Analysten: Springer-Konzern wird Vorzugsaktionären bei Übernahme kein attraktives Pflichtangebot unterbreiten
Pro-Sieben-Aktionären droht Kursverfall

Die Spekulationen über eine baldige Mehrheitsübernahme durch den Berliner Axel Springer Verlag (Welt, Bild, Hörzu) haben den Kurs der Münchener Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 kräftig beflügelt. Innerhalb von zwei Monaten stieg die Notierung der Vorzüge von 13,50 Euro auf inzwischen über 15 Euro.

HAMBURG. Fraglich ist aber, ob die Vorzugsaktionäre Grund zur Freude haben. Denn die meisten Analysten gehen davon aus, dass der Springer-Verlag auf Grund fehlender Kapitalkraft lediglich die stimmberechtigten Stämme erwerben wird. Sie reichen für die Zwecke des Springer-Vorstandschefs Mathias Döpfner aus, die Kapitalmehrheit bei der TV-Kette zu übernehmen und damit Pro Sieben Sat 1 in den Springer-Bilanz zu konsolidieren. Hingegen dürfte er den Vorzugsaktionären ein unattraktives Pflichtangebot unterbreiten. Die Folge: Der Kurs der Vorzüge geriete unter Druck.

„Ein eventuelles Pflichtangebot an die Vorzugsaktionäre wird nach unserer Einschätzung unter dem aktuellen Börsenkurs liegen, so dass die außenstehenden Aktionäre das Angebot nicht annehmen werden“, betonen Analysten der DZ Bank. Ähnlich sieht dies auch Florian Leinauer, Analyst beim Helaba Trust aus: „Es macht für Springer betriebswirtschaftlich keinen Sinn, die Vorzüge zu übernehmen und Pro Sieben Sat 1 von der Börse zu nehmen“, erklärt Leinauer. Denn der Printriese würde durch den Erwerb der Pro Sieben-Vorzüge lediglich erhebliches Kapital binden. Das „Bild“-Imperium verfügte Ende des 1. Quartals über liquide Mittel von netto rund 190 Mill. Euro und kann für Akquisitionen eigene Aktien von rund 9,9 Prozent einsetzen. Sie sind derzeit an der Börse rund 350 bis 400 Mill. Euro wert.

Der Springer-Konzern muss nach dem Wertpapierübernahmegesetz den Vorzugsaktionären ein Pflichtangebot unterbreiten, wenn das Unternehmen die Schwelle von über 30 Prozent überschreitet. Springer besitzt derzeit zwölf Prozent der Pro- Sieben-Stämme und Vorzüge. Die restlichen Stämme besitzt eine Holding um den amerikanischen Investor Haim Saban. Rund 75 Prozent der Vorzüge befinden sich hingegen im Streubesitz.

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