Analysten sehen bei Generika-Wert noch Potenzial nach oben
Übernahmephantasie treibt Stada-Kurs

Je billiger das Produkt, desto teurer die Aktie – das könnte das Motto des deutschen Pharmaunternehmens Stada sein. Angetrieben vom weltweit boomenden Markt für Nachahmer-Medikamente (Generika) hat der Aktienkurs auf Jahressicht eine Rally hingelegt. Vom Tiefststand bei 13,38Euro im August 2004 verdoppelte sich der Kurs auf rund 26Euro.

DÜSSELDORF. Das Geschäft mit Generika macht rund 70Prozent des Umsatzes des im MDax der mittelgroßen Werte gelisteten Unternehmens aus. Weltweit wächst der Markt für die Nachahmer-Präparate stark, weil Patente ablaufen und Politiker die billigen Arzneien fördern. Experten gehen von einem jährlichen Marktwachstum von mindestens zehn Prozent aus. Für Investoren, die auf diesen Markt setzen wollen und ein Engagement außerhalb des Euro-Raums scheuen, ist die Stada-Aktie praktisch alternativlos. Denn seit der Übernahme des deutschen Generikaherstellers Hexal durch Novartis ist Stada das einzige Pharmaunternehmen an den europäischen Aktienmärkten, das fast ausschließlich im Bereich der Nachahmer-Produkte aktiv ist. Neben Generika vertreibt Stada eigene Markenprodukte wie das Grippemittel Grippostad und die Sonnenschutzserie Ladival. Außerdem stellt das Unternehmen aus Bad Vilbel Spezialpharmazeutika her, insbesondere Krebs-Mittel.

Nach Ansicht von Analysten sprechen nicht nur die guten Ergebnisse für weiter steigende Kurse, sondern auch eine mögliche Übernahme durch einen anderen Pharmahersteller. „Der Generikamarkt befindet sich in einer massiven Konsolidierung“, sagt Oliver Reinberg, Analyst der Commerzbank. Für ausländische Unternehmen sei eine Übernahme von Stada die beste Eintrittsmöglichkeit ins deutsche Generika-Geschäft. „Stada ist mit einem Freefloat von 100Prozent ein relativ leichtes Übernahmeziel“, sagt Reinberg. Der Konkurrent Ratiopharm ist nicht an der Börse notiert, Hexal ein Teil von Novartis.

In sein Kursziel von 29Euro für die Aktie hat Reinberg daher eine Prämie von vier Euro für eine mögliche Übernahme eingerechnet. Zwar gibt es keine konkreten Anzeichen, dass eine solche bevorsteht, Stada gilt aber schon länger als Kaufkandidat. Gleichzeitig mischt das Unternehmen selbst bei der Konzentration der Branche mit. Durch Übernahmen kleinerer Wettbewerber wie der russischen Nizhpharm und der portugiesischen Ciclum Farma schraubte Stada den Umsatz in die Höhe und eröffnete sich starke Wettbewerbspositionen in Ost- und Westeuropa.

Aus Sicht der Experten sind aber vor allem die starke Ertragslage und positive Geschäftsaussichten der Motor für weiteres Kurswachstum. Thomas Brenning von Helaba Trust sieht die gesteigerte Ertragsqualität als Pluspunkt für die Aktie. Im ersten Quartal 2005 war die Marge im Kerngeschäft Generika auf 15,5Prozent gestiegen. Der Umsatz legte um 21Prozent auf 245Mill. Euro zu. „Es läuft bestens. Auch für das zweite Quartal ist absehbar, dass die Zahlen gut werden“, sagt Brenning. Allerdings hält er die Gewinnschätzung für das Gesamtjahr für zu niedrig. Vorstandschef Hartmut Retzlaff rechnet für 2005 mit einem Gewinn von 60 Mill. Euro. Die Investmentbank Merrill Lynch geht dagegen davon aus, dass der Gewinn um 34Prozent auf 65Mill.Euro zulegen wird. Sie setzt auf Zwölf-Monats-Sicht ein Kursziel von 30Euro.

Brenning ist beim Kursziel skeptischer. Zwar könnten gute Quartalszahlen den Kurs über das Rekordhoch von 27Euro heben, „darüber wird die Luft mit Blick auf die Bewertung aber dünn“. Stada-Aktien wären dann teurer als die klassischer Pharmaunternehmen mit großer eigener Forschungsabteilung. „Schon jetzt ist im Kurs viel von der starken Wachstumsdynamik vorweg genommen“, sagt er.

Risiken für den Kurs sehen die Analysten vor allem im schwachen US-Geschäft, wo der Umsatz im ersten Quartal um 36Prozent einbrach. Außerdem könnten Verzögerungen bei der Markteinführung neuer Medikamente, etwa des Krebsmittels Reniale, die Gewinn- und Umsatzaussichten schmälern. Dass Stada wie 2004 in einen Preiskampf am Generikamarkt gerät, halten die Experten für unwahrscheinlich.

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