Analysten hoffen auf steigende Umsätze im Weihnachtsgeschäft
Übernahmeschlacht um Peoplesoft belastet Oracle-Aktie

Seit Mitte vergangener Woche liegt der EU-Wettbewerbsaufsicht in Brüssel der Antrag vor, dass Oracle den Konkurrenten Peoplesoft feindlich zu übernehmen. Auch die US-Behörden prüfen diesen Schritt seit einigen Monaten. Oracle bietet 19,50 Dollar pro Peoplesoft-Aktie, 1,50 Dollar unter dem aktuellen Aktienkurs.

HOUSTON. Obwohl Peoplesoft das Angebot zurückgewiesen hat, hofft die Oracle-Chefetage, dass bis November oder Dezember eine Entscheidung vorliegt. Denn ein schnelles Ende des Übernahmegerangels hätte Oracle nach Meinung von Experten dringend nötig. Die Streitigkeiten schaden offenbar bereits Oracles Geschäften: In der vergangenen Woche präsentierte Konkurrent SAP eine starke Quartalsbilanz mit deutlichen Zuwächsen auf dem nordamerikanischen Markt. Sprecher des deutschen Konzerns erklärten, SAP habe von der Unsicherheit innerhalb der Branche profitiert, die der Fusionskampf zwischen Oracle und Peoplesoft bei den US-Kunden verursache. Nach Bekanntgabe der Zahlen legten SAP-Titel an der Börse um rund 15 % zu. Oracle verloren hingegen in den vergangenen Handelstagen an Wert. Mit etwa 12 Dollar lag die Aktie etwa 17 % unter dem Jahreshöchststand von 14 Dollar von Anfang September.

Die Einverleibung Peoplesofts wäre für zudem für die Erweiterung des Oracle-Konzerns unumgänglich: Bei der jährlichen Anlegerkonferenz in New York gab Oracle-Chef Larry Ellison vergangene Woche zu, dass organisch zu wachsen in den vergangenen Jahren schwierig gewesen sei. In Zukunft solle eine Reihe von Übernahmen dem Konzern auf die Beine helfen. Als zweitgrößter US-Softwareproduzent könne Oracle Wachstum nicht länger nur durch eigene Produkte erreichen.

Analysten raten bis zum Ausgang der Übernahmeschlacht zum Abwarten: Denn „die Stimmung könnte umschlagen in eine Situation, in der nicht Peoplesoft auf Oracle angewiesen ist, sondern Oracle Peoplesoft braucht, um die Geschäfte zu unterstützen“, sagt Tad Piper von US Bancorp Piper Jaffray.

Zudem „wird das Umsatzwachstum bei Oracle in den nächsten Jahren erheblich davon abhängen, ob sich die weltweiten Ausgaben für Computertechnologie erholen“, sagt Analyst Sanjiv Hingorani vom Bankhaus Oppenheimer. „Zeitpunkt und Umfang einer solchen Erholung sind allerdings noch immer unklar. In den vergangenen Monaten haben sich die Ausgaben anscheinend stabilisiert, bis Mitte nächsten Jahres wird die Erholung aber noch ungleichmäßig verlaufen.“

Hingorani bewertet die Oracle-Aktie deshalb in seiner ersten Einschätzung mit Neutral. Damit liegt er auf einer Linie mit vielen seiner Kollegen: Der Finanzdienst Thomson First Call verzeichnet zurzeit 40 Analystenurteile, von denen 17 zum Halten, 20 zum Kauf und drei zum Verkauf der Titel raten.

Hoffnungen setzen die Technologiekonzerne in das traditionell starke vierte Quartal. Neben dem Weihnachtsgeschäft sorgen üblicherweise auch die Restbudgets vieler Unternehmen für steigende Einnahmen. „Viele Organisationen haben das ganze Jahr über gespart, und deshalb sind die Aussichten gut, dass sie am Jahresende ihr Restgeld ausgeben", sagt Neil Herman von Lehman Brothers. Er hob deshalb jüngst seine Gesamtbewertung für die Softwarebranche von Neutral auf Positiv an. Auch die US-Regierung, deren Geschäftsjahr im September endet, sollte Oracles Umsatz im laufenden Quartal auf die Sprünge helfen, erwartet Kash Ragan von Wachovia Securities.

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