Analysten bezweifeln Gerüchte über ein Ende der Partnerschaft des Elektronikhändlers mit Aldi
Medion-Aktie bietet Einstiegschancen

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Nach diesem Grundsatz betreiben die beiden Aldi-Konzerne mit Sitz in Essen und Mühlheim seit Jahrzehnten ihr Geschäft. Mit dieser Verschwiegenheit haben Aldi Nord und Aldi Süd in der vergangenen Woche für kräftige Kursverluste bei Medion gesorgt.

DÜSSELDORF. Denn seitdem das Gerücht am Markt kursierte, dass die Discount- Riesen die Verträge mit dem vor 20 Jahren gegründeten Elektronikhändler überdenken, gab dessen Papier fast zehn Prozent nach. Nur ein Dementi aus den wenige Kilometer entfernten Aldi-Zentralen hätte den Abwärtstrend vorzeitig stoppen können, doch Aldi blieb – wie fast immer – stumm.

Für die meisten Analysten kam der Kursverlust nicht überraschend. So erwirtschaftet der Essener Elektronikkonzern nach Meinung vieler Experten noch immer gut zwei Drittel seines Gesamtumsatzes über die Discounter-Theke. „Aldi war, ist und bleibt der wichtigste Kunde“, sagt Frank Laser von der Berenberg Bank. „Sollten die Verträge wirklich gekündigt werden, wäre das mit Sicherheit ein gewaltiger Schock, sagt Felix Ellmann, Analyst bei SES Research.

Den jüngsten Abwärtstrend halten die Branchenexperten dennoch für überzogen – vor allem, da kaum einer den Gerüchten glaubt. „Zwar gehören die Bilder, die bei neuen Computer-Aktionen lange Schlangen vor den Aldi-Filialen zeigen, wohl der Vergangenheit an“, sagt Michael Busse von Helaba Trust. Dennoch sei, obwohl die Computer vielleicht nicht mehr in Stunden vergriffen sind, die Zusammenarbeit immer noch erfolgreich, ein vorzeitiges Ende eher unwahrscheinlich, glaubt der Finanzexperte.

Auch Wolfgang Fickus von der WestLB zweifelt an den Spekulationen. „Derartige Verträge werden meist langfristig ausgelegt“, sagt der Analyst. Außerdem würde für Medion nur schwer Ersatz zu finden sein, sagt Laser von Berenberg. Denn die Essener verkaufen schon seit Jahren Computer, Fotokameras, Fernseher und tragbare CD-Spieler auch unter Marken wie „Lifetec“ und „Tevion“. Medion habe mittlerweile eine Größe erreicht, die sich auch bei den Einkaufspreisen positiv auszahle, sagt der Finanzexperte „Preislich ist das von einem möglichen Konkurrenten wohl kaum zu schlagen“, glaubt Laser.

Die große Mehrzahl der Analysten sieht im Moment daher eher Einstiegschancen als das Risiko weiterer Verluste – gerade auch mit Blick auf die jüngsten Quartalszahlen. „Das Ergebnis war eigentlich ganz ordentlich“, sagt Ellman. Zwar musste Medion wegen des schwachen Dollars die Umsatzziele für das laufende Jahr leicht senken, hält aber dennoch an der Gewinnprognose fest. Diese liegt mit gut 110 Mill. Euro wieder um 15 bis 20 Prozent über dem Vorjahresergebnis.

Das einzige Manko bleibt bisher das Auslandsgeschäft. Zwar erzielt Medion schon fast 30 Prozent des Umsatzes außerhalb Deutschlands. In Frankreich und England haben die Essener zudem bereits große Vertriebspartner gefunden. Doch das wichtige US-Geschäft läuft nur zögernd an. „Das drückt zurzeit noch den Kurs“, sagt Ellmann von SES Research. „Für zusätzliche Phantasie müssen positive Signale aus den USA kommen“, sagt auch Fickus von der WestLB. Kommen die Signale, dann spricht das für zusätzliches Wachstum bei Medion, was dem Kurs der Aktie zugute käme.

Da die Aktie derzeit mit rund 32 Euro nur noch 20 Prozent über dem Jahrestief notiert und das Papier mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 günstig bewertet ist, raten die Analysten trotz des bislang schwachen US-Geschäfts einhellig zum Kauf. „Die Reaktionen auf die Gerüchte waren übertrieben“, sagt Ellmann, der den fairen Wert bei 35 Euro sieht. Das selbe Kursziel gibt auch WestLB-Analyst Fickus an.

Noch mehr Potenzial räumt Laser von der Berenberg Bank der im MDax gelisteten Aktie ein. Er rechnet mit einer überdurchschnittlichen Marktentwicklung und einem Kursanstieg bis zu 45 Euro. Das wäre nicht nur im Vergleich zum aktuellen Stand ein Plus von fast 50 Prozent, sondern gleichzeitig ein 52-Wochen-Hoch.

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