Analysten sehen das größte Kurspotenzial bei kleineren Titeln
Ölaktien sind trotz hoher Ölpreise billig

Die Aktien der Ölgesellschaften schieben sich ins Rampenlicht. Monatelang bewegten sich die Kurse kaum von der Stelle. Selbst gute Quartalsergebnisse und der unverändert hohe Ölpreis konnten den Titeln keinen Schwung geben.

DÜSSELDORF. Doch nun haben die Aktien Boden gut gemacht; daran änderten auch die gestrigen Gewinnmitnahmen nichts. Analysten sind sich aber uneins, ob es zu einer durchgreifenden Erholung kommen wird.

Am Markt wurden die jüngsten Kursausschläge mit den hohen Rohölpreisen erklärt. Allerdings befinden sich die Ölnotierungen nun schon seit Wochen auf relativ hohem Niveau von rund 30 $ pro Barrel. Der erwartete Rutsch unter die 20 $-Marke nach Ende des Irak- Kriegs blieb bislang aus. Entsprechend hätten sich auch die Aktien der Ölgesellschaften eigentlich besser entwickeln müssen. „Die positive Korrelation, die immer zwischen dem Ölpreis und den Aktienkursen bestand, hat seit geraumer Zeit abgenommen“, sagt Harald Feldhoff, Ölanalyst der WGZ Bank. Laut Rolf Elgeti, Chefstratege für Europa bei der Commerzbank in London, gilt diese Verbindung zwischen Rohölpreis und Ölaktien sogar schon seit rund zwei Jahren nicht mehr. In der Regel versucht „der Markt die zukünftige Entwicklung des Ölpreises einzupreisen“, sagt Elgeti. In den letzten zwei Jahren habe dies aber nicht funktioniert, die Markteinschätzungen wurden nicht erfüllt.

Die Kurserholung der Ölaktien, die Elgeti eigentlich schon etwas früher erwartet hat, erklärt er mit „Nachwirkungen der Berichtssaison“ und den „exzellenten Gewinnen“ in der Branche. Zudem seien die Aktien immer noch schlicht zu billig auf dem derzeitigen Niveau. Doch „der Ölsektor ist nicht sehr populär unter den institutionellen Investoren“, sagt Elgeti. Mit der wachsenden Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten rückten aber wieder grundlegende Faktoren wie zum Beispiel die Bewertung in den Vordergrund. Davon profitierten gerade auch Aktien wie die als defensiv geltenden Öltitel.

Ähnliches hat der WGZ-Experte Feldhoff beobachtet. Einige Marktteilnehmer hätten sich nun wieder auf die Öl- und Gaswerte besonnen, insbesondere auf die großen Werte wie BP und Royal Dutch, die „vernachlässigt worden waren“. Und für ihn sind Öl- und Gasaktien „Substanzwerte, die man im Depot haben sollte“. Trotzdem ist er für die Branche insgesamt eher pessimistisch und rät zur Untergewichtung. „Mittelfristig werden wir keine weiteren nennenswerte Kursaufschläge sehen“. Gerade bei den „Großen“ wie BP und Royal Dutch/Shell gebe es nur wenig Spielraum. Bei BP – Feldhoff rät „reduzieren“ – habe unter anderem ein Defizit von 2,1 Mrd. $ im unternehmenseigenen Pensionsfonds negativ überrascht.

Potenzial sieht der WGZ-Analyst dagegen noch bei Unternehmen wie Total, Eni und BG Group. Bei den beiden letztgenannten Werten sei die Wachstumsstory, also die künftige Ergebnisentwicklung noch intakt. Und für Total spreche etwa, dass noch aggressiv Aktien zurückgekauft werden. Eine Einschätzung die auch die Analysten der Credit Suisse First Boston (CSFB) teilen. Sie bewerten die Total-Aktie mit outperform (besser als der Markt). Das Kursziel legt die CSFB auf Zwölf- Monatssicht auf 135 Euro.

Dennis Nacken von Helaba Trust zeigte sich dagegen leicht enttäuscht von den Total-Zahlen für das 2. Quartal. Diese verdeutlichten, „dass der Konzern besonders unter dem schwachen Greenback leidet“, heißt es in einer Analyse. Doch das überproportional hohe Produktionswachstums von 5 % 2003 (Branchendurchschnitt: ca. 3 %) dürfte einen Teil der Entwicklung aufgefangen. Angesichts der moderaten Bewertung wird die Aktie im Branchenvergleich neutral gewichtet.

Elgeti ist weitaus positiver für die Ölbranche insgesamt gestimmt. Er erwartet, dass sich der feste Trend erst einmal fortsetzen wird. Von der Bewertungsseite her sei dies völlig unproblematisch. Helfen könnte den Ölwerten zudem, wenn die Nachfrage in anderen Sektoren auf Grund der Unsicherheit an den Märkten insgesamt etwas nachlasse. Elgeti gefallen besonders die italienische Eni und die spanische Repsol – die Werte zählten zu den billigsten Ölaktien. Repsol profitiere zudem von der Beruhigung an den lateinamerikanischen Märkten. Immer noch günstig und eines der qualitativ hochwertigsten Unternehmen sei auch Royal Dutch. Ein Wert, den auch die ING BHF-Bank zu ihren Favoriten zählt. Etwas skeptischer sieht Elgeti die norwegische Norsk Hydro, würde aber auch hier nicht zum Verkauf raten. Die ING-Analysten, die den Energiesektor insgesamt neutral gewichten, sprechen sich dagegen für einen Verkauf der Chevron-Texaco-Aktien aus.

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