Analysten schließen weitere Korrektur nicht aus
Dax-Ausblick: Unsichere Zeiten

In der abgelaufenen Woche hat der Deutsche Aktienindex (Dax) die psychologisch wichtige Marke von 5000 Punkten nicht verteidigt und rund ein Prozent an Wert verloren. In der Analysten-Gemeinde ist man sich nun unschlüssig, wohin die weitere Entwicklung geht.

HB FRANKFURT. Nachdem der Dax wieder unter der Marke von 5.000 Punkten notiert, schließen Pessimisten unter den Marktteilnehmern eine deutlichere Korrektur des Index in den kommenden Tagen nicht mehr aus. Zwar liegt die untere Grenze des mittelfristigen Aufwärtstrends bei rund 4.600 Punkten noch in der Ferne, aber die angespannte Lage an den US-Börsen, die sich bereits seit Jahresbeginn wesentlich schwächer entwickeln als ihre europäischen Pendants, lässt nach Ansicht der Vorsichtigen eine baldige Wiederaufnahme der Aufwärtsbewegung als eher unwahrscheinlich erscheinen. Behalten sie Recht, scheint der Oktober seiner Reputation als Baissemonat einmal mehr gerecht zu werden.

Nicht nur die schwachen US-Vorgaben führen Marktbeobachter als Grund für die jüngsten Abgaben an. Sie sehen vielmehr auch fundamentale Ursachen für den Kursrutsch von knapp 200 Punkten. Die Experten der Bankgesellschaft Berlin weisen auf die gewachsenen Zinsunsicherheiten, die durch höhere Inflationsraten hervorgerufen worden sind, hin. Die Konjunktur in der Eurozone stehe mittlerweile auf festeren Füßen; die Wirtschaftdaten deuteten auf eine Wachstumsbeschleunigung hin. Dies beeinflusst indes Preise und Zinsen.

Experten haben Inflationssorgen

Zudem gehe von den Energiepreisen und insbesondere vom Anstieg des Öls ein erheblicher Preisdruck aus, merken die Bankexperten an. Nicht ohne Grund liege die Inflationsrate in Deutschand mit 2,5 Prozent auf dem höchsten Stand seit Frühjahr 2001. In Verbindung mit dem hohen Geldmengenwachstum habe sich die Situation verschärft, so dass die EZB den Tonfall erkennbar verschärfen musste. Daher dürften die Spekulationen über Zeitpunkt und Ausmaß einer Zinsanhebung die Märkte noch länger in Aufregung halten. Hinzu komme, dass sich in den USA der Zinserhöhungszyklus wohl zunächst ungebremst fortsetzen werde. Auch hier sei das Thema Inflation von erhöhter Relevanz.

Andererseits gibt es nach Ansicht der Experten aber keinen Grund, die Waffen zu strecken. Gegen eine Trendwende spreche weiterhin die günstige Bewertung gerade der deutschen Aktien. Dies dürfte durch die anlaufende Berichtssaison einmal mehr unterstrichen werden. Auch der schwache Euro, der durch den Zinsspread gegenüber den USA in Zaum gehalten werde, ist nach Ansicht von Händlern eine Stütze für den Markt.

Hoffen auf die Unternehmen

Zum Auftakt der Dax-Berichtssaison in der kommenden Woche rechnen andere Aktienstrategen mit einer Stabilisierung des zuletzt gefallenen deutschen Leitindexes.

"Der Dax hat in der kommenden Woche eine Chance auf eine Stabilisierung", prognostiziert Markus Reinwand, Marktstratege bei der Helaba. "Der Markt dürfte wieder einen Anlauf auf die 5.000-Punkte-Marke nehmen." Allerdings äußert er sich skeptisch, ob der Index das Ziel erreicht. Auch Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Fondsgesellschaft Dit, rechnet zunächst nicht mit weiteren Kursverlusten. "Der Dax dürfte sich um 5000 Punkte etablieren", sagt er.

Börsianer hoffen darauf, dass die Quartalsergebnisse aus den USA und Europa frischen Wind in den Aktienmarkt bringen werden. Frank Schallenberger, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg, ist noch optimistischer: "Die ab nächster Woche einsetzende Berichtssaison zum dritten Quartal könnte den kurzfristigen Abwärtstrend bei den Aktien brechen." Seit Anfang 2004 hätten die Quartalszahlen der größeren Firmen durchaus überzeugt. Sein Kollege Reinwand ist etwas skeptischer. "Die Erwartungen des Marktes sind sehr hoch, und es dürfte schwer fallen, positiv zu überraschen", sagt er.

Charttechniker sehen Dax vor Scheideweg

Die Thesen der Fundamentalisten werden von den Technikern weitestgehend geteilt. Der Blick der "Kurvendeuter" ruht auf der seit April gültigen Aufwärtstrendlinie im Bereich von 4.920/30 Punkten. Hier entscheide sich die weitere Entwicklung auf der kurzfristigen Zeitachse. Ein Fall unter diese Marke könnte einen raschen Rückgang in Richtung der nächsten Unterstützung bei 4.830 Punkten nach sich ziehen. Sollte die Stellung gehalten werden, könnten hingegen die Bullen Morgenluft schnuppern und zur Offensive übergehen. Die laufende Korrektur wäre damit nichts weiter als eine Konsolidierung im Aufwärtstrend gewesen.

Unternehmen geben Impulse

Mit der angebrochenen Berichtssaison rücken auch die Quartalszahlen wieder verstärkt in den Blick. Aus den USA schwappt eine Welle an Zahlen über die Märkte und auch aus Europa steht schon der eine oder andere Bericht auf der Tagesordnung, während in den deutschen Unternehmen noch gerechnet wird.

Gleich am Montag geht es los mit Citigroup, Philips und dem Halbleiterausrüster Novellus. Vor allem der weltgrößte Autokonzern General Motors, dessen Aktien im Sog der Insolvenz des Zulieferers Delphi zuletzt deutlich unter Druck geraten waren, dürfte Interesse wecken. Der Konzern legt ebenfalls am Montag Zahlen vor.

Am Dienstag folgen DuPont, Novartis und Amazon. Auf die deutschen Technologiewerte könnten sich die Quartalszahlen des Chipherstellers Intel auswirken.

Der Mittwoch ist Boeing, Danone, Roche und Rio Tinto vorbehalten, während am Donnerstag Ford, Microsoft, Nestle, Pfizer und SAP den Analysten Stoff zur Diskussion liefern. Analysten rechen damit, dass der Walldorfer Konzern die wichtigen Lizenzumsätze im dritten Quartal um zwölf Prozent gesteigert hat. In Europa dürften die Anleger an diesem Tag mit Interesse auch auf den Zwischenbericht des Handykonzerns Nokia blicken.

US-Fed-Bericht mit Spannung erwartet

Vor dem Hintergrund aufflammender Inflationsängste dürften die Anleger am Mittwoch mit Spannung auf den Konjunkturbericht der US-Notenbank (Fed), das Beige Book, blicken. Am gleichen Tag stellen die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute ihr Herbstgutachten vor. Bereits am Dienstag präsentiert das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) seinen Konjunkturbericht.

An Konjunkturdaten sind ferner der Empire State Index am Montag und der Philadelphia-Fed- Index am Donnerstag zu nennen.

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