Analysten werten Quartalszahlen als solide
Deutsche Bank regt Phantasie an

Nach den besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen der Deutschen Bank rechnet die Mehrzahl der Analysten mit Kursgewinnen der Aktie. Bei allem Optimismus bleiben jedoch auch Risiken.

FRANKFURT/M. Obwohl die Daten am Donnerstag vergangener Woche an der Börse zunächst kaum für Bewegung in der Aktie von Deutschlands größter Bank sorgten, trafen sie bei den Experten durchweg auf positives Echo. „Solide“ war das Wort, mit dem die Zahlen am häufigsten beschrieben wurden. Das Renditeziel von 25 Prozent vor Steuern gilt nun als realistisch erreichbar. Als positiv wurden vor allem das angekündigte Aktienrückkaufprogramm, die in Aussicht gestellte Dividenerhöhung sowie die Buchgewinne beim Verkauf von DaimlerChrysler-Anteilen bewertet.

Die Deutsche Bank hatte vergangenen Mittwoch einen Anstieg des Vorsteuergewinns um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 947 Mill. Euro vermeldet und damit die Analysten-Erwartungen von 803 Mill. Euro deutlich übertroffen. Geholfen haben dabei – neben einem um zwölf Prozent höheren Ergebnis im Investmentbanking – eine auf 75 Mill. Euro von 155 Mill. Euro gesunkene Risikovorsorge sowie um rund 80 Mill. Euro geringere Restrukturierungskosten. Die Aktie der Deutschen Bank reagierte jedoch kaum auf die Daten und beendet den Freitagshandel etwas niedriger bei 71,50 Euro. Wertpapierhändler sprachen von einer abwartenden Haltung vor dem traditionell etwas schwächeren zweiten Halbjahr und verwiesen auf die Kursgewinnen der Titel von rund 13 Prozent im vergangenen Monat.

Analysten zeigten sich da optimistischer als der Markt. Nach der Statistik der Nachrichtenagentur Bloomberg empfehlen 23 Experten den Kauf der Aktie, zehn sagen „Halten“ und nur vier raten zum Verkauf. „Trotz der zuletzt starken Entwicklung der Aktie halten wir die Kursreaktion nicht für richtig,“ schrieb Marc Rubinstein, Analyst bei Credit Suisse First Boston (CSFB) in einer Studie. Er erhöhte sein Kursziel um fünf auf 80 Euro und bekräftigte die Empfehlung mit „Outperform“. Rubinstein lobte insbesondere das stabile Geschäft im Rentenhandel der Bank, ein Bereich der vor allem den US-Banken zuletzt große Probleme bereitet hatte. Die Herabstufung der Bonität der US-Autokonzerne General Motors und Ford hatte die Anleihemärkte im zweiten Quartal geschockt, viele Anleger waren damals auf dem falschen Fuß erwischt worden.

Positiv bewertet wurde auch die angekündigte Erhöhung der Dividende für dieses Jahr und der Rückkauf von 54,8 Mill. eigener Aktien bis Oktober 2006. Dabei rechnen die Experten durchweg mit mehr Dividendenrendite als die drei Prozent, die Finanzvorstand Clemens Borsig in einer Telefonkonferenz nannte. Rubinstein kalkuliert wie Analysten-Kollege Georg Kanders von der WestLB mit 2,50 Euro je Aktie nach 1,90 Euro 2004. Matthias Dürr von der DZ-Bank geht in seiner Studie sogar von 2,70 Euro aus, was bei aktuellem Kurs einer Rendite von 3,8 Prozent entspräche. Er erhöhte sein Kursziel auch um fünf Euro auf 80 Euro, die Empfehlung bleibt „kaufen“. Helfen sollte der Deutschen Bank im zweiten Halbjahr auch der Buchgewinn von 300 Mill. Euro aus dem Verkauf von 35 Mill. Aktien von DaimlerChrysler. Die Bank nutzte den Kurssprung in der Autoaktie nach dem überraschenden Rücktritt von Daimler-Chef Jürgen Schrempp und reduzierte ihren Anteil auf 6,9 Prozent. Rubinstein erwartet, dass in diesem auch zum Verkauf stehenden Paket derzeit noch unrealisierte Gewinne von 560 Mill. Euro schlummern.

Bei allem Optimismus bleiben jedoch auch Risiken. Gerade die für die Bank so wichtigen Anleihemärkte eilen derzeit von Rekordhoch zu Rekordhoch. Der seit Jahren erwartete Einbruch könnte nun bevorstehen. Außerdem sind da noch die Schadensersatzklagen in den USA im Zusammenhang mit dem spektakulären Zusammenbruch des Energiehändlers Enron im Jahre 2001. Kanders kalkuliert hier – „sicherheitshalber“ wie er selbst sagt – 500 Mill. Dollar an Schadensersatz ein, bleibt aber bei seiner Kaufempfehlung und erhöht sein Kursziel um zwei Euro auf 84 Euro.

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