Analysten raten zum Ausstieg
Endesa droht der Kurssturz

Dem 18-monatigen Höhenflug der Endesa-Aktie könnte bald der Absturz folgen. Zwar stieg der Kurs des spanischen Versorgers während der seither andauernden Übernahmeschlacht von 18 auf über 38 Euro. Das könnte sich jedoch schnell ändern, glauben Analysten, wenn sich der Bieter Eon vor oder nach Ablauf der Angebotsfrist am 29. März zurückzieht.

MADRID. Zwar haben die Deutschen das bisher mit aller Vehemenz verneint. Aber selbst, wenn Eon mit einer Minderheitsbeteiligung eine zeitlang bei Endesa verweilen sollte, fürchten spanischen Kleinaktionärsverbände, dass der momentan mit knapp 41 Mrd. Euro an der Börse bewertete Versorger früher oder später zerschlagen wird. Und rechnen wegen der unsicheren Zukunft mit einem Kurseinbruch.

„Vor dem Einstieg des italienischen Versorgers Enel war die Zukunft von Endesa kalkulierbar, die Deutschen hätten sehr wahrscheinlich die Mehrheit an Endesa bekommen“, sagt Joaquín Ferrer von Accionistas Asociados. Jetzt mit dem spanischen Baukonzern Acciona und Enel im Boot gebe es sehr viele Fragezeichen. Er rechnet damit, dass der Kurs schon wenige Tage nach dem 29. März auf bis zu 32 Euro absackt und rät zum Verkauf.

Das Gleiche macht der spanische Broker Self Trade. „Das Angebot von Eon ist mehr als gut. Die Situation für die Aktie kann nur schlechter werden“, sagt Alicia Jiménez, Analyse-Chefin bei Self Trade. Zwar hat Enel seine knapp 25 Prozent an Endesa für 39 Euro je Aktie gekauft und damit einen leicht höheren Preis bezahlt, als Eon den Aktionären bietet. „Aber das hat nichts damit zu tun, dass dieser Preis wirklich gerechtfertigt ist.“ Es sei zudem sehr unwahrscheinlich, dass die Italiener nach Ablauf der Angebotsfrist von Eon ein noch besseres Übernahmeangebot lancieren werden.

„Theoretisch könnten sie das jedoch“, heißt es bei der spanischen Börsenaufsicht. Es gibt keine Sperrfrist. Theoretisch könne auch Eon ein neues Angebot für Endesa aussprechen. Aber auch das halten die meisten Analysten für sehr unwahrscheinlich. „Die Deutschen werden dann wohl eher versuchen, sich mit einem der großen Aktionäre zu einigen“, sagt Ferrer. Wie verstört der Markt von dem für alle überraschenden Eintritt der Italiener in die Übernahmeschlacht ist, zeigt, dass die Endesa-Aktie vergangene Woche zeitweise deutlich unter dem Eon-Angebot von 38,75 Euro notierte. Zwar ging der Titel leicht nach oben, als Eon bekannt gab, nicht mehr an der Bedingung festhalten zu wollen, dass die Stimmrechtsbeschränkungen aufgehoben werden müssen. Die Börsianer sahen darin ein Zeichen, dass die Deutschen wirklich im Rennen um Endesa bleiben wollen: „Aber es ist doch sehr unklar, wie nachher das Unternehmen mit so verschiedenen großen Aktionären geführt werden soll“, sagt Ferrer. Auch beim spanischen Broker Ibersecurities ist man nach dem steilen Aufstieg sehr kritisch: „Die Aktie ist weniger als 40 Euro wert“, sagt Analyst Jorge González und rät zum Verkauf. Die Tatsache, dass Endesa seinen Aktionären nach Absage der außerordentlichen Hauptversammlung 160 Mill. Euro an Dividenden bezahlt, obwohl die 0,15 Euro je Aktie eigentlich nur als Präsenzprämie gedacht war, hält er für fragwürdig.

Immerhin hat Endesa über 200 Mill. Euro für die Übernahmeschlacht ausgegeben und erst vor kurzem einen Gewinnrückgang vermeldet. Nutznießer dieser Aktion sind Acciona und Enel, die so beide rund 33 Mill. Euro kassieren, ohne die Finger gerührt zu haben. „Das hat fast schon etwas Komisches“, gibt man bei Acciona zu.

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