Analysten monieren Gewinneinbußen – Mobilfunktochter kämpft gegen Marktsättigung an
Telefónica verliert seinen Glanz

Der spanische Telekom- Konzern Telefónica trifft bei Analysten zunehmend auf Vorbehalte. Das Ausbleiben des erhofften Mobilfunkbooms durch die Übertragungstechnik UMTS, die Marktsättigung sowie die wachsende Abneigung gegen die Monopolstellung machen Telefónica das Leben schwer.

MADRID. Schon lange ist die Aktie kein Wachstumstitel mehr. Zwar hatten die Titel im vergangenen Jahr wieder leicht zugelegt, aber allein im August brachen sie um bis zu acht Prozent ein. In den vergangenen war für Anleger nicht viel zu holen. Damit unterscheidet sich die Börsenentwicklung des größten spanischen Anbieters für Telefondienstleistungen nicht wesentlich von der andere europäischer Wettbewerber. Jedoch hatte Telefónica, als die Konkurrenten auf der Verlierer-Seite waren, wegen seines vergleichsweise geringen Schuldenstandes bei den Analysten immer noch hoch im Kurs gestanden.

Das hat sich geändert. Deutsche Telekom und Co. haben wieder aufgeholt, während die Gewinne der Spanier nicht mehr wie gewohnt fließen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres ging der Nettogewinn um zwölf Prozent auf 1,25 Milliarden Euro zurück. Inzwischen sehen viele Analysten zwar noch Potenzial bei der Aktie, aber immer mehr internationale Broker wie Goldman Sachs und Commerzbank Securities beurteilen den Titel nur noch mit „halten“. Ein „Kauf“ ist er meist nur noch für die nationalen Broker wie zum Beispiel die in Madrid angesiedelten Analysten von Renta 4. Für sie ist der mit 55 Milliarden Euro an der Börse bewertete Blue Chip nach wie vor einer der wenigen internationalen Erfolgsstorys Spaniens.

Glen Chapman, Telekommunikationsanalyst des Madrider Broker Ibersecurities, kann jedoch nicht abstreiten, dass die Wachstumsmöglichkeiten für Telefónica nicht mehr so groß sind wie noch vor ein paar Jahren: „Wir erwarten, dass der Rückgang bei den Einnahmen vor allem aus der Mobilfunksparte kommt.“ Im ersten Halbjahr hatte die 92-prozentige Tochter Telefónica Móviles, an der Börse mit 35,7 Milliarden Euro bewertet, zwar noch einen Gewinnzuwachs von 14 Prozent auf 889 Millionen Euro erreichen können. Aber Spanien, immer noch der wichtigste Markt für Telefónica, sei weitgehend mit Handys gesättigt, und der UMTS-Boom in Europa lasse auf sich warten, sagt der Analyst.

Zudem ist zu beobachten, dass viele Spanier, die bisher oft mehrere Handys für den privaten und beruflichen Gebrauch besessen hatten, inzwischen ihre Verträge kündigen. Das ist auch ein Grund, warum Ibersecurities Telefónica zwar zum Kauf empfiehlt, Werte wie Portugal Telecom oder Telecom Italia aber vorzieht, da in diesen Märkten noch Wachstum und Kurssteigerungen möglich seien. Für Telefónica hat Chapman für die kommenden zwölf Monaten ein Kursziel von rund 13 Euro gesetzt. Etwas optimistischer sind seine Aussichten für Telefónica Móviles; der Titel notiert derzeit leicht über acht Euro: „Mein Kursziel für die kommenden zwölf Monate liegt bei 9,50 Euro.“

Goldman Sachs schraubte seine Gewinn-Prognose (Ebitda) für Telefónica zurück. Die Analysten senkten ihren Vorhersagewert um 2,6 Prozent auf 13,17 Milliarden Euro. Grund: Es werden weniger Einnahmen aus dem Mobilfunk- sowie aus dem Festnetzgeschäft in Lateinamerika erwartet. Credit Suisse First Boston (CSFB) stufte die Aktie auf „underperform“ (unterdurchschnittlich) herunter, da der Gewinnbringer Telefónica Móviles in Spanien zunehmend Konkurrenz von Vodafone und dem spanischen Anbieter Amena bekomme. Zudem rechnen die Analysten damit, dass das Joint Venture mit Portugal Telecom in dem wichtigen Markt Brasilien noch lange brauchen wird, um wirklich rentabel zu werden.

Was spanische Privatanleger zunehmend abschreckt, ist die Tatsache, dass das Unternehmen sechs Jahre nach der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes immer noch monopolistisch auftritt. Vor wenigen Wochen hat die nationale Wettbewerbsbehörde daraus Konsequenzen gezogen und dem Unternehmen eine Strafe von 57 Millionen Euro aufgebrummt. Begründung: Telefónica versuche im Festnetzgeschäft, die Kunden mit illegalen Praktiken vom Wechsel zu einem anderen Anbieter abzuhalten. Auch deutsche Telefondienstleister wie Telegate hatten sich darüber mehrfach beschwert. Peru will Telefónica wegen unlauteren Wettbewerbs so-gar die Verlängerung der Lizenz verweigern, worauf das spanischen Unternehmen angekündigt hat, die Investitionen dort um 60 Prozent zu reduzieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%