernahme interessiert.“ Allerdings dürfte ein schneller Kauf seiner Meinung nach derzeit an den nationalen Interessen scheitern.

Vor einigen Tagen erst hatte der PT-Aufsichtsrat auf Druck der Regierung beschlossen, dass Telefónica seinen derzeitigen Anteil von zehn Prozent nicht erhöhen kann. Der Präsident der portugiesischen Bank BPI, die ebenfalls rund neun Prozent an PT hält, Fernando Ulrich, hatte sich bereits mehrfach negativ über die Einmischung des Staates in dieser Sache geäußert: „Es ist nicht gesund. Wir wären dafür gewesen, dass Telefónica mehr Einfluss gewinnt.“

Auch der derzeitige sozialistische Premier José Sócrates sagte erst kürzlich, dass Portugal keine Angst mehr haben dürfte vor spanischen Investoren. „Langfristig ist zu erwarten, dass es hier Veränderungen geben wird“, sagt Alvárez Novales.

Um den Kurs der Aktie kurzfristig zu stützen, hat PT vor wenigen Tagen angekündigt, in diesem Jahr 38 Mill. Aktien zurückzukaufen. Das sind rund drei Prozent des Kapitals. Damit führt das Unternehmen mit den Rückkäufen des vergangenen Jahres insgesamt wieder zehn Prozent in die eigenen Hände zurück.

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