Analysten und Investoren bezweifeln, dass der Internetdienstleister mit der neuen Kommunikationsplattform Erfolg hat
Hohe Erwartungen belasten Web.de

Der Internetdienstleister Web.de hat es schwer in seinem fünften Börsenjahr. Im ersten Halbjahr steigerte das Unternehmen den Umsatz um 31 Prozent, zudem hat es angekündigt, in das lukrative DSL-Geschäft einzusteigen. Dennoch sinkt der Aktienkurs beständig.

FRANKFURT/M. Seit Februar haben sich Web.de-Titel von 10,50 auf weniger als sieben Euro verbilligt. Unter den 30 Werten im Technologie-Index TecDax zählt Web.de damit zu den Schlusslichtern.

Analysten führen die schwache Entwicklung auf die vage Zukunftsstrategie von Web.de zurück. Zwar wird Vorstandschef Matthias Greve nicht müde, das Potenzial des neuen Geschäftsmodelles Com.Win zu preisen. Doch die Investoren stehen der neuen Plattform, die alle Arten moderner Kommunikation (Fax, Telefon, E-Mail und SMS) verbindet, kritisch gegenüber. So lange es keine Anzeichen dafür gibt, dass Com.Win die hohen Erwartungen erfüllt, werden die Anleger die Aktie meiden, erwarten Analysten. Die meisten von ihnen raten daher weiter nur zu einer neutralen Gewichtung der Web.de-Aktie.

Das war vor gut einem Jahr noch anders, als die Aussicht, dass Web.de die Bilanz 2003 erstmals mit einem Gewinn abschließen würde, die Aktie beflügelte. Innerhalb weniger Monate verdreifachte sich der Kurs damals. Am Jahresende kam dann tatsächlich ein Gewinn von 0,8 Mill. Euro heraus, und für das laufende Jahr peilt das Unternehmen nach einem leichten Halbjahresplus erneut ein positives Ergebnis an.

Die hohe Bewertung des Internetdienstes an der Börse rechtfertigen diese Zahlen allerdings nicht. „Da ist einiges an Phantasie drin“, sagt Viktor Hund, Analyst der BW-Bank. Auf Basis der für 2004 erwarteten Gewinne liege das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 85 – das sei das zweithöchste im TecDax. Und auch das Verhältnis von Kurs und Umsatz wirft kein gutes Licht auf die Aktie. Pro Wertpapier ist der Kurs dreimal höher als der Umsatz.

Zu kämpfen hat Web.de weiter mit sinkenden Werbeeinnahmen. Seit 2001 sind diese um mehr als die Hälfte eingebrochen. Der Ideenreichtum der Brüder Matthias und Michael Greve, die die Gesellschaft 1994 gründeten und die Mehrheit der Aktien halten, hat Web.de vor Schlimmerem bewahrt. So erwirtschaftete das Unternehmen im ersten Halbjahr mit digitalen Bezahl- Diensten 11,7 Mill. Euro – rund 50 Prozent des Umsatzes. Dazu zählt der gebührenpflichtige Web.de Club, der zurzeit rund 300 000 Mitglieder hat. Auch mit E-Commerce erzielte Web.de einen Halbjahresumsatz von immerhin 2,4 Mill. Euro. „Das Kerngeschäft läuft sehr gut“, fasst Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim, die Zahlen zusammen.

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