Analysten sind wieder positiv gestimmt für die bislang schwächste Aktie im Dow Jones
IBM gewinnt Vertrauen der Anleger zurück

Der Zeitpunkt war gut gewählt für IBM: Mitten in die Ferienstimmung vor dem langen Independence-Day-Wochenende platzte die Nachricht, dass sich der Computerkonzern mit seinem Konkurrenten Microsoft in einem jahrelangen Kartellstreit geeinigt hat. Prompt legte die Aktie um einige Prozent zu.

HOUSTON. Der Vorwurf von IBM: Microsoft habe das Unternehmen in der Preispolitik benachteiligt und höhere Preise für die Betriebssysteme verlangt. Jetzt soll Microsoft 775 Mill. Dollar an den Konkurrenten zahlen, und IBM erhält zusätzlich Software im Wert von 75 Mill. Dollar. Den Auftrieb kann IBM gut gebrauchen. Denn obwohl die wenigsten Experten wirkliche Bedenken wegen der Konzerngeschäfte hegen, herrscht zurzeit schlechte Stimmung zwischen dem Unternehmen aus dem Bundesstaat New York und der Wall Street.

Mehrere Analysten sind verärgert über die Konzernleitung, und seit einigen Tagen ermittelt nun auch die Börsenaufsicht SEC: Im April hatte IBM mitgeteilt, dass Mitarbeiter-Aktienoptionen das Ergebnis um 10 Cent pro Aktie reduziert hätten. Doch aufgrund früherer Äußerungen des Managements hatten die meisten Analysten mit einer Beeinträchtigung von 14 Cent gerechnet und ihre Erwartungen entsprechend nach unten geschraubt. Einige Analysten glauben daher, dass sie vorsätzlich getäuscht wurden und IBM lediglich die enttäuschenden Quartalsergebnisse etwas abfedern wollte.

Nach dem Eklat im Frühjahr stürzte die Aktie zunächst um 20 Prozent ab und dümpelt seitdem seitwärts. Mit einem Minus von insgesamt etwa 25 Prozent war sie im ersten Halbjahr der schlechteste Dow-Wert. Allerdings „hat IBM in den vergangenen zwei Jahren bereits Schritte unternommen, um die Finanzberichterstattung transparenter zu machen“, sagt Megan Graham-Hackett von der Ratingagentur S&P. Sie rechnet damit, dass die SEC-Untersuchung relativ schnell über die Bühne gehen sollte. Auch Chris Whitmore von der Deutschen Bank sagt: „Am niedrigen Aktienpreis kann man ja sehen, dass ein Teil der schlechten Stimmung andauert. Aber in den nächsten sechs bis zwölf Monaten sollte dieses Thema in den Hintergrund rücken.“

Und die Fundamentaldaten stimmen schließlich, sagen Analysten. Die Prudential Equity Group nennt IBM „langfristig einen eindeutigen Gewinner“ im Server-Bereich. Laura Conigliaro von Goldman Sachs schätzt, dass sich die Auftragsbücher bei IBM in diesem Vierteljahr wieder mehr füllen werden als bisher: „Sowohl im Vergleich zum vergangenen Jahr als auch zum vorigen Quartal sollten die Service-Vertragsabschlüsse steigen – zum ersten Mal in sieben Quartalen ist also der Jahresvergleich positiv.“

Unter anderem hat IBM ein Abkommen mit dem italienischen Mischkonzern Fiat ausgeweitet. Für die nächsten neun Jahre übernehmen die Amerikaner sämtliche IT-Aktivitäten in Fiats Kernbereichen. Das Volumen beträgt nach Schätzungen von Experten jährlich 200 Mill. Euro. Neue Anwendungsmöglichkeiten testet IBM außerdem mit dem Verkauf seines „Cell“-Prozessors: In Kürze soll der Chip, den IBM ursprünglich für Spielkonsolen wie die Playstation von Sony entwickelt hat, auch in medizinische und militärische Geräte eingebaut werden.

Insgesamt sollte IBM deshalb in nächster Zeit wieder Boden unter den Füßen bekommen: Die Analysten von Prudential rechnen damit, dass der Aktienkurs binnen Jahresfrist auf rund 107 Dollar klettert, also mehr als 40 Prozent über dem jetzigen Stand. „IBM bewegt sich zurzeit am unteren Ende der historischen Bandbreite des Kurs-Gewinn-Verhältnisses“, sagt auch Laura Conigliaro. Angesichts solcher Niedrigpreise legt die Mehrheit der Experten den Anlegern die Aktie erst recht ans Herz: 13 von 22 Analysten raten zum Kaufen, neun zum Halten, ermittelt Thomson First Call.

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