Analysten bescheinigen dem Internet-Ausrüster, seine Hausaufgaben erledigt zu haben
Kurssturz macht Cisco Systems wieder interessant

Eigentlich hatte der Netzausrüster Cisco Systems alles richtig gemacht: die Kosten gesenkt, trotz Umsatzeinbußen den Gewinn gesteigert und mit den Quartalsergebnissen die Analystenprognosen exakt getroffen. Dennoch brach die Aktie um 15 Prozent ein. Doch die Geschäftskennzahlen geben Anlass zur Hoffnung.

HOUSTON. Eigentlich hatte der Netzausrüster Cisco Systems alles richtig gemacht: die Kosten gesenkt, trotz Umsatzeinbußen den Gewinn gesteigert und mit den Quartalsergebnissen die Analystenprognosen exakt getroffen. In den drei Monaten bis Ende Juli verdiente Cisco 14 Cent pro Aktie, 40 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Trotzdem straften die Investoren den Wert erst einmal ab. In nur einer Woche verloren Cisco-Titel fast 15 % und notieren mit zurzeit etwa 17,80 Dollar wieder deutlich unterhalb der Jahreshöchstwerte vom Juli.

Ein Grund für die Kursverluste: Der Markt sei durch die glänzenden früheren Cisco-Bilanzen schlicht verwöhnt und deshalb von den aktuellen Zahlen enttäuscht worden, sagen Experten. „Ich betrachte dieses Quartalsergebnis im Grunde als einen Fehlschlag, der die Erwartungen der Analysten nicht erfüllt“, sagte etwa Shawn Campbell vom Finanzdienstleister Campbell Asset Management der Nachrichtenagentur Reuters. „Denn bisher hat Cisco die Prognosen nicht nur getroffen, sondern meistens um einen Penny darüber gelegen.“

Doch die Geschäftskennzahlen geben Anlass zur Hoffnung. Als einer der weltgrößten Hersteller und Vermarkter von Netztechnik-Produkten für das Internet leidet Cisco zwar wie der Rest der Branche unter der schwachen Nachfrage – aber anders als die meisten Konkurrenten haben es die Kalifornier bislang geschafft, dank strenger Kostenkontrolle größtenteils profitabel zu bleiben und nebenbei noch anderen Unternehmen deren Kunden abzujagen. In den drei vergangenen Quartalen erzielte Cisco sogar die drei besten Netto-Ergebnisse der Firmengeschichte.

„Die Verkaufszahlen dürften im abgelaufenen Quartal die Talsohle erreicht haben“, sagt Kenneth Muth vom Investmenthaus Robert W. Baird. „Die nächsten paar Quartale werden noch ein relativ langsames Wachstum verzeichnen, da die Geschäftskunden und auch die Dienstleister noch auf eine Bestätigung dafür warten, dass die Wirtschaft sich tatsächlich erholt. In den nächsten beiden Geschäftsjahren werden dann Nachfrage und Wachstum wieder anziehen.“ Sein Kollege Todd Koffman, Analyst beim Bankhaus Raymond James, erhöhte jüngst seine Gewinnprognose um zwei Cent auf 0,67 Dollar je Aktie, unter anderem wegen der „zunehmend vielversprechenden und ermutigenden Kommentare über den Ausblick für Cisco“.

Zudem könnte nun endlich der lange erwartete Aufrüstungszyklus anstehen, in dem die Unternehmen beispielsweise ihre Computer- und Softwareausstattung auf den neuesten Stand bringen. „Viele der Produkte, die vor vier Jahren zur Jahrtausendwende angeschafft wurden, müssen jetzt überholt oder komplett ersetzt werden“, sagt Chefstratege Tobias Levkovich von Citigroup Smith Barney. „Außerdem erhöhen die Telekomfirmen nach drei Einsparungsjahren zurzeit ihre Investitionen. Von beiden Maßnahmen sollte Cisco profitieren.“ Der Fachmann rät deshalb zum Kauf der Aktie, bewertet das Anlagerisiko jedoch als hoch.

Ob die steigenden Umsätze allerdings auch einen entsprechenden Nettozuwachs mit sich bringen werden, ist fraglich. „Während des vergangenen Jahres hat Cisco vermutlich wegen der Konjunkturschwäche eine aggressivere Preispolitik benutzt, um die Marktanteile beizubehalten“, sagt Muth. „Aber es gibt keine Gewissheit, dass die Preise wieder zu einem vorteilhafteren Niveau zurückkehren.“ Sein Kollege Koffman schätzt zudem, dass sich die Gewinnmargen aufgrund des Konkurrenzkampfs nicht wesentlich verbessern werden.

Ciscos Aktienpreis könnte dagegen einen Kaufanreiz bieten. Er liegt durch den Kurseinbruch wieder niedriger als noch vor kurzem. „Die uneinheitliche Aussage der Quartalsbilanz“ habe den Wert kurzzeitig unter Druck gebracht, vermutet Analyst Stephen Koffler von Wachovia Securities: „Wir sehen den aktuellen Preis deshalb als eine Kaufgelegenheit, denn das Kerngeschäft hat sich jetzt stabilisiert. Und vor allem hat Cisco die Chance, sich im Bereich Spitzentechnologie weitere Marktanteile zu sichern.“ Deshalb erhöhte Koffler jüngst seine Bewertung von „Market Perform (durchschnittlich) auf „Outperform“ (überdurchschnittlich). Er erwartet, dass der Aktienpreis bis auf 26 Dollar klettern wird, was im Vergleich zum aktuellen Niveau ein Plus von gut 45 Prozent bedeuten würde.

Quelle: Handelsblatt

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