Analysten setzen auf neue Produkte
Merck & Co. macht wieder Fortschritte

Der US-Pharmariese Merck muss zurzeit gleich mehrere Leiden kurieren: Auslaufende Patentfristen, unerwartet schwache Medikamentenverkäufe und negative Analystenprognosen drücken auf den Wert. Seit der Konzern vor anderthalb Monaten die Erwartungen der Experten für das zweite Quartal um einen Cent verfehlte, stürzte der Aktienkurs um rund 15 % und dümpelt seither bei etwa 51 $.

HOUSTON. Die Anlageurteile der Analysten sind für Merck entsprechend vorsichtig: Der Finanzdienstleister Thomson Financial verzeichnet 29 Bewertungen, von denen fünf zum Kauf und 21 zum Halten der Aktie raten. Allerdings sehen manche Experten den aktuellen Preisrutsch als Chance. Zu Wochenbeginn bekamen Pharmatitel Auftrieb an den Märkten, nachdem ein Bericht des Finanzmagazins Barron’s die momentanen Preise der Branche als attraktiv bezeichnet hatte. Das Verhältnis von Kurspreis zu den Gewinnerwartungen des kommenden Jahres (KGV) liege für Merck bei einem Wert von rund 14 und damit niedriger als der Durchschnitt im Standard&Poors-500-Index.

„Der Ausverkauf war übertrieben, und diese Überreaktion hat eine sehr attraktive Einstiegsgelegenheit für die Aktie geschaffen“, sagt auch Jami Rubin von Morgan Stanley. „Wesentlich ist, dass die Geschäftsführung trotz der verfehlten Prognose im zweiten Quartal nicht von ihren Zielen für das Gesamtjahr abgewichen ist – nämlich dass das Pharma-Kerngeschäft zweistellige Zuwachsraten erreichen wird.“ Rubin bewertet den Titel mit „Übergewichten“ und setzt das Kursziel auf 65 $ – im Vergleich zum aktuellen Stand ein Plus von mehr als 20 %.

Kurzfristigen Auftrieb gab der Merck-Aktie Mitte August die Ausgliederung der Tochter Medco Health Solutions. Mit der Weitergabe der Anteile an die Aktionäre trat Merck auch die Verantwortung für Vorwürfe ab, dass Medco in seinen Lieferungen die Produkte des ehemaligen Mutterunternehmens bevorzugt haben soll. Dennoch erwarten Analysten keinen langfristigen Effekt durch die Ausgliederung. Im Vergleich zu anderen Problemen „spielt Medco so gut wie keine Rolle für Mercks zukünftiges Schicksal“, sagte Richard Evans vom Bankhaus Sanford C. Bernstein der Nachrichtenagentur Reuters.

Drängend sind unter anderem die Schwierigkeiten mit auslaufenden Patenten. Allein in den vergangenen drei Jahren gaben die US-Behörden fünf von Mercks umsatzstärksten Medikamenten gegen Bluthochdruck und zu hohe Cholesterinwerte für die Konkurrenz frei. Seit Anfang 2001 hat Mercks Aktienkurs daher 36 % verloren, während andere Unternehmen der Branche im Schnitt nur 23 % niedriger liegen.

Weiteres Ungemach droht 2006. Dann steht das Patentende für Mercks Spitzenprodukt an, den Cholesterinsenker Zocor. Frische Wachstumsimpulse sollen daher neue Produkte bringen. Auf längere Sicht hat Merck gute Chancen, eine Reihe von so genannten „Blockbustern“ zu liefern. So werden in der Pharma-Branche Medikamente bezeichnet, die einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar erzielen. „Das Impfstoff-Portfolio bietet möglicherweise Aufwärtspotenzial“, sagt Analyst James Kelly von Goldman Sachs. „Drei Mittel, die sich zurzeit noch in der Testphase befinden, könnten sich zu Verkaufsschlagern entwickeln, darunter ein Impfstoff gegen Gürtelrose.“ Dennoch erwartet er nur eine durchschnittliche Entwicklung der Merck-Aktien und reduzierte kürzlich auch seine Erwartungen für die Gewinne der kommenden drei Jahre.

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