Analysten raten zum Blick ins europäische Ausland
Deutschen Bankaktien geht die Luft aus

Die Börsen haben es mal wieder vorhergesehen: Die Deutschen Banken verlassen langsam das Tal der Tränen. Die kürzlich veröffentlichten Halbjahreszahlen zeigen einen deutlichen Aufwärtstrend, auch wenn es noch viele Schwachstellen gibt. Denn die positiven Zahlen beruhen zum einen auf dem rigorosen Sparkurs und zum anderen aus dem Kursaufschwung an den Börsen, der sich in sehr starken Handelsergebnissen niederschlägt.

FRANKFURT/M. So legten die Aktien deutscher Banken seit März eine beeindruckende Rally hin. Die Deutsche Bank legte um 65 % zu, die Hypo-Vereinsbank um 128 % und die Commerzbank sogar um 157 %. Teuer und damit sicher vor Übernahmeversuchen sind die Institute aber noch nicht. Die Commerzbank kostet an der Börse 7,4 Mrd. Euro, die Hypo-Vereinsbank 8,25 Mrd. Euro. Zum Vergleich: der amerikanische Finanzriese Citigroup verdiente allein im zweiten Quartal einen unter dem Strich 4,3 Mrd. Dollar und verfügt über eine Marktkapitalisierung von immensen 230 Mrd. Dollar.

Doch wie geht es weiter mit deutschen Bankwerten? Analysten sind skeptisch. „Was wir im ersten Quartal an den Börsen gesehen haben, ist lediglich die Korrektur der Untertreibungen aus dem letzten Jahr“, sagt Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck & Co. Noch deutlicher wird Dieter Hein von Fairesearch: „Raus aus deutschen Bankaktien. Die Anleger sollten sich freuen, dass die so gut gelaufen sind und die Gewinne mitnehmen.“

Für weitere deutliche Kursanstiege sei die Ertragskraft der heimischen Banken immer noch zu schwach. „Die Eigenkapitalrendite der Großbanken liegt lediglich im niedrigen einstelligen Bereich“, sagt Becker. Die Deutsche Bank erwirtschaftete im ersten Halbjahr eine Nachsteuerrendite von 2,4 %, errechnet Hein. Wettbewerber wie die Credit Suisse Group oder die UBS mit jeweils gut 18 %, Merrill Lynch mit über 17 % oder die britische HSBC mit mehr als 13 % seien für Investoren attraktiver. „Die Deutsche Bank hat selbst unter sehr günstigen Rahmenbedingungen nur eine Eigenkapitalrendite erreicht, die nicht einmal der Hälfte der ihrer Wettbewerber entspricht“, kritisiert Hein.

Eine zusätzliche Belastung für die Ertragslage im zweiten Halbjahr ist, dass die Handelsergebnisse, die die Zahlen in den ersten sechs Monaten maßgeblich positiv beeinflusst hatten, im dritten Quartal wegen der Sommerpause traditionell etwas geringer ausfallen. Das trifft nach Ansicht der Experten vor allem die Deutsche Bank, was zu einer sehr skeptischen Einschätzung für Deutschlands größtes Geldhaus führt.

„Die Bank ist zu abhängig von ihrem Anleihegeschäft“, sagt Georg Kanders von WestLB Panmure. Sal. Oppenheim hat die Deutsche kürzlich erst herabgestuft. „Die Entwicklung im Anleihegeschäft kann im dritten und vierten Quartal nicht fortgesetzt werden“, begründet Metehan Sen die Entscheidung.

Von daher empfehlen Analysten den Blick über die Grenzen in das europäische Ausland. „Sehr attraktiv sind zur Zeit die Banken Frankreichs und Spaniens“, sagt Becker. Frankreichs Institute haben weit über den Erwartungen liegende Halbjahreszahlen vorgelegt. Zudem ist der Bankenmarkt weniger stark fragmentiert als der deutsche. Empfohlen werden BNP Paribas und Société Générale. In Spanien haben die Banken ihr größtes Sorgenkind, Lateinamerika, weitest gehend in den Griff bekommen. „Im laufenden Jahr wird es keine nennenswerte Beeinträchtigung der Gewinne durch Abschreibungen für Lateinamerika mehr geben“, erwartet Becker.

Kanders entwickelt zwei Modellportfolios. Für Skeptiker, die nicht so recht an eine konjunkturelle Erholung glauben, packt er solide Banken wie die britische Barclays oder HSBC, eine Banco Popular, die belgische KBC oder die italienische Unicredito zusammen.

Risikofreudigeren Anleger empfiehlt Kanders ein Portfolio aus Banken, die die Restrukturierungsphase noch nicht vollständig abgeschlossen haben wie die Commerzbank oder die Hypo-Vereinsbank, und aus den Schweizer Investmentbanken UBS und Credit Suisse Group.

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