Analysten rechnen dennoch für 2004 mit zweistelligem Wachstum bei Umsatz und Gewinn
Gesundheitsreform bereitet Stada-Aktionären Kopfweh

Zweistellige Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn – so wird es auch morgen wieder sein, wenn der Generikahersteller Stada seine Zahlen für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres vorlegt. Allein der Aktienkurs des im M-Dax gelisteten Unternehmens, Deutschlands Nummer drei auf dem Markt für preiswerte Nachahmerarznei, scheint immun gegen gute Nachrichten zu sein.

DÜSSELDORF. Dabei gehörte die Stada-Aktie mit einem Kursplus von 25 % im vergangenen Jahr noch zu den Überfliegern unter den M-Dax-Werten. Doch seit Monaten lähmt die Gesundheitsreform die Kursbewegung nach oben. Zudem kämpft die Aktie noch mit den Nachwehen einer kräftigen Kapitalerhöhung aus dem vergangenen Herbst. „Die Stimmung ist einfach schlecht für die Stada-Aktie“, sagt Hanns Frohnmeyer, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Unterm Strich dürften die geplanten Einschnitte in der Gesundheitsreform für Stada jedoch kaum einen Einfluss haben. Denn die Erhöhung der Zwangsrabatte trifft nur rund 20 % der Generika-Umsätze. Und die machen auch nur 74 % der Gesamterlöse aus, wovon Stada wiederum nur die Hälfte in Deutschland erzielt. Stada selbst beziffert die Einbußen aus den Zwangsrabatten auf 14 bis 15 Mill. Euro im Gesamtjahr. „Da sich ab 2005 die Höhe dieser Zwangsrabatte von 16 % auf 6 % reduziere, fallen die Verluste nur vorübergehend an“, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

In den ersten zwei Monaten dieses Jahres lagen die Umsätze trotz der Gesundheitsreform 10 % über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum, obwohl das zum 1. Januar 2004 in Kraft getretene Modernisierungsgesetz der Gesetzlichen Krankenversicherung zu Vorzieheffekten zum Jahresende 2003 geführt habe, sagt Christian Orquera, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. Die meisten Praxen klagten wegen der Praxispauschale von 10 Euro über Patientenflucht, weil die meisten Kranken schon im vierten Quartal 2003 beim Arzt waren. Im März sollte sich das Geschäft deshalb normalisiert haben. Das belegt auch eine Umfrage des Branchenverbandes für Pharmazeutische Industrie (BPI), wonach die Umsätze der Apotheker im März durchschnittlich um 20 % gestiegen seien. Und „mit den traditionell guten Kontakten zu Ärzten und Apothekern – der Berufsstand hält schließlich 20 % der Stada-Anteile – hat Stada sicherlich davon profitiert“, glaubt Hans-Peter Ewert, Analyst bei der SEB.

Deshalb dürften die Zahlen sogar über den Konsensschätzungen der Analysten liegen, die einen Umsatz von 201,2 Mill. Euro, ein Plus von 10 %, und einen Nettogewinn von 14,4 Mill. Euro, ein Plus 16 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum, erwarten.

Bis zum Ende des Jahres rechnen die Analysten mit einem Umsatz von durchschnittlich 850 Mill. Euro. Und im Jahr 2005, wenn eine Reihe von Patenten ausläuft, dürfte Stada in Richtung Milliarden-umsatz-Grenze marschieren, schätzt LBBW-Analyst Frohnmeyer. Dabei setzt Stada auch weiterhin auf die bewährte Strategie, mit kleineren Akquisitionen Vertrieb und Forschung zu stärken. Aus der 273 Mill. Euro schweren Kapitalerhöhung hat Stada noch rund 140 Mill. Euro für Zukäufe in der Kriegskasse. Vor allem in den USA soll der Vertrieb verstärkt werden.

Und letztlich galt der Patentkopierer auch selbst immer wieder als Objekt der Begierde: „Stada hat eine gesunde Bilanz, wächst zweistellig, ist profitabel und hat einen hohen Streubesitz“, sagt Alexander Groschke, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz, „für Unternehmen, die in Deutschland, dem größten Generikamarkt Europas, aktiv werden wollen, ein interessantes Unternehmen“. Stada sei der einzige Übernahmekandidat unter den deutschen Generikaherstellern, weil Ratiopharm und Hexal noch in Familienhand sind und deshalb nicht so einfach zu übernehmen seien. Als mögliche Käufer sieht Groschke den Schweizer Pharmakonzern Novartis oder den weltweit größten Generikahersteller Tevis aus Israel. Beide könnten dem lahmenden Stada-Kurs auf die Sprünge helfen.

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