Analysten gefällt Harley-Davidson besonders
Übernahme von Aprilia weckt Interesse für Motorrad-Aktien

Sie führen ein Schattendasein, weil sie als Exoten gelten: Motorrad-Aktien. Doch nun hat eine Übernahme gezeigt, dass die Branche durchaus Potenzial hat: Mitte August gewann der italienische Roller-Hersteller Piaggio (Vespa, Gilera, Puch, Derbi), der zur börsennotierten Immsi-Holding gehört, den Übernahmekampf um Aprilia (Moto Guzzi, Laverda). Der ebenfalls börsennotierte Sportmaschinen-Hersteller Ducati ging leer aus. Die Immsi-Aktie setzte daraufhin ihren Höhenflug fort. Seit Jahresbeginn hat sie bereits um rund 35 Prozent zugelegt.

HB FRANKFURT/M. Das Hauptargument für ein Engagement in Immsi-Aktien sehen Analysten in der Person der Vorstandschefs Roberto Colaninno. Der ehemalige Großaktionär von Telecom Italia hatte bereits bei der Übernahme von Piaggio im vergangenen Jahr angekündigt, einen italienischen Motorrad-Pool zu bilden. Durch den Zusammenschluss von Aprilia und Piaggio ist nun Europas größter und der weltweit viertgrößte Motorradkonzern entstanden.

Der Fall Immsi macht jedoch auch ein typisches Phänomen der Zweiradbranche deutlich: Reine Motorrad-Aktien gibt es nur sehr selten. Meist gehören die Hersteller zu einer Finanz-Holding oder zu Automobilherstellern, wie die Beispiele BMW, Honda und Suzuki belegen. Zu den wenigen Ausnahmen, die als reine Motorradhersteller auch an der Börse auftreten, gehören Ducati und Harley-Davidson.

Den Börsianer gefällt besonders die Harley-Aktie. Die konnte ihren Kurs in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich um inzwischen über 700 Prozent steigern. Ein Ende des Aufwärtstrends sehen Analysten noch immer nicht. In diesem Jahr sollen weltweit erstmals über 300 000 Motorräder verkauft werden. Die Experten des US-Wertpapierhauses Piper Jeffrey sehen das Kursziel der derzeit zu 60 Dollar gehandelten Aktie bei 65 Dollar. Ihre Kollegen von Prudential Financial gehen von 66 Dollar aus und die Wertpapier-Experten von Robert W. Baird sogar von 73 Dollar.

Davon können Ducati-Aktionäre nur träumen. Die Aktie, einst im März 1999 zu 2,90 Euro ausgegeben, ist nur etwas für Fans oder spekulativ veranlagte Anleger. Seit der Emission ging es mit ihr kontinuierlich bergab. Zuletzt kostete sie sogar weniger als einen Euro. Für Phantasie sorgt nun, dass der in Mailand und New York notierte Motorradbauer in diesem Jahr ein Umsatzplus von zehn Prozent auf 400 Mill. Euro anpeilt. Dabei soll sogar ein kleiner Gewinn geschrieben werden. Zuletzt ging es mit dem Kurs bereits leicht bergauf.

Völlig anders sieht die Situation bei den Motorrad-Herstellern BMW, Honda und Suzuki aus. Alle drei gehören zu großen Automobil- Konzernen und ergänzen dort das Produktsortiment um den Zweiradsektor. Bei Honda betrug der Umsatzanteil der Motorradsparte zuletzt rund 13 Prozent, bei Suzuki 17 Prozent und bei BMW sogar nur vier Prozent. Fans aller drei Marken werden die Aktien von Analysten wärmstens empfohlen. Bei BMW raten laut Nachrichtenagentur Bloomberg 27 Analysten zum Kauf und nur zwei zum Verkauf. Ein Argument dabei ist unter anderem stets der kleine, aber feine Motorradzweig. Besonders das Erfolgsmodell R 1200 GS, das im vergangenen Jahr auf den Markt gekommen ist und seither wie die Vorgänger den Spitzenplatz in der deutschen Verkaufsstatistik anführt, sorgt für positive Analystenstimmen.

Bei Honda ist das Bild ähnlich. Die Analysten von Prudential Financial raten nach den überraschend guten Halbjahreszahlen zuletzt weiterhin zum „Übergewichten“ der Aktie im Anlegerdepot.

Und auch Suzuki konnte im ersten Halbjahr seinen operativen Gewinn deutlich steigern. Christopher Richter von Merrill Lynch empfiehlt die Aktie deshalb zum Kauf. Sein Kursziel für die nächsten zwölf Monate liegt bei 2 100 Yen. Das entspräche aus heutiger Sicht einem Plus von 15 Prozent. Gestern notierten Suzuki-Papiere in Tokio knapp über 1 800 Yen.

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