Analysten sehen für die Aktie nach Kursgewinnen vorerst wenig Potenzial
Hugo Boss umgarnt die Frauen

Was lange währt, wird endlich gut: Nach jahrelangem Anlauf scheint der Modekonzern Boss mit seiner Frauenkleidung endlich auf die Erfolgsspur zu kommen. Die Vorbestellungen für die Frühjahr/Sommer-Kollektion seien bei Boss Woman um 18 Prozent gestiegen, teilte das Unternehmen mit.

DÜSSELDORF. Nach dem deutlichen Umsatzanstieg der Sparte um 35 Prozent im ersten Halbjahr ist dies eine weitere gute Nachricht für Boss. „Das Management hat den Turnaround zweifelsohne geschafft“, lobt Christian Schindler, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Er hält mittelfristig Umsatzsteigerungen von mehr als 20 % bei Boss Woman für realistisch.

Boss versucht seit einiger Zeit, mit der Damenmode ein zweites Standbein aufzubauen. Bisher erzielt das Unternehmen 96 Prozent seiner Umsätze im Herren-Segment. „Der Markt für Damenbekleidung ist weltweit aber mehr als doppelt so groß“, sagt Erik Heinrich, Analyst bei der WGZ-Bank. Dies habe Boss erkannt und sei inzwischen auf dem richtigen Weg, wie die Vorbestellungen für die kommende Kollektion zeigten.

Etwas Sorgen bereiten nach wie vor die anderen Sparten des Konzerns, vor allem die Herren-Mode und die Luxusmarke Baldessarini. Für den Termin Frühjahr/Sommer wurden jeweils rückläufige Aufträge verbucht. Gerade in Deutschland bekam Boss die Zurückhaltung der Konsumenten zu spüren. Während die Vorbestellungen in Asien und auf dem wichtigen nordamerikanischen Markt zunahmen, gingen sie in Deutschland um vier Prozent zurück „Der Textilindustrie geht es weiterhin nicht gut und daran wird sich zumindest kurzfristig nichts ändern“, sagt Heinrich. „Insbesondere in Deutschland ist zu erkennen, dass sich das verbesserte Konsumentenvertrauen noch nicht auf die Textilwirtschaft ausgewirkt hat“, stimmt LRP-Analyst Schindler zu.

Im Vergleich zum Gesamtmarkt schlägt sich Hugo Boss immerhin noch gut. Für 2003 erwartet das Unternehmen einen Umsatz auf Vorjahresniveau, das Nettoergebnis soll um zehn Prozent steigen. Volker Bosse, Analyst der Hypo-Vereinsbank hält dieses Ziel für realistisch. Allein der Wegfall der außerordentlichen Aufwendungen von 17,7 Mill. Euro aus dem Jahr 2002 dürfte zu einem deutlichen Ergebnisanstieg führen, schreibt er in einer Studie. Er setzt zudem auf ein freundlicheres Konsumklima in Deutschland und hat seine Bewertung für die Boss-Aktie daher auf „Neutral“ von „Underperform“ hoch genommen.

WGZ-Analyst Heinrich sieht die Aktie noch ein wenig positiver und rät zum „Akkumulieren“. Das Geschäftsmodell von Boss stimme und wenn sich die Rahmenbedingungen für die Textilwirtschaft wieder verbessern, sollte das Unternehmen hiervon profitieren können. Aktuell sei das Kurspotenzial für die Boss-Papiere allerdings begrenzt. Seit Ende Januar hat sich deren Wert von 8,50 auf 17,30 Euro mehr als verdoppelt. „Auf dem jetzigen Niveau dürften positive Zeichen wie die verbesserte Verbraucherstimmung, eine mögliche Erholung der Textilindustrie im kommenden Jahr und das erwartete Ergebniswachstum bei Boss bereits eingepreist sein“, schreiben auch die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt in einer Studie. Sie bewerten die Aktie mit „Hinzufügen“ und nennen ein Kursziel von 18 Euro.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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