Analysten schätzen starke Position
Conti-Aktie erreicht Rekordniveau

Bei den derzeitigen Temperaturen ist es schwer, an Frost und Schnee zu denken. Doch gerade der nächste Winter könnte das Geschäft des Reifenherstellers Continental deutlich beleben. Denn wenn im Herbst die geplante Winterreifenpflicht bei schlechtem Wetter in Deutschland eingeführt wird, muss die Hälfte der Autofahrer hierzulande nachrüsten.

DÜSSELDORF. In Europa ist Continental mit 15,7 Mill. verkauften Winterreifen bereits Marktführer. Weltweit setzt das Unternehmen über 100 Mill. Reifen ab. Continental werde als Marktführer den vollen Nutzen einer Winterreifenpflicht ernten. Zu diesem Schluss kommt die Bank Société Générale (SG) in einer Analyse. Sie empfiehlt die Aktie zum Kauf – wie die meisten anderen Analysten. Für die nächsten zwölf Monate kalkulieren Fachleute ein Potenzial von mindestens 14 Prozent ein, obwohl die Aktie bereits massiv zugelegt hat.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch auf dem US-Markt dürfte es für Continental langfristig aufwärts gehen, schätzt die SG. Bislang macht der Reifenhersteller dort Verluste. Für 2005 wird noch mit einem Defizit zwischen 70 Mill. und 150 Mill. Euro gerechnet. „2006 dürfte Continental aber die Gewinnschwelle erreichen“, sagt Rolf Woller, Analyst der Hypo-Vereinsbank. Bis dahin werde 50 Prozent der dortigen Produktion in Niedriglohnländern stattfinden - „eine Quote die in Europa längst erreicht ist“.

Dafür, dass bei Continental weiterhin steigende Wachstumsraten zu erwarten sind, spricht auch, dass der Reifenhersteller sein Geschäft mit den Fahrzeugherstellern kontinuierlich ausbaut. 2004 hat das Unternehmen seinen Anteil an der Erstausstattung von PKW um zwölf Prozent gesteigert, im ersten Halbjahr 2005 kamen weitere fünf Prozent dazu. Die Autofahrer dürften dann der Marke treu bleiben und das margenstärkere Geschäft über den Reifenhandel ankurbeln. „Das wird sich positiv auf das Ersatzgeschäft auswirken“, sagt Alexander Neuberger, Analyst der CA Cheuvreux. Er rät zum Kauf der Aktie und erwartet einen Kurs von 75 Euro.

Stefan Bauknecht, Fondsmanager der DWS traut der Aktie ebenfalls eine überdurchschnittliche Kursentwicklung zu. Er sieht Continental gegenüber dessen Wettbewerbern im Vorteil, weil das Unternehmen nicht nur auf das Geschäft mit Reifen setzt, sondern noch in zwei weiteren profitablen Geschäftsfeldern tätig ist. Dazu gehört zum Beispiel die Produktion von Antriebs- und Luftfedersystemen sowie von Bremssystemen und dem Elektronischen Stabilisierungsprogramm (ESP). In den USA waren im letzten Jahr nur rund zehn Prozent der Neuwagen mit ESP ausgerüstet. Die Quote steigt jedoch rasant, und dementsprechend gehen auch die Verkaufszahlen bei Continental nach oben. „ESP ist der Wachstumstreiber“, urteilt Bauknecht.

Konzentration auf hochpreisige Produkte

Der Aktienkurs von Conti ging zwischen Ende 2003 und Mitte 2005 steil bergauf. Während der Dax in dem Zeitraum lediglich 5,5 Prozent zulegte, gewann Continental knapp 90 Prozent und stand am Mittwoch bei 64 Euro. Conti ist derzeit so teuer wie nie zuvor, im Prinzip aber immer noch günstig. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2005 liegt bei 11,45. Robert Heberger, Analyst bei Merck Finck & Co. empfiehlt die Aktie deshalb zum Kauf. „Mit dem Kurs steigt derzeit auch das operative Ergebnis. Das spricht für den Wert. Nach oben ist noch Luft“, sagt der Analyst. Das Kursziel sieht er bei 72 Euro.

Rolf Woller, Analyst der Hypo-Vereinsbank ist weitaus optimistischer und rechnet mit 80 Euro. Derzeit gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass Gewinnwachstum oder Kurszuwachs bedroht seien. Selbst „der steigende Ölpreis und ein damit einhergehender Konsumrückgang dürfte Continental kaum belasten. Das Unternehmen konzentriert sich auf hochpreisige Produkte, die davon traditionell weniger betroffen sind“, sagt Woller. Zudem ist Continental in der komfortablen Lage, Kostensteigerung an die Kunden weiterzugeben.

Auch Analyst Bauknecht geht davon aus, dass es mit Continental weiter bergauf geht, allerdings nicht mehr so stark wie in den letzten drei Jahren. „Dafür müsste Conti sein Volumen merklich steigern. Voraussetzung dafür wäre aber, dass es an den Automobilmärkten wieder bergauf geht und das ist in den nächsten zwei Jahren nicht zu erwarten“, sagt er.

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