Analysten sehen Kurschancen
Coca-Cola sticht Rivalen aus

Softdrinks mit Kohlensäure geraten in den USA zunehmend in Verruf. Das bekommt die Getränkeindustrie jetzt zu spüren. Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren ist der Branchenumsatz zurückgegangen, zeigt die aktuelle Studie des Marktforschungsfirma Beverage Digest/Maxwell. Dennoch räumen Analysten dem Marktführer Coca-Cola gute Chancen am Aktienmarkt ein.

HB HOUSTON. Die Vorwürfe von Lebensmittelexperten und Verbraucherschützern sind nicht neu: Ungesund und überzuckert seien die Limonaden und mit schuld daran, dass schon viele Kinder krankhaft fettleibig sind. Die Kritiker treffen auf Grund des wachsenden Gesundheitsbewusstseins bei der US-Bevölkerung auf offene Ohren. Selbst viele kalorienarme Diät- und Light-Produkte, die bisher zu den stabilen Geschäftsbereichen zählten, werden inzwischen seltener gekauft.

Doch die Produkte des Coca-Cola-Konzerns und vor allem die berühmte braune Brause bleiben die Favoriten der Kunden. Als unumstrittener Marktführer vergrößerte der Konzern aus Atlanta sogar leicht den Abstand zu Erzfeind Pepsi Cola. In einem schwierigen Umfeld „hat Coca-Cola gezeigt, dass es seinen Marktanteil bei den Limonaden halten und sogar ausbauen kann“, lobt Caroline Levy von UBS. Levy erwartet, dass die Aktie im laufenden Jahr ein Aufwärtspotenzial von mehr als 20 Prozent besitzt. „Die größte Sorge der Anleger ist jetzt, dass der Konzern immer noch so stark auf dieses Segment fixiert ist. Doch die Geschäftsleitung hat im vergangenen Quartal gezeigt, dass sie weiter daran arbeiten, ihr Angebot breiter zu fächern.“

In der Tat rührt die Firma aus Atlanta kräftig die Werbetrommel für den Sportdrink „Vault“, der seit Februar auf dem Markt ist und Pepsis „Mountain Dew“ Konkurrenz machen soll. Auf dem osteuropäischen Markt hat sich Coca-Cola im vergangenen Jahr durch die Übernahme der Multon-Saftwerke und ihrer Abfüllfirmen eingekauft. „Wir bewerten es als positiv, dass der Konzern so ein internationales Profil hat und auch in den aufstrebenden Märkten gut vertreten ist. Nur etwa ein Viertel des Unternehmensgewinns stammt noch aus den USA“, sagt Cheryl Gedvila, Analystin bei Prudential.

Größter Schwachpunkt bleibt die sinkende Nachfrage nach Softdrinks in etablierten Märkten. Denn in Westeuropa kämpft der Konzern vielerorts mit sinkenden Absatzzahlen bei den Limonaden. „In Deutschland sah das vergangene Quartal ganz viel versprechend aus, aber insgesamt steht Coca-Cola in Europa unter Druck“, sagt Judy Hong von Goldman Sachs.

Doch der amerikanische Traditionskonzern hat vorgesorgt. Neue Fitnessgetränke, bewährte Saftmarken und auch ungewöhnliche Cola-Kombinationen sollen die Kunden locken. Im April geht in den USA zum Beispiel „Coke Blak“ an den Start, eine Cola mit Kaffeegeschmack, die in Frankreich bereits ein erfolgreiches Debüt hingelegt hat. Auch Christine Farkas von Merrill Lynch lobt „die gute Bandbreite an Innovationen, die der Konzern in Vorbereitung hat“.

Die Berufung des neuen Chefs im internationalen Geschäft, Muhtar Kent, sehen die Experten daher mit Wohlwollen. „In der ersten Analystenkonferenz seiner neuen Funktion hat sich Mr. Kent als Anpacker präsentiert, was ein gutes Zeichen ist“, lobt Bryan Spillane von Bank of America.

Multimilliardär Warren Buffet verlässt unterdessen im kommenden Monat den Aufsichtsrat. Kein Grund zur Sorge, sagt Spillane: „Mr. Buffets Berkshire Hathaway besitzt rund 200 Mill. Aktien, und wenn er die verkaufen würde, wäre das ein schlechtes Zeichen – sein Abtritt dagegen nicht. Dass Mr. Buffet es für weniger notwendig hält, aktiv in die Unternehmensgeschicke einzugreifen, lässt sich eher als Billigung der Geschäftsleitung interpretieren.“

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