Analysten sehen gute Chancen für Kurssteigerungen: Ausblick: Dax vor Zitterpartie

Analysten sehen gute Chancen für Kurssteigerungen
Ausblick: Dax vor Zitterpartie

Viele Börsenexperten trauen dem Dax in der kommenden Woche einen Anstieg zu. Gefahrenpotenzial sehen Beobachter in der Zins- und Preisentwicklung sowie politischen Unsicherheiten. Von Unternehmensseite kommen zahlreiche Impulse.

HB DÜSSELDORF. Frank Schallenberger, Aktienstratege der LBBW, traut dem Dax nach einer Verschnaufpause in dieser Woche bei positiven Signalen aus der laufenden Berichtssaison ein Plus von 100 Zählern zu. „Einen Stand von 4400 bis 4500 Punkten halte ich für durchaus realistisch“, sagte er. Am Freitagnachmittag notierte der deutsche Leitindex 0,33 Prozent höher bei 4383 Stellen und damit praktisch unverändert zur Vorwoche.

Zitternd in Richtung 4600 Punkte, so sehen andere Marktteilnehmer den Dax in der kommenden Woche streben. Der Markt befinde sich derzeit in einem Spannungsfeld aus steigenden Gewinnen und Dividenden, aber ebenso steigenden Zinsen und Inflationsängsten. Vor allem fehle es an einem neuen Katalysator, um Kursgewinne zu rechtfertigen, heißt es. Das Fehlen großer „Investmentthemen“ sei derzeit ein Problem. Diese Themen geben wichtige, langfristige Perspektiven für institutionelle Investoren. Ohne Thema sei kaum einer von ihnen zum Markteintritt zu bewegen, meint ein Händler, sprich: ohne Thema kauft niemand die Kurse hoch.

Ängste vor Konjunkturabschwächung

Mit dem faktischen Ende der Berichtssaison in den USA und dem nahenden Ende in Europa fallen Unternehmensgewinne als ein solches Thema aus. Dies zeigten bereits die guten Zahlen von Hewlett-Packard, die von den globalen Technologieaktien ignoriert wurden. Auch Konjunkturdaten geben bislang nicht die nötigen Argumente, und die Politik entpuppt sich immer wieder als Störfaktor. So zeigten sich als Enttäuschung der vergangenen Woche die US-Frühindikatoren. Sie gingen zwar nur um 0,3 Prozent zurück, damit allerdings das erste Mal in drei Monaten. Dies weckte neue Ängste vor einer Konjunkturabschwächung, der auch das neue Vierjahres-Tief bei den US-Arbeitslosen nicht entgegenwirken konnte.

Politisch sorgten US-Präsidents Bushs Ansagen in Richtung Iran und Syrien für Sorgen. Sein Deutschlandbesuch am Dienstag mit entsprechendem Verkehrschaos im Rhein-Main-Gebiet könnte für eine besondere Lähmung der deutschen Märkte sorgen.

Technische Analyse stützt Optimismus

Damit bleibt dem Markt nur noch der Blick auf die globale Zinsentwicklung als Thema - und damit auf die Inflation und Alan Greenspan. Die Reden des US-Notenbank-Chefs vor US-Kongress und -Senat wurden als klare Ansage für steigende Zinsen gewertet. Als dann am Freitag ein deutlicher Anstieg der US-Inflationsrate für Januar gemeldet wurde, sahen Marktteilnehmer ihre Befürchtungen bestätigt. „Damit sind Inflationsängste zurückgekommen“, sagte ein Händler. Möglicherweise könnte die nächste US-Zinserhöhung sogar einen halben Punkt betragen. Die Kernrate der Inflation ohne Energie- und Nahrungsmittel war im Januar um 0,8 Prozent anstelle erwarteter 0,2 Prozent angestiegen.

Rentenpapiere und zinsempfindliche Aktien haben danach ihren Weg nach Süden eingeschlagen und werden es wohl weiter tun. Privatanleger sollten ab jetzt die Finger von Renten lassen, empfehlen Anlageexperten. Jedoch müssten steigende Zinsen sich nicht negativ auswirken, solange eben nur die Unternehmensgewinne noch kräftiger zulegen als diese. Für den Dax bleiben damit die positiven Aussichten erhalten.

Gestützt wird der vorsichtige Optimismus von technischen Analysten. Sie sehen den Dax nach wie vor im intakten Aufwärtstrend. Eine Korrektur bis hinunter auf 4300 Punkte wäre lediglich ein gesunder Test der Ausbruchniveaus von oben, heißt es. Sollte der Dax hingegen signifikant steigen, könnte ihn die aktuelle Kursdynamik bis genau 4600 Punkte tragen. Wohin der Dax wirklich tendiert, wird sich jedoch erst der Montag zeigen. Dann wird der kleine Februar-Verfall an der Terminbörse Eurex vom Freitag abgewickelt.

Hoffen auf Premiere

„Ein erfolgreicher Börsengang von Premiere könnte uns in Deutschland auch helfen“, sagte Frank Schallenberger, Aktienstratege der LBBW. Mit einer geschätzten Marktkapitalisierung von bis zu 3,5 Milliarden Euro dürfte Premiere der größte Börsengang in Deutschland seit der Deutschen Postbank im vergangenen Sommer werden. In den USA reißt - anders als in Deutschland - die Zahl der erfolgreichen Börsengänge nicht ab. Dolby Laboratories, bekannt vor allem durch die Sound-Anlagen in modernen Kinosälen, legten zu ihrem Börsendebüt am Donnerstag spektakuläre 35 Prozent an Wert zu. Premiere wird voraussichtlich am Dienstag die Preisspanne für seine Aktien bekannt geben, deren Erstnotiz für den 9. März geplant ist.

Von Unternehmensseite kommen nächste Woche zahlreiche Impulse. Die Deutsche Börse berichtet am Montag. Am Dienstag folgen freenet.de, Henkel, Philips, ProSiebenSat.1 und Schwarz Pharma. Am Mittwoch berichten Dialog Semiconductor und am Donnerstag AXA, Fielmann, Fresenius Medical Care, Fresenius, GfK, HVB (HypoVereinsbank), Nestle, RWE, Techem und Telecom Italia. Am Freitag beschließt MorphoSys die Zahlenflut.

Die Deutsche Börse, mit einem Kursplus von über fünf Prozent Star der zu Ende gehenden Börsenwoche, wird am Montag Abend nach Schätzung von Experten für 2004 einen deutlich gestiegenen Nettogewinn ausweisen. Zu den Übernahmeplänen für die Londoner Börse wird es nach Einschätzung aus Finanzkreisen auf der Pressekonferenz am Dienstag jedoch keine Neuigkeiten geben. Auch der Konsumgüterhersteller Henkel und der Energieversorger RWE dürften zuletzt deutliche Gewinnsteigerung verbucht haben. „Bei der HVB müssten nach den Milliarden-Abschreibungen alle schlechten Nachrichten bekannt sein“, sagte ein Börsianer. Im Markt wurde zuletzt immer wieder über eine mögliche Kapitalerhöhung spekuliert, während es in Unternehmenskreisen hieß, dies sei nicht geplant.

Auf der Konjunkturseite steht am Dienstag das US-Verbrauchervertrauen für Februar und am Mittwoch der Ifo-Geschäftsklima-Index zur Veröffentlichung an. Nach dem zuletzt überraschend starken Anstieg des ZEW-Index, der als Vorläufer zum Ifo-Indikator gilt, rechnen Experten auch hier mit positiven Konjunktursignalen. Von Reuters befragte Analysten rechnen mit einem Ifo-Anstieg auf 96,75 Punkte von 96,40 Stellen. Damit stiege der Index den vierten Monat in Folge.

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