Analysten raten zum Kauf
Siemens-Aktie bekommt Energieschub

Investitionen in alternative Stromerzeugung beflügeln die Siemens-Aktie. Den ersten Schock nach der Katastrophe haben die Anleger verdaut. Analysten sehen Siemens sogar als Profiteur der Atomdebatte.
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DüsseldorfHorror-Nachrichten aus Japan können Siemens-Aktionäre nicht aus der Ruhe bringen. Am zweiten Tag in Folge setzte sich Siemens an die Dax-Spitze. Nach einer Kaufempfehlung durch die Deutsche Bank konnte Siemens seine Gewinne heute weiter ausbauen. Die Siemens-Aktien kletterten um bis zu 2,3 Prozent in die Höhe und kamen auf rund 92,60 Euro. Bereits am Donnerstag hatten die Papiere 4,4 Prozent zugelegt. Innerhalb von drei Tagen stiegen sie damit um mehr als sieben Euro. 

Der Münchener Konzern dürfte von steigenden Investments in alternative Stromerzeugungstechniken profitieren, schreiben die Analysten der Deutschen Bank in einer Studie. Siemens habe das größte Produktportfolio in diesem Bereich. Die Deutsche Bank stufte Siemens angesichts der Katastrophe in Japan von "hold" auf "buy" hoch und hob das Kursziel von 95,00 auf 110,00 Euro an. "Siemens' relative Wettbewerbsposition ist etwa im Gas- und Offshore-Windbereich größer als sie im Nukleargeschäft je geworden wäre", sagt Cheuvreux-Analyst Bernd Laux.

Auch die Experten der Unicredit meinen, Siemens könnte als Anbieter von Gas-Turbinen zu den Profiteuren einer Abschaltung von Kernkraftwerken gehören. Der Konzern dürfte gemeinsam mit dem französischen Wettbewerber Schneider Electric größter Nutznießer der aktuellen Trends zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Reduzierung der Atomenergie sein, schrieb Analyst James Stettler in einer Studie vom Donnerstag. Nachdem die Aktie Anfang der Woche zusammen mit dem Markt gefallen war, rechtfertige die deutlich reduzierte Bewertung eine Hochstufung.

Siemens kann sich außerdem von seinem Ausstieg beim glücklosen Kerntechnik-Gemeinschaftsunternehmen Areva einen Milliardenbetrag erhoffen. Ein unabhängiger Gutachter habe den Wert der Siemens-Anteile an Areva auf 1,62 Milliarden Euro festgelegt, teilte der Konzern am Dienstag in München mit. Siemens hatte im Januar 2009 die Gesellschaftervereinbarung gekündigt und will seinen Anteil von 34 Prozent an den Mehrheitseigner, den französischen Atomkonzern Areva, verkaufen. Dabei profitiert Siemens davon, dass der Stichtag für die Bewertung im Jahr 2009 liegt. Denn die Kraftwerkkatastrophe in Japan hat dem Aktienkurs von Areva in den vergangenen Tagen kräftig zugesetzt.

Experten können allerdings bislang nicht absehen, ob sich Siemens komplett von der Kernenergie verabschiedet. Für Siemens-Chef Peter Löscher war die Kernenergie bislang ein riesiger Zukunftsmarkt. Löscher selbst schweigt bislang zu seiner aktuellen Atomstrategie, die Siemens mit der geplanten Partnerschaft russischen Rosatom neu belebt hat.

Nachdem der Konzern schon 2010 ein Rekordjahr hingelegt hatte, dürfte Siemens 2011 seine Gewinne nach Einschätzung der Analysten um mehr als 50 Prozent steigern. Seit 2009 verzeichnet Siemens einen kontinuierlichen Kursgewinn und konnte seinen Wert fast verdreifachen. Während die Aktien Ende 2008 noch mit 35,50 Euro bewertet wurden, erreichten sie Ende Februar diese Jahres einen Wert von fast 99 Euro und damit den höchsten Stand seit drei Jahren.

 

 

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