Analysten billigen dem Baukonzern erst langfristig wieder Potenzial zu
Anleger brauchen bei Hochtief Geduld

Gute Quartalszahlen sind kein Garant für steigende Aktienkurse. Bestes Beispiel dafür ist derzeit der Baukonzern Hochtief.

DÜSSELDORF. Nachdem die Aktie die Analysten zuletzt mit einem Kurssprung überrascht hatte, halten die Experten Hochtief-Titel für kurzfristig ausgereizt. Potenzial biete das Papier des Branchenführers aber für langfristig orientierte Anleger.

Im zweiten Quartal 2005 konnte Hochtief seinen Gewinn vor Steuern um knapp die Hälfte auf 86,7 Mill. Euro steigern. Dabei kommt dem Unternehmen vor allem seine internationale Präsenz zugute. Mehr als 80 Prozent der Bauleistung verkauft es mittlerweile im Ausland. In Hongkong beispielsweise ist das Tochterunternehmen Leighton am Bau einer U-Bahn-Station beteiligt. Mit Asien hat Hochtief einen auch für die Zukunft wichtigen Markt erschlossen. „Das Wachstum an Bauaufträgen wird dort auch über das Jahr hinaus anhalten und für Hochtief ein wichtiges Standbein bleiben“, sagt Erhard Schmitt, Analyst bei Helaba Trust.

Parallel zum Aufwärtstrend der Geschäftszahlen hat sich auch der Aktienkurs in den letzten zwölf Monaten verdoppelt. In der letzten Woche bekam er durch Übernahmespekulationen noch einmal kräftig Auftrieb. Händler hatten berichtet, der britische Konkurrent George Wimpey sei an einer Übernahme von Hochtief interessiert. Danach stieg der Kurs von Hochtief in der Spitze bis auf 34,30 Euro, den höchsten Stand seit fünf Jahren. Bis zum Freitag fiel er jedoch wieder unter 32 Euro. „Damit ist der Wert aber immer noch relativ teuer; das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2005 liegt immerhin bei 32,27“, sagt Christoph Schlienkamp, Analyst beim Bankhaus Lampe. Er hat ein Kursziel von 28 Euro angesetzt. Die Experten der Deutschen Bank sehen das Ziel bei 32,70. Lars Korinth, Analyst der Hypo-Vereinsbank bleibt mit 31 Euro knapp darunter. „Das Potenzial für weitere Überraschungen scheint ausgeschöpft“, sagt er.

Im Vergleich zum Wert von Bilfinger Berger, der Nummer zwei der deutschen Baubranche, steht die Hochtief-Aktie eher schlecht da. Der Gewinn pro Aktie lag 2004 bei 0,65 Euro, Bilfinger verdiente dagegen 1,39 Euro je Anteil. Für 2005 rechnetChristoph Schlienkamp mit einem Wert von 1,02 Euro für Hochtief. Bilfinger traut er dagegen eine Steigerung auf 2,08 Euro zu.

Hochtief muss seine Gewinne stärker steigern, um bei Anlegern neues Interesse zu wecken. Die Vorhersagen für die Baukonjunktur fallen dabei gar nicht schlecht aus. Die Prognosen des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung geben Anlass zur Hoffnung: Für Europa wird im nächsten Jahr ein kräftiger Zuwachs der Bautätigkeit erwartet. In Deutschland soll das Geschäft 2007 wieder anziehen. Helaba-Trust-Analyst Schmitt geht davon aus, dass im Zuge der anspringenden Baukonjunktur auch die Aktie von Hochtief noch Chancen auf weitere Kursgewinne hat.

Bestärkt wird die positive Langfristprognose dadurch durch, dass Hochtief mit dem „Public Private Partnership“ ein lukratives Geschäftsfeld erschlossen hat. Dabei arbeitet die öffentliche Hand mit privaten Investoren zusammen, um Projekte wie die Sanierung von Schulen trotz leerer Kassen realisieren zu können. In diesem Segment hat Hochtief in den vergangenen zehn Monate bereits vier Projekte im Auftragsvolumen von 650 Mill. Euro an Land gezogen. „Auch in Zukunft wird das wegen leerer, öffentlicher Kassen einer der wichtigsten Gewinnbringer sein“, mutmaßt Bankhaus-Lampe-Analyst Schlienkamp. Größere Auftragseingänge erwartet der Vorstandsvorsitzende von Hochtief, Hans-Peter Keitel, auch in Mittel- und Osteuropa, wo durch die steigenden EU-Fördermittel das Geschäft angekurbelt werde.

Der Kurs könnte aber nicht nur durch steigende Gewinne, sondern auch durch weitere Übernahmegerüchte angetrieben werden. Der spanische Baukonzern ACS will noch in diesem Jahr eine Mrd. Euro in die internationale Expansion investieren. Branchenkenner hatten bereits in der letzten Woche die Vermutung geäußert, dass auch Hochtief für ACS interessant sein könnte, um sich Zugang zum Osteuropa-Geschäft zu schaffen und so vom Zufluss der EU-Mittel zu profitieren.

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