Analysten sehen faires Kursniveau erreicht – TecDax-Unternehmen muss ausgelaufenen Großauftrag ersetzen
Bei der Funkwerk-Aktie ist die Luft raus

Die Aussage hatte nicht lange Bestand: Funkwerk-Vorstandschef Hans Grundner erklärte noch Anfang Januar, die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) werde ihren Anteil an seinem Unternehmen nicht allzu bald verkaufen.

DÜSSELDORF. Diese Aussage hielt jedoch nur drei Wochen. Ende Januar meldete der Investor: Der Anteil von 6,3 Prozent an dem Spezialisten für Funksysteme ist verkauft.

Die beiden Firmen sehen den Verkauf als „normalen Vorgang“. Grundner habe im Januar wohl nur seine Privatmeinung kundgetan, heißt es bei Funkwerk. „Der Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt ist keine Qualitätsaussage über die Firma“, betont die DBAG. Der Anteil sei lediglich zu gering gewesen, um die Geschäftstätigkeit zu beeinflussen. Analysten halten das für plausibel, weil die DBAG für ihren Ausstieg beim Funkwerk-Großaktionär Hörmann KG das Aktienpaket erhalten hatte und ihr Hörmann-Engagement mit dem Geschäft beendet hat.

Die Aktie des im Technologieindex TecDax gelisteten Unternehmens hat auf den Verkauf nicht negativ reagiert. Seit Anfang Februar ist der Titel um einen guten Euro auf zeitweise über 37,50 Euro gestiegen. Die DBAG hatte dafür gesorgt, dass der Markt nicht mit Funkwerk-Aktien überschwemmt wird. Dazu hatte sie die Anteilsscheine nicht über die Börse abgestoßen, sondern über eine Bank an institutionelle Investoren gegeben. Damit hat sich der Streubesitz erhöht.

Die Aktie ist – von einigen zwischenzeitlichen Korrekturen abgesehen – schon seit zwei Jahren auf Aufwärtskurs. „Der Schritt der DBAG ist nachvollziehbar, weil wir jetzt auf einen attraktiven Kursniveau angelangt sind“, sagt Achim Wittmann von der Landesbank Baden-Württemberg. Darüber hinaus sieht er mittelfristig noch Wachstumspotenzial. Daher empfiehlt er die Aktie, die erst seit September 2004 im TecDax vertreten ist, weiter zum Kauf.

Die drei Sparten von Funkwerk haben jedoch unterschiedliche Potenziale. Das Unternehmen vereint die Bereiche Kommunikationssysteme für Unternehmen, für Automobile und für Verkehrssysteme unter einem Dach. Die Unternehmens-Sparte hat die Aufgabe, kleinere Zukäufe in die Unternehmensstruktur einzubauen, weitgehend gelöst. Nach einem stagnierenden Ergebnis könnte sie wieder zulegen. Auch für die Abteilung, die der Automobilindustrie Lösungen wie etwa Freisprecheinrichtungen liefert, sehen Branchenkenner weiteres Wachstum voraus. Die anspruchsvolle Kommunikation wird zunehmend Serienausstattung, heißt es unter Analysten. Dabei könnte es dem Unternehmen gelingen, seine US-Aktivitäten zu einem nennenswerten Beitrag auszubauen.

Anders ist das Bild im Bereich „Traffic & Control Communication“. Dieser stattet unter anderem Eisenbahn-Gesellschaften mit einem GSM-Funksystem aus. „Bei den Auslieferungen für diese Terminals kommt es zu einer zeitweiligen Delle, weil die Deutsche Bahn jetzt voll ausgerüstet ist. Im dritten Quartal 2005 können die Lieferungen nach Frankreich und Belgien allerdings Umsatz und Ergebnis für diese Technik wieder auf ein zufriedenstellendes Niveau bringen“, sagt Hermann Reith von der BHF-Bank. Für Funkwerk könnte die Abkühlung in diesem Bereich drei eher gedämpfte Quartale bedeuten, in denen sich der Kurs vorerst konsolidiert. Einen Einbruch erwarten Beobachter aber nicht. „Die Aktie ist auf einem fairen Niveau angelangt“, sagt ein Analyst. Ändern könnte sich das wieder, falls Funkwerk einen größeren Zukauf bekannt gibt. Die Kassen des Unternehmens sind seit einer Kapitalerhöhung gut gefüllt. „Das Management hat Ende 2004 angedeutet, dass es zielführend an einer neuen Übernahme arbeitet“, sagt Nicolas von Stackelberg, Analyst bei der Bank Sal. Oppenheim.

Er erinnert daran, dass sieben von acht Zukäufen in der Vergangenheit einen Mehrwert für die Funkwerk-Aktionäre gebracht haben. Außerdem läuft eine Ausschreibung der britischen Bahn, bei der das Unternehmen gute Chancen habe. „Funkwerk hat in der Vergangenheit immer dann einen geschickten Haken geschlagen, wenn es so aussah, als sei die Aktie ausgereizt“, sagt von Stackelberg.

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