Analysten loben den Neuanfang des Konzerns nach der Trennung von Lanxess – Schnitt bei Forschung stimmt skeptisch
Bayer-Aktie bietet mittelfristig Chancen

Bayer wagt den großen Schnitt: Der Konzern trennt sich Anfang nächsten Jahres von Lanxess, wo die weniger innovativen, vor allem aber geringmargigen Chemie- und Kunststoffaktivitäten zusammen gefasst sind. "Für Bayer ist das Glas jetzt halb voll", titelte die US-Finanz-Website Motley Fool daraufhin. Ihr Chemieexperte Brian Gorman sieht Chancen für einen Neuanfang bei dem Konzern. Bei Bayer "liegt Optimismus in der Luft", sagt Gorman.

DÜSSELDORF. Viel ist im Vorfeld der Lanxess - Abspaltung über das Bezugsverhältnis spekuliert worden. Obwohl Lanxess deutlich weniger als ein Elftel zu den Konzernerträgen beiträgt, wird die Sparte im Verhältnis eins zu zehn an die Bayer-Aktionäre abgespalten. Der Anteil am Konzernumsatz liegt dagegen mit über einem Fünftel mehr als doppelt so hoch. Gerade diese vereinfachende Summenrechnung gibt der Bayer-Aktie Rückenwind: Denn im Umkehrschluss lässt sich erwarten, dass der Konzern ab 2005 eine deutlich höhere Bruttomarge aufweisen wird als bislang.

Nur wenige Analysten verweisen indes darauf, dass dies nur die eine Seite der Medaille ist. Mit der Trennung von der Chemie gibt Bayer jene steigenden Gewinnbeiträge aus der Hand, die Lanxess in dem jüngsten Chemikalien- und Kunststoffboom künftig erzielen dürfte. Zudem wechselt Bayer in das Fahrwasser der Life-Science- und Pharmagruppen, an die viel höhere Renditeanforderungen gestellt werden als an integrierte Chemiekonzerne.

Zwar hat der Konzern die Analysten mit guten Quartalszahlen überrascht. Das veranlasste sogar Goldman Sachs, die Gewinnprognose für Bayers Jahresabschluss um ein Fünftel anzuheben. Besonders imponiert hat der Investmentbank Bayers Pharmageschäft: Trotz Konkurrenzdruck nach Patentablauf beim Bazillen killenden Kassenschlager "Cipro" habe sich das Geschäft besser entwickelt als gedacht. Aber beim Bankhaus Sal. Oppenheim hatte Analyst Ludger Mues schon früh einen Verdacht, warum es bei Pharma so gut lief. Bayer hatte die Forschungsausgaben gekappt, wie der Konzern vor Analysten nach der Ergebnisvorlage zugab. Schon 2003 hatte Bayer-Chef Werner Wenning die Pharmaforscher ermahnt, aus ihren Budgets mehr Kassenschlager zu machen - nun hat er das Messer angesetzt.

Es wird nicht bei diesen Schnitten bleiben, von denen die Aktionäre zunächst durch höhere Gewinnausweise profitieren dürften. Wenning will die Gesundheitssparte bis 2006 auf 17 Prozent Umsatzmarge bringen. Gemessen an den Zielen für das Kunststoff- und Pflanzenschutzgeschäft, 18 Prozent und 25 Prozent, scheint das durchaus erreichbar. Doch wird Bayer dafür das Pharmageschäft, das die Anleger trotz seines geringen Gewichts als Kernstück des Konzerns sehen, geradezu umpflügen. "Es kursieren Gerüchte, dass Bayer seine Pharmaforschung auf die Felder Krebs und Herz-Kreislauf einengen möchte", schreibt die Analystin Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland Pfalz. Also die Felder, in denen Bayer Pharma stark ist: 2006 soll "Raf Kinase" gegen Krebs marktreif sein, 2008 dann das Thrombosemittel "Faktor Xa".

Seite 1:

Bayer-Aktie bietet mittelfristig Chancen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%