Analysten reagieren auf den Gewinneinbruch des französischen Baustoffkonzerns verschnupft
Lafarge enttäuscht die Aktionäre

Seit der französische Baustoffkonzern Lafarge seine Halbjahreszahlen auf den Tisch gelegt hat, ist der Markt ratlos. Mit einem derartigen Einbruch hatten Experten nicht gerechnet. Der weltweit größte Hersteller von Zement verzeichnete einen massiven Gewinnrückgang von knapp 18 Prozent.

PARIS. Vor allem das Deutschlandgeschäft hatte Lafarge die Zahlen vermasselt, hinzu kamen einzelne Problemmärkte in Asien und Südamerika. Die Aktie brach um über sieben Prozent ein und dümpelt seitdem dahin.

Soll man nun übereilt verkaufen oder im Gegenteil gerade jetzt die Chance nutzen, um auf Lafarge-Titel zu setzen? Auch Analysten sind unsicher – kein gutes Zeichen. Manche haben ihre Ratings offiziell gesenkt. Andere wiederum halten ihre Kaufempfehlung zwar bei, haben ihr Kursziel aber heruntergeschraubt. Und einige wenige geben sich vorsichtig optimistisch und wollen die Hoffnung auf eine Wende im zweiten Halbjahr nicht begraben.

Immerhin sieht Konzernchef Bernard Kasriel selbst Lafarge auf dem Weg zu einem „guten Jahr“. Nach wie vor geht er von einem Anstieg des operativen Gewinns in Höhe von sechs bis acht Prozent aus, wenngleich er den Zuwachs nun am unteren Ende der Spanne erwartet.

Für einen Aufschwung im zweiten Halbjahr gibt es nach Einschätzung von Analysten durchaus einige Gründe: Die Experten von Helaba Trust etwa nennen unter anderem die noch immer guten Absatzzahlen. Tatsächlich hat Lafarge in den vergangenen sechs Monaten seinen Umsatz um 6,3 Prozent auf 7,2 Mrd. Euro gesteigert. Auch hat es Lafarge geschafft, in den meisten Märkten die im Zuge der höheren Energiepreise gestiegenen Kosten über Preiserhöhungen erfolgreich an die Kunden weiterzugeben und rechnet für das zweite Halbjahr mit Preissteigerungen, die höhere Kosten mehr als wettmachen. Die Preiserhöhungen seien nachhaltig, kommentiert Erhard Schmitt von Helaba Trust, es drohten keine Absatzeinbußen. „Das ist ein Argument, das zieht“, sagt er.

Probleme hatten die Märkte in Südkorea und Malaysia bereitet, wo bis vor kurzem noch ein starker Preiskampf tobte. Doch inzwischen, so argumentiert Lafarge, hätten sich die Preise dort normalisiert – eine Einschätzung, die Analysten teilen. Sie verweisen darauf, dass Probleme auf Teilmärkten für ein Unternehmen wie Lafarge, das diversifiziert und weltweit präsent ist, „quasi normal“ seien.

In 75 Ländern ist Lafarge vertreten und beschäftigt weltweit 77 000 Mitarbeiter. Neben Zement – in dem Geschäft ist Lafarge Marktführer – stellt das Unternehmen auch Beton, Gips sowie Dachbaustoffe her. Genau der letzte Geschäftsbereich aber ist es, der Sorge bereitet. Im Segment Dachziegel und -steine brach der operative Gewinn um 64 Prozent ein. Das lag in erster Linie am Kernmarkt Deutschland. Dort geht es der Baubranche seit Jahren schlecht, die Wende ist bisher ausgeblieben. Allein in Deutschland beschäftigt Lafarge 3800 Mitarbeiter. Unter anderem gehört Braas zum Unternehmen, der deutsche Marktführer im Dachziegelgeschäft.

Obwohl auch bei Braas Umstrukturierungsprogramme laufen, ist es dem Lafarge-Konzern nicht gelungen, den Bereich Dachbaustoffe in den Griff zu bekommen. Das hat den Markt völlig unerwartet getroffen und Experten bitter enttäuscht. Offenbar hatte das niemand in diesem Ausmaß vorhergesehen. Problematisch ist dies insofern, als sich der deutsche Markt im zweiten Halbjahr kaum erholen wird. Von Deutschland dürfte daher wohl nicht der nötige Impuls kommen, um das Geschäft mit Dachbaustoffen wieder in Fahrt zu bringen.

Die von Lafarge ausgegebene Überschussprognose für das laufende Jahr darf daher als ehrgeizig betrachtet werden, zumal der Konzern – angesichts des zweistelligen Einbruchs im ersten Halbjahr – den Gewinn in der zweiten Jahreshälfte um mindestens 15 Prozent steigern müsste, um auf das versprochene Jahresmittel zu kommen. Optimisten dürfte das kaum schrecken, sie setzen darauf, dass das Zementgeschäft bei Lafarge bald anzieht. Alle anderen sollten mit Investments lieber warten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%