Analysten empfehlen die Wertpapiere asiatischer Hersteller zum Kauf
Kursanstieg deutscher Autoaktien stimmt Analysten skeptisch

Porsche kauft VW-Aktien, Daimler-Chrysler will mehrere tausend Mitarbeiter entlassen, und BMW plant, bis zu drei Prozent seiner Stammaktien zurückzukaufen – die Automobilhersteller überrumpelten die Anleger in den letzten Wochen mit allerlei Neuigkeiten und brachten damit Schwung in die Kursverläufe der Unternehmenswerte. Künftig soll allerdings wieder Ruhe einkehren.

HB DÜSSELDORF. Die Aktien der Automobilhersteller blieben stabil, Impulse für weitere Kurssteigerungen gebe es nicht, prognostizieren deutsche Analysten. Auch die Investmentstrategen von JP Morgan gehen davon aus, dass es in naher Zukunft keine Überraschungen geben wird und senkten die Bewertung für die europäische Autoindustrie von „übergewichten“ auf „neutral“.

Seit Jahresbeginn legten die Kurse von Volkswagen und Porsche um knapp 40 Prozent zu, Daimler-Chrysler-Aktien verteuerten sich um ein Viertel, und der Wert des BMW-Papiers stieg um rund 15 Prozent. „Die Unternehmen haben damit bereits ihren fairen Wert erreicht und nähern sich dem Ende des Aufwärtstrends“, sagt Oliver Girzick, Analyst der BayernLB, der laut des US-Researchhauses Starmine zu den drei besten Experten in der Automobilbranche gehört. Vor allem von VW sei nicht mehr viel zu erwarten. Denn dessen Dauerbrenner-Modell, der Golf, muss sich zunehmend gegen billige Konkurrenz aus Asien behaupten.

Japanische und koreanische Wagen erreichen hier zu Lande bereits jetzt einen Marktanteil von knapp 17 Prozent. Die Tendenz ist seit Jahren steigend. Auch die Aktienkurse der Asiaten bieten noch Potenzial. Der japanische Hersteller Toyota beispielsweise ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,99 sehr niedrig bewertet. Das Gleiche gilt für Hyundai Motor. Hier liegt das für 2005 erwartete KGV bei 3,51. Dabei befindet sich der Kurs schon seit Jahren im Höhenflug. Wer Anfang 2003 in die Aktien der Südkoreaner investierte, hat bereits jetzt einen Gewinn von rund 160 Prozent gemacht. Von einer derartigen Bilanz können die deutschen Hersteller nur träumen, wenngleich auch sie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen zwischen zehn und 14 recht günstig bewertet sind.

„Auch für deutsche Premiumhersteller wie Porsche und BMW wird die Wettbewerbsintensität zunehmen, allerdings genießen sie durch ihre Innovationsführerschaft einen Wettbewerbsvorteil“, sagt Oliver Girzick. Absatzrückgänge werde es in naher Zukunft nicht geben. Für einen Aufwärtstrend beim Aktienkurs reicht das allerdings noch nicht. Dafür müssten positive Einflüsse her, und die sind derzeit nicht in Sicht. Für die Porsche-Aktie beispielsweise dürfte „der Kauf der VW-Anteile nicht förderlich sein“, sagt Patrick Juchemich, Analyst bei Sal. Oppenheim. Viele der bisherigen Aktionäre hätten den Kauf nicht begrüßt und die Aktie abgestoßen. Auch Oliver Girzick geht davon aus, dass sich die Aktion kurzfristig eher negativ auswirken dürfte, „weil die Hoffnungen einer weiteren Sonderdividende zerstört wurden“.

Daimler hat durch den Personalwechsel in der Führungstruppe und die Ankündigung, Stellen zu streichen sowie Überkapazitäten abzubauen, für positive News gesorgt, was mit einem Anstieg des Aktienkurses um drei Prozent belohnt wurde. „Damit wurde aber die Grenze des Möglichen erreicht“, sagt Girzick. Den fairen Wert der Aktie sieht er bei 40 Euro.

Ähnlich ist die Lage bei BMW. Dem Unternehmen fehlt es ebenfalls an Impulsen. Zwar hat der Automobilhersteller aus Bayern permanent daran gearbeitet, seine Kosten im Griff zu halten, und deshalb heute keine Lohnkostenprobleme wie VW oder Mercedes. Doch für nennenswerte Gewinnzuwächse reicht das nicht aus. Große Sprünge sind deshalb auch an der Börse nicht zu erwarten. „BMW hat nichts, mit dem sie die Anleger noch überraschen können“, sagt Girzick. Denn auch bei der Entwicklung des Hybrid-Antriebs, einer Verknüpfung zwischen Verbrennungsmotor und Elektroantrieb, hinkt der Autobauer hinterher. Wie auch die anderen deutschen Hersteller ist BMW in diesem Bereich gegenüber den Japanern zurückgefallen. Da diese Technik vor dem Hintergrund steigender Ölpreise allerdings weiter an Bedeutung gewinnen wird, ist die deutsche Automobilindustrie gezwungen, kräftig und vor allem schnell aufzuholen.

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