Analysten schätzen die hohe Liquidität
Gamesa hat keine Angst vor der Flaute

Der Chef des baskischen Luftfahrtzulieferers und Windkraftanlagenbauers Gamesa, Iñaki López, ist von seiner Strategie so überzeugt, dass er in Deutschland expandieren will – trotz der Flaute am hiesigen Markt.

HB MADRID. „Wir wollen hier in fünf Jahren auf eine Marktquote von 15 Prozent kommen“, sagt López. Das ist genau der Anteil, den die Grupo Auxiliar Metalúrgico S. A. (Gamesa) auch weltweit beim Verkauf von Windkraftanlagen hält. Derzeit ist Gamesa auf dem deutschen Markt kaum präsent.

Bei anderen Unternehmenschefs würden solche Äußerungen vielleicht als Größenwahn abgetan. Aber dem ruhigen 52-jährigen Industrieingenieur vertrauen die meisten Börsianer. „Das Unternehmen weist seit 2001 eine klare Wachstumsstrategie auf“, sagt Aránzazu Piñeiro, Analystin beim Broker Ahorro Coperación. López habe das ursprünglich auf Flugzeugteile spezialisierte Unternehmen rechtzeitig in die boomende Windbranche gesteuert. Dies gilt als Grund, warum die Gamesa-Aktie mit einem Kursgewinn von 67 % im vergangenen Jahr drittbester Wert des Madrider Börsenbarometers Ibex 35 war. In diesem Jahr legte der Titel bereits um die 40 % auf rund 33 Euro zu.

Für David Cabeza vom spanischen Broker Renta 4 geht die Ten-denz weiter nach oben, wenn auch nicht mehr so schnell: „Der Heimatmarkt Spanien, wo Gamesa 70 % der Branche kontrolliert, ist weitgehend gesättigt. Wir halten jedoch das Ziel des Unternehmens, weltweit die Nummer eins der Branche werden, langfristig für durchaus realistisch“, sagt Cabeza. Auch der Luxemburger Broker Safei ist von López überzeugt und sieht den Kurs der Aktie in den kommenden zwölf Monaten bei 39,60 Euro.

Kampf um Platz eins

Derzeit steht Gamesa, das wie kaum ein anderes spanisches Unternehmen international vertreten ist, im Branchenranking nach Umsatz an dritter Stelle. Marktführer ist das dänische Unternehmen Vestas, das gerade mit dem heimischen Konkurrenten Neg Micon fusioniert hat. Danach kommt auf Platz zwei mit großem Abstand der deutsche Windturbinenhersteller Enercon.

Als großen Vorteil Gamesas beim Kampf um Platz eins gilt in der Branche die deutlich höhere Liquidität als die Konkurrenz. Grund dafür ist, dass López nicht nur Turbinen baut, sondern seit 1995, was für die Branche unüblich ist, auch Windparks entwickelt. Gamesa kann sich diese Strategie leisten, weil das Unternehmen als Lieferant für die Flugzeugindustrie bereits über technisches Know-how und die entsprechenden Fertigungskapazitäten verfügt. Die Investitionen sind damit wesentlich geringer als bei vielen Wettbewerbern. Daher konnte Gamesa in den vergangenen Jahren tüchtig zukaufen konnten. Die gesunde Finanzlage erlaubt es dem Unternehmen zudem, seine Anlagen bis zu 20 % billiger anzubieten als der Branchendurchschnitt. Trotzdem ist das Unternehmen hoch profitabel. 2004 will Gamesa den Gewinn um 15 % auf 230 Mill. Euro steigern. Der Umsatz soll bis 2010 jährlich um 20 % wachsen.

Und damit kommt wieder Deutschland ins Spiel, neben den USA und China einer der Kernmärkte. 2003 kaufte López für 5 Mill. Euro den Oldenburger Windparkentwickler EBV Management Holding. Nun ist auch der angeschlagene und zum Verkauf stehendene deutsche Anlagenhersteller Nordex als Übernahmekandidat im Gespräch. Zwar verneinen beide Unternehmen derzeit Verhandlungen, aber nach der Fusion von Vestas und Neg Micon muss López nachlegen, wenn er wirklich die Nummer eins werden will.

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