Analysten erwarten gespannt den US-Zinsentscheid
Dax-Ausblick: Öl belastet Börse weiter

Der US-Zinsentscheid und die Ölpreisentwicklung dürften das Geschehen an den Kapitalmärkten in der verkürzten Woche vor Ostern dominieren. Analysten rechnen zum Ende der Berichtssaison allerdings nicht mit starken Kurssprüngen im Deutschen Aktienindex (Dax).

HB DÜSSELDORF. „Der Dax sollte zwischen 4250 und 4380 Punkten schwanken. Ein neues Jahreshoch wird der Leitindex in der kommenden Woche wohl nicht erklimmen“, sagt Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Als Belastungsfaktoren macht er die angespannte Lage an den Rohstoffmärkten sowie den schwachen Dollar aus. „Der Markt wird weiter auf Öl und Dollar schauen“, sagt Borghoff. Der Dax verlor in der zu Ende gehenden Woche 0,6 Prozent.

Trotz der jüngsten Kursverluste sind die aus dem August 2004 stammenden Aufwärtstrends an den Aktienmärkten immer noch intakt, sagen die Strategen der Bankgesellschaft Berlin. Allerdings bewegten sich die Kurse mittlerweile recht nahe an den entsprechenden Trendlinien. Ein Unterschreiten solcher Unterstützungsmarken könnte weitere Gewinnmitnahmen auslösen.

Fundamentales Umfeld noch intakt

„In der jetzigen unklaren Situation tut man gut daran, sich vom Tagesgeschehen ein wenig zu lösen, um die grundlegenderen Einflussfaktoren Revue passieren zu lassen“, so die Aktienstrategen. Dabei werde man feststellen, dass trotz der gestiegenen Ölpreise und der jüngsten Währungsschwankungen das überwiegend positive fundamentale Umfeld intakt geblieben sei und dass die Bewertung der Aktienmärkte alles in allem günstig ausfalle. Hinzu kämen die niedrigen Leitzinsen in der Eurozone, wodurch die Aktienkurse ebenfalls eine gewisse Unterstützung erhalten sollten.“ Wir rechnen deshalb nicht mit einem Trend fallender Aktienkurse“, sagen die Strategen. Eine Kurserholung sollte sich aber erst dann einstellen, wenn die Unsicherheiten am Ölmarkt wieder nachlassen.

Auch Klaus Stabel, Aktienstratege bei ICF Wertpapierhandelsbank, weist auf das Geschehen am Ölmarkt hin. Eine Korrektur hier könnten den Dax an die Marke von 4400 Punkten führen. Optimistischer als manche Kollegen beurteilt Stabel die untere Grenze: Insgesamt scheine die Konsolidierung zwischen 4300 und 4350 Punkten weit fortgeschritten. Daher sei eine Erholung denkbar.

Spannung vor US-Zinsentscheid

Einig sind sich die Auguren für die Sitzung des US-Zinsausschuss (FOMC) am Dienstag, was die Entscheidung über die Leitzinsen selbst betrifft. Spannend bleibe es jedoch beim Begleitkommentar der Notenbanker. „Der Markt erwartet eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte, aber es besteht durchaus das Risiko, dass der Ausblick aggressiver wird“, sagt Geoff Kendrick, Devisenstratege bei Westpac. In den vergangenen sechs FOMC-Sitzungen hatte die US-Notenbank den Leitzins jeweils um 25 Basispunkte auf gegenwärtig 2,5 Prozent angehoben und für die weiteren Schritte ein „gemäßigtes Tempo“ in Aussicht gestellt.

Einige Volkswirte rechnen wegen der vorsichtiger gewordenen Kommentare der US-Notenbank zur Konjunktur damit, dass sie das „gemäßigt“ aus der Formulierung streichen könnte. Dies würde auf die Aktienkurse Druck ausüben. Schließlich stiegen die Refinanzierungskosten der Unternehmen dadurch schneller, als dies derzeit in den Kursen berücksichtigt ist.

Im Schatten der US-Zinsentscheidung dürfte der Ifo-Index am Mittwoch stehen. Von der Agentur Reuters befragte Analysten rechnen mit einem leichten Anstieg des Geschäftsklimaindex auf 95,6 von 95,5 Punkten. Risiken für die Aktienkurse gehen auch vom Ölpreis aus. „Seit Jahresbeginn ist der Preis für das schwarze Gold bereits um mehr als 40 Prozent gestiegen“, sagt Frank Schallenberger, Aktienstratege bei der LBBW. Der zuletzt von Rekord zu Rekord eilende Ölpreis verharrte am Freitag nahe seiner Höchststände. So kostete ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl mit 56,25 Dollar 15 US-Cent weniger als am Vortag.

Aufwärtstrend durch Dividenden-Politik

Mit den Bilanzpressekonferenzen des Handelskonzerns Metro, des Touristikunternehmens TUI und des Industriegase- und Gabelstapler-Konzerns Linde geht die Berichtssaison der deutschen Standardwerte zu Ende. Auffällig war vor allem die starke Anhebung der Dividendenvorschläge. Nach Schätzungen der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) werden die Dax-Unternehmen für 2004 die Ausschüttungen um 40 Prozent auf 15 Milliarden Euro anheben. Allein zwischen dem 6. April und dem 20. Mai werden nach ihren Berechnungen 12,4 Milliarden Euro als Dividenden ausgezahlt. Für diese Zeit wurden die meisten Hauptversammlungen einberufen. „Wir erwarten daher ab Anfang April wieder eine Aufwärtsbewegung des Dax“, sagte LRP-Analyst Andreas Hürkamp.

Am Montag laden Deutsche Postbank zur Bilanzpressekonferenz. Metro, Linde, Deutsche Post, Leoni und Rheinmetall folgen am Dienstag. Ebenfalls am Dienstag trifft sich der Aufsichtsrat der Lufthansa - eigentlich, um den Vertrag von Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber zu verlängern. Doch dürfte die geplante Übernahme des Schweizer Konkurrenten Swiss das Gremium intensiver beschäftigen.

Zur Wochenmitte berichten Kontron, TUI, Hochtief, HeidelbergCement und Lufthansa über das abglaufene Geschäftsjahr, In den USA stehen die Verbraucherpreise und der Chicago Fed National Index für Februar auf dem Programm. Singulus lädt dann am Gründonnerstag zur Bilanzpressekonferenz. Die Handelswoche endet in Frankfurt wie an den meisten anderen Aktienmärkten wegen Karfreitag bereits am Donnerstag.

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