Analysten deutscher Banken schneiden in neuer Rangliste sehr gut ab
Analysten der DZ Bank sind treffsicher

Die Analysten der genossenschaftlichen DZ Bank haben nach einer Studie des Londoner Informationsdienstes Accuracy Quotient (AQ) in den vergangenen zwölf Monaten die treffsichersten Aktienempfehlungen für deutsche Werte abgegeben.

Frankfurt/M. Platz zwei belegt die ING-Gruppe, gefolgt von der ebenfalls genossenschaftlichen WGZ Bank auf Platz drei. Die AQ-Studie liegt dem Handelsblatt exklusiv vor.

Obwohl die Zeiten, in denen Aktienexperten als Gurus verehrt worden waren, längst passé sind, hebt AQ hervor, dass die Banken ihre Erfolge meist einzelnen Analysten verdanken. Bei der DZ Bank seien Rainer Münch und Thorsten Wenzel mit ihren treffsicheren Aktienempfehlungen wesentlich für den Sprung von Platz acht auf Platz eins verantwortlich.

Die Qualität einer Aktienempfehlung misst AQ daran, wie sich der Kurs des bewerteten Titels entwickelt, während die Empfehlung „Kaufen“, „Halten“ oder „Verkaufen“ gilt. Für häufiges Herauf- und Herunterstufen gibt es Punktabzug. Je stärker die Empfehlung inhaltlich begründet wird, desto stärker wird sie gewichtet. Empfiehlt ein Analyst eine Aktie mit „Strong Buy“ unbedingt zum Kauf, kann er, sofern er richtig liegt, viele Punkte einstreichen. Liegt er falsch, rutscht sein Ranking ins Minus. Zaudern lässt AQ nicht gelten: Für die Einstufung „Halten“ gibt es keine Punkte.

DZ-Bank-Analyst Münch sei mit zwei sehr genauen Einschätzungen für die Versorger RWE und Eon zum Top-Analysten im Versorgungssektor geworden, sagt Roger Aitken, Autor der AQ-Studie. Münch habe die Konkurrenz um Längen hinter sich gelassen, obwohl RWE zu den unberechenbarsten Aktien in Deutschland zählte, meint Aitken. Höchstes Lob zollt er auch Münchs Kollegen Thorsten Wenzel, der Versicherer und Finanzdienstleister im Blick hat. Wenzels Prognosen für die Allianz-Aktie seien hervorragend gewesen.

Auf europäischer Ebene haben die Analysten deutscher Banken, die allerdings überwiegend in London angesiedelt sind, in den vergangenen zwölf Monaten ebenfalls Spitzenpositionen erreicht (s. Tabellen). Bei absoluten Empfehlungen für europäische Werte führt die Deutsche Bank die Rangliste der treffsichersten Prognosen an. Auf dem zweiten Platz folgen die Aktienexperten von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Platz drei halten die Analysten von Sal. Oppenheim und Platz vier belegt der Vorjahressieger Commerzbank.

Auch hier verdanken die Banken ihre Führungspositionen meist einigen wenigen überragenden Aktieneinschätzungen. Allerdings sei bei der Vielzahl der abgegebenen Empfehlungen auf europäischer Ebene eine weitaus solidere Trefferquote als bei nationalen Titeln erforderlich, um zu den führenden Experten zu gehören, sagt Aitken.

Was heißt das nun für den Anleger? „Überspitzt könnte man schließen: Wenn ich eine absolute Empfehlung für europäischen Aktien brauche, gehe ich zur Deutschen Bank. Habe ich Spezialfragen zu deutschen Werten, frage ich die DZ Bank,“ sagt Aitken. Allerdings relativiert er diese Aussage, indem er darauf hinweist, dass es bei Analystenrankings wenig Konstanz gebe. Das Ranking sei keine Garantie für die Qualität künftiger Prognosen.

In der aktuellen Studie hätten beispielsweise deutsche Banken davon profitiert, dass sie meist absolute Empfehlungen abgäben und nicht indexbezogene, was in Zeiten anziehender Börsen die sicherere Methode sei, sagt Aktien. Die DZ Bank habe ihren großen Punktevorsprung vor allem den damaligen Verkaufsempfehlungen für RWE und Eon zu verdanken, die gegen den Trend und sehr gut terminiert gewesen seien.

Einen guten Analysten beschreibt Aitken deshalb als jemanden, „der nicht nur die Richtung einer Aktie vorhersagen kann, sondern seine Empfehlung auch zeitlich gut platziert – das heißt, kurz vor dem Wendepunkt – und außerdem den Mut hat, auch gegen die gängige Meinung seiner Kollegen zu votieren“.

Fritz Rau von der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) und erklärter Kritiker von vereinfachenden Analystenrankings meint dazu: „Solide Branchen- und Unternehmenskenntnisse sowie eine gute Beratung bei schwierigen Einschätzungen, das sind die Kriterien, die Investoren bei Analysten schätzen.“

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%