Analysten warnen
Fußball gibt Zockern den Kick

Fußballaktien haben nach Meinung von Experten mit seriöser Geldanlage nichts zu tun. Wer allerdings Spaß am Zocken hat, der kann auf den Fußball setzen. „Fußballaktien sind keine Wachstumspapiere. Sie eignen sich aber für spekulative Anleger, die den kurzfristigen Erfolg suchen“, sagt Branchenexperte Thomas Dörflinger von der Landesbank Baden-Württemberg.

FRANKFURT. Wer sich zum Beispiel rechtzeitig mit Aktien des englischen Erstligisten Aston Villa eingedeckt hat, kann jetzt einen beachtlichen Gewinn mitnehmen. In der vergangenen Woche stimmte der Verein einer Übernahme durch den US-Milliardär Randy Lerner zu. Lerner, der Besitzer des amerikanischen Football-Teams Cleveland Browns, wird Villa für 62,6 Mill. Pfund (93 Mill. Euro) übernehmen. Der Aktie hat das gut getan: Von umgerechnet 5,50 Euro im vergangenen Monat kletterte sie auf knapp acht Euro.

Schon einmal hat sich ein US-Milliardär in den englischen Fußball eingemischt. Der Investor Malcolm Glazer legte im Mai 2005 umgerechnet 1,1 Mrd. Euro auf den Tisch, um sämtliche Aktien von Manchester United unter Kontrolle zu bringen. Glazer ist kein leidenschaftlicher Fußballfan, wohl aber guter Geschäftsmann. Schließlich erzielte ManU neben sportlichen Erfolgen mit zahlreichen Nebengeschäften über Jahre satte Gewinne. Der Verein brachte einen eigenen TV-Sender auf Sendung, bot den Fans eine United-Kreditkarte und eröffnete ein Reisebüro.

United ist mittlerweile in Glazers Privatbesitz, Gewinne fließen in seine Tasche, seine Söhne sitzen im Vorstand. Die Fans rebellierten gegen den neuen Boss. Doch so manchen Aktionär, der 1991 zu den Erstzeichnern gehörte, machte die Übernahme zum reichen Mann. Die Aktie des Traditionsvereins notierte zwischenzeitlich 1 500 Prozent über dem Ausgabekurs. Rund ein Dutzend englische Vereine sind an der Börse notiert. Branchenexperten erwarten, dass Aston Villa und Manchester nicht die einzigen Klubs bleiben, die einen zahlungskräftigen Investor anlocken, als Übernahmekandidat gilt zum Beispiel Newcastle United.

Dass sich die Finanzwelt meist nur kurzzeitig für Fußballtitel interessiert, hat seinen Grund: „Fußballvereine sind nicht auf Gewinn, sondern allein auf sportlichen Erfolg ausgerichtet“, sagt Arnd Hovemann, Sportexperte bei Ernst & Young. Langfristig weist nahezu keine Fußballaktie in Europa eine positive Wertentwicklung auf. Ob Ajax Amsterdam, Galatasaray Istanbul oder Borussia Dortmund – keiner der Titel konnte seinen Ausgabekurs halten. Der DJ Stoxx Football Index, der die Entwicklung von 28 europäischen Klubs widerspiegelt, verlor mehrere Jahre stark an Wert. Seit Beginn dieses Jahres legte er jedoch 13 Prozent zu.

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