Analysten: Risikoprämie ist gestiegen – Operatives Geschäft birgt wenig Potenzial
Querelen bei MG Technologies verunsichern Investoren

Anleger und Analysten scheinen es gar nicht zu mögen, wenn sich Vorstand und Aufsichtsrat nicht vertragen. Über 18 Prozent ging es mit dem Aktienkurs von MG Technologies in den vergangenen zwei Monaten nach unten.

DÜSSELDORF. Und das nur wegen der Querelen zwischen Aufsichtsrat und Großaktionär Otto Happel und Vorstand Udo Stark, der von Happel geschasst wurde, und den seit dieser Woche der Schweizer Jürg Oleas ersetzt. Mit einem Kursverlust von rund 30 Prozent seit Februar liegt die im MDax gelistete Aktie auf Platz 43 unter den 50 größten deutschen Nebenwerten.

Votierten vor dem Streit in der Führungsetage noch zwölf Analysten für den Kauf der MG-Aktie, sind es derzeit nur noch sechs. Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt stuften die Anteilsscheine von „Kaufen“ auf „Reduzieren“ herab und senkten ihr Kursziel auf 8,90 Euro. Helaba Trust bewertet das Kurspotenzial der MG nur noch mit „Halten“ und auch die Analysten von M.M. Warburg sind der Meinung, dass der Kurs durch die Streitereien belastet werde und empfehlen Anlegern, die Aktie allenfalls noch zu „Halten“.

„Die Risikoprämie für die Aktie ist nachhaltig gestiegen", sagt Erhard Schmitt, Analyst beim Helaba Trust. Denn Personalquerelen weckten bei den Anlegern schlechte Erinnerungen an den Kursverfall im Zuge des Streits von Happel mit dem früheren Vorstand Karl-Josef Neukirchen. Zwar „ist Happel alles andere als schädlich für MG, wenn aber ein ausgeprägter persönlicher Konflikt schon zum zweiten Mal bei MG ausgetragen wird, dann verunsichert das natürlich die Investoren“, sagt Susanne Schwartze, Analystin bei M.M. Warburg.

Und diese Verunsicherung dürfte solange anhalten, bis es wieder positive Nachrichten bei MG zu vermelden gibt. „Gelegenheit dazu hat das Unternehmen kommenden Dienstag, wenn es über das Geschäft im dritten Quartal berichtet“, sagt HSBC-Analyst Richard Schramm. Er rechnet mit einem leichten Umsatzplus auf 1,03 Mrd. Euro und einem Gewinn von neun Mill. Euro. „Im ersten Halbjahr verlief das operative Geschäft allerdings längst nicht zufrieden stellend“, sagt Schwartze. Auf Sicht des Gesamtjahres seien bei einem erwarteten Umsatz von 4,2 Mrd. Euro 40 bis 60 Mill. Euro Gewinn einfach zu wenig. Auf Basis dieser Zahlen errechnet sich für MG eine magere Ebitda- Marge von 0,6 Prozent, und die Eigenkapitalrendite ist mit minus 0,9 Prozent sogar negativ. Und ob das Unternehmen seine hoch gesteckten Erwartungen einer Umsatzrendite von fünf Prozent im Jahr 2005 erreichen kann, sei allein schon wegen der konjunkturellen Schwäche zweifelhaft, sagt Analyst Schmitt.

Hinzu komme, dass der schwache Dollar das MG-Ergebnis belaste. Einzig das Plus von 20 Prozent bei den Auftragseingängen im Kerngeschäft Maschinen- und Großanlagenbau bietet eine gewisse Stütze, zumal die Monatsstatistik des Branchenverbandes VDMA für das dritte Quartal ähnliche Daten in Aussicht stellt. Schmitt befürchtet jedoch, dass es sich dabei auch um einen Basiseffekt nach dem Investitionsstau im vergangenen Jahr handelt. Positive Auswirkungen für das Geschäftsjahr 2005 darüber hinaus sieht Schmitt daher nicht. Und auch das angelaufene Aktienrückkaufprogramm und eine Dividende in Höhe von sieben bis acht Cent beflügeln den Aktienkurs nicht. „Beide Maßnahmen stützen immerhin den Kurs“, sagt Schmitt.

Um Investoren zum Kauf der MG-Aktie zu bewegen, müsste MG schon auf Akquisitionskurs gehen, sagte Analystin Schwartze. Liquidität habe das Unternehmen genug, spätestens, wenn im dritten Quartal der Verkauferlös über 1,8 Mrd. Euro für die Chemiesparte Dynamit Nobel verbucht wird.

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